|
Relativ genial
10. Februar 2006
 |
 |
| Der liebenswürdigste Zungenzeiger
des letzten Jahrhunderts: Einstein. Bild:
SN/randomhouse |
|
 |
 |
Dass Albert Einstein genial war, dürfte bekannt
sein. Wie genial er war, zeigt Jean-Jacques
Greif in seiner als Brief ver-fassten Biografie.
„Sie haben Millionen von Menschen mit Ihrer
Atombombe getötet.“ Diesen Satz einer Studentin
namens Peggy nimmt Einstein in J.-J. Greifs
Biografie zum Anlass, in einem fiktiven Brief seine
gesamte Lebensgeschichte aufzurollen. In einem fast
kindlich wirkenden Erzählstil, der uns den „Autor“ beinahe
sofort sympathisch werden lässt, wird das teils
turbulente Leben des wohl berühmtesten Physikers
unserer Zeit vor dem Leser ausgebreitet:
All diejenigen, die noch immer eine Schule besuchen
- oder sich noch gut an diese Zeit erinnern können
-, werden wahrscheinlich neidisch werden, wenn
sie lesen, dass dieser Münchner sein Gymnasium
verließ,
da er in Fächern wie Mathematik, Physik und den
anderen Naturwissenschaften schlicht und einfach schon
zu fortgeschritten war. „Es war für mich
leichter eine Differentialgleichung zu lösen,
als mit den Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden.“,
sagte er selbst dazu.
Man vermag schon beinahe die Entwicklung dieses Mannes
vorherzusagen, wenn man bedenkt, dass dies keineswegs
an einem enormen Lerneifer lag. Ganz im Gegenteil:
Einstein weigerte sich vehement sich auch nur im geringsten
Ausmaße für etwas zu begeistern, das ihn
nicht interessierte. Genauso wie ewiges Auswendiglernen
verabscheute er jeglichen blinden Gehorsam und Menschen,
die sich anmaßten Autorität und Macht zu
besitzen. Dies waren Gründe genug seine Schule
verlassen zu wollen. Bevor er dies offiziell tun konnte,
kam ihm sein Direktor jedoch entgegen indem er den
jungen Albert aus der Lehranstalt verwies (angeblich,
da er den Unterricht negativ beeinflusse). Es stellt
sich die Frage was aus Einstein geworden wäre,
hätte er seinen Schulbesuch nicht vorzeitig abgebrochen.
Gut möglich, dass der Welt die Relativitätstheorie
und all ihre Folgen erspart geblieben wären, denn
wie Einstein selbst es formulierte: „Ich bin
der festen Überzeugung, dass alle Menschen als
Genies auf die Welt kommen. Erst später werden
ihnen durch ihre Eltern und Lehrer die Flügel
gestutzt.“
Doch Einstein kam nicht mit allen Aspekten des Lebens
so gut zurecht wie mit der Mathematik. Das wird beim
Lesen dieser Biografie klar: Sein erstes Kind, eine
Tochter, gaben er und seine erste Frau zur Adoption
frei. Mit dieser hatte er noch zwei Söhne, er
ließ sich aber später von seiner Frau scheiden
um mit seiner Cousine, die er später heiratete
zusammen sein zu können. Hier wird offensichtlich,
dass das physikalische Genie zwar in seiner „kleinen
Welt der Physik“ gut zurecht kam, sein Leben
sonst aber nicht problemlos verlief. Sein Hang, sich
nicht um Gepflogenheiten, wie Sockentragen oder sonstige Äußerlichkeiten
zu kümmern dürfte ihm sein gesellschaftliches
Leben etwas erschwert haben.
Alles in allem schafft es der Autor ein Gleichgewicht
zwischen Genialität und Normalität zu halten.
Außerdem lässt er in auch für den Laien
verständlicher Sprache einige grundlegende Aspekte
der Relativitätstheorie in den „Brief“ einfließen,
so dass der Leser einen (kleinen) Einblick in die Komplexität
des Einsteinschen Weltbilds erhält.
Sicherlich ist jene Studentin Peggy (deren Nachnamen
wir leider nicht kennen) nicht die einzige, die Einstein
als Vater „seiner“ Bombe sah. Allen, denen
heute noch nicht klar ist, dass man Einstein nicht
für die Katastrophe verantwortlich machen kann,
die am Ende des zweiten Weltkriegs geschah (genauso
gut könnte sein Onkel, der ihm die Faszination
der Naturwissenschaften nahe brachte, dafür verantwortlich
gemacht werden), sollte die Lektüre dieser Biografie
die Augen öffnen.
#simon kornhäusl
|