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Finstre Gespräche
1. April 2006
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| Gerüche, Geschmäcker
und Geräusche lösen in kompletter Dunkelheit
die visuelle Wahrnehmung ab. Bild:
SN/mike |
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Beim Wiener "Dialog im Dunkeln" wird eine Welt jenseits
von Farben und Bildern gezeigt. FRITZ-Mitarbeiter Günther
war dabei.
In der Nacht sind alle Katzen grau und alle Menschen
gleich heißt es. Als mich meine blinden Tourguides
Sabine und David zu Beginn der Führung in völliger
Dunkelheit begrüßen und mich mein Begleiter
direkt hinter mir "Gü, wo bist denn?" fragt, geht
mir Ähnliches durch den Kopf. Nachdem sich unsere
sechsköpfige Gruppe um zwei 180°-Kurven getastet
hat, stehen wir nun eng aneinander in völliger
Finsternis. Das erste "Entschuldigung!" wegen Von-hinten-auf-die-Fersen-Steigens
ist mir auch schon über die Lippen gekommen. Es
werden noch unzählige folgen, dessen bin ich sicher.
"Sehende Menschen werden herausgelöst aus ihrer
Routine und der gewohnten Wahrnehmung. Blinde Menschen
sichern die Orientierung und werden zu Botschaftern
einer Kultur ohne Bilder" erklärt DID-Schöpfer
Andreas Heinecke auf der Homepage. Das Konzept funktioniert,
Dialog im Dunkeln wurde mittlerweile in 17 verschiedenen
Ländern präsentiert. Über vier Millionen
Besucher ließen sich bis jetzt auf den kontrollierten
Blindflug ein.
Unserer Route beginnt auf einer duftenden Wiese. Eine
wackelige Hängebrücke muss überquert
werden, und ehe ich mich versehe, stehe ich bereits
mitten in einem dichten Busch etwas abseits des Weges.
Trotz des Blindenstocks fällt es mir schwer, die
Orientierung zu halten und auf dem Kiesweg zu bleiben.
Es geht weiter in einen kleinen Wald, um kurz darauf
zu merken, wie grausam laut eine Großstadt sein
kann. Wir befinden uns nun an einer Straßenkreuzung,
alles läuft in realer Lautstärke rund um
uns ab, und doch kommt man sich vor wie auf einem unmusikalischem
Rock-Konzert. Die Autos brüllen von links, normale
Alltagsgeräusche werden zu einer echten Nervenprobe.
Als Abschluss der einstündigen Führung steht
noch ein Besuch der "unsichtBar" auf dem Programm.
Trinken sowie Zahlen geschieht natürlich auch
hier ohne Licht. Mittlerweile habe ich das Gefühl
als würde ich tatsächlich ein bisschen verstehen,
wie ein Leben ohne Farben, Formen und Bilder sein muss.
Wer also Lust hat auf die Erfahrung eines kontrollierten
80-prozentigen Sinnesverlusts (so viel nimmt unser
Auge ungefähr für uns wahr) hat, dem sei "Dialog
im Dunkeln" in Wien empfohlen.
#günther schmidhuber
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