| Cross Country #4
20. Jänner 2006
Grand Canyon, Las Vegas, San Diego und Hollywood - für FRITZ-Mitarbeiterin
Dini hat der Endspurt ihrer Cross-Country-Reise begonnen ...
Tag 11:
Was um alles in der Welt jault so erbärmlich? Kojoten? Nein, wir werden eines
Besseren belehrt: Riesige Elche wollen so ihre Weibchen anlocken. Aha. Jenn und
ich kriechen also dank Brunftgesang kurz nach sechs aus unseren Schlafsäcken
und sind erst einmal überwältigt. "Awesome!" ist das Wort
der Stunde. Schon gestern am Abend, als wir angekommen sind, war der Grand Canyon
mit seinen leuchtenden Farben umwerfend. Jetzt in der Morgendämmerung hüllt
sich alles in zarte Pastelltöne. Jenn und ich packen unser Zelt in
Rekordzeit und düsen zum nächsten Aussichtspunkt. Dort, wo die Sonne
die Berge direkt beleuchtet, beginnen diese orange zu glühen. Aus einem Tal
voller Rosa-Töne wird eine "brennende" Schlucht. Wir verfressenes
Pack beobachten das Schauspiel futternd (Breakfast Burritos) direkt unterhalb
eines Aussichtspunktes. So manch neidisches "Kuck ma, die haben da richtigen
Kaffä zum Frühstück" enttarnt die Hälfte der Touristen
als Bewohner unseres Nachbarlandes. Richtig erstaunt sind die Guten, wenn "Die
Semmerl san' uns gestern aus'gangen" als Antwort kommt. Ist zwar nicht ganz
wahr (das Gummibrot ist endlich aus!), aber die dummen Gesichter waren diese kleine
Lüge wert. Tag 12: ZIVILISATION! Mit einer gewissen Genugtuung
verstauen Jenn und ich unsere Camping-Klamotten. Ein gepflegtes Bad im Hotel San
Remo und wir sind fertig für den Strip. Nein, wir wollen nicht die Hüllen
fallenlassen, wir sind in Las Vegas. Und DIE Straße dort ist The Strip.
Las Vegas entpuppt sich als das Disneyland für Erwachsene. Alles blinkt,
ist überdimensional, quietschbunt und laut. Nach der berühmten Wassershow
beim Nobelhotel Bellagio gönnen wir uns ein gigantisch teures Sushi - die
zwei Stückerl waren ihre fünf Dollar wert, schmacht-schmelz - einfach
superlecker! Nach ein bisschen Sightseeing (da stehen zum Beispiel Eiffelturm
und Freiheitsstatue am Strip), kommt Jenns "erstes Mal": An den 25c-Slots
fröhnt Miss Ackerman erstmals dem Glücksspiel. Anfangs waren wir mit
unseren zehn Dollar recht erfolgreich, schlussendlich haben wir sie dann doch
bis auf den letzten Cent verzockt. Tag 13: Bye, bye Vegas, hi California,
Staat der Sonne. Und was tut's? - es hat geschifft, aber aus Kübeln! Von
Sonne keine Rede. Und unser Plan geht auch grad den Bach runter. Eigentlich wollten
wir nach San Diego, um eine Freundin von Jenn zu besuchen. Aber mein Ex-Roomy
hat grad gar keine Lust, Erica zu sehen. Lieb, aber fürchterlich anstrengend
soll sie sein. Aha? Was nun? Ein Drama bahnt sich an. Da werden Freundinnen angerufen
und um Rat gefragt, sogar Jenns Mama muss ihre Meinung kundtun. Lange Rede, kurzer
Sinn: wir fahren nach San Diego - und es war die richtige Entscheidung! Tag
14: Nach zwei faulen Wochen im Auto sind wir mit Erica, der Fitness-Besessenen,
in ihr zweites Zuhause, ihr Yogastudio, gegangen. Erie hat schon zwei Kurse a
90 Minuten hinter sich und ist noch schnell "for a run", bevor wir gemeinsam
ins Dampfbad-Yoga gehen. Der Raum ist so heiß und feucht, grausam! Im Dampfbad
entspannt man und beginnt nicht zu turnen! Schon ohne Bewegung krieg' ich einen
dizzy Schädel, nach eineinhalb Stunden haben wir literweise Wasser rausgeschwitzt
und nachgetankt und kriechen mit Bärenhunger und Babyhaut aus der Dampfkammer.
Genug Yoga! Ich bevorzuge eindeutig, Bällen hinterher zu rennen, als mich
zu verrenken und in inhumane Positionen zu zwingen! Tag 15: Langsam
kommt das mulmige Gefühl im Bauch - letzter Tag! Am Weg nach LA rauschen
wir durch Santa Monica, Bel Air und Beverly Hills. Nach dem Sunset Boulevard biegen
wir in den Rodeo Drive, eine fette Einkaufsstraße: Da reiht sich Versace
an Gucci, daneben ein Boss-Store, und und und. Der Tagesumsatz ist höher
als der Jahresumsatz so mancher Einkaufszentren. Raus aus der Nobelecke auf den
Mullholland Drive. David Lynch lässt grüßen! Ein traumhafter Blick
über LA, im Hintergrund das winzige Hollywood-Logo - das habe ich mir irgendwie
mächtiger, imposanter vorgestellt. In Hollywood direkt wirkt alles
so bisserl heruntergekommen. Jenn bevorzugt Beverly Hills, ich fühle mich
hier so richtig wohl. Alles hat einen Alternativ-Touch, irgendwie vergleichbar
mit Berlin. Nur ist hier alles froher und gemütlicher als im dicken B, wo
alles trist und kahl rüberkommt. Apropos trist und kahl - der "Walk
of Fame" ist nix Tolles. Das ist ein ganz normaler Gehsteig, der an leeren
Geschäften vorbeiführt. Daneben cruisen dann wieder die fetten Limos
herum. Schwarze Scheiben, schwarzer Fahrer, fettes weißes Auto und wahrscheinlich
auch fetter weißer Besitzer. Klischee, Klischee! Ein letztes Smoothie
in Hollywood, dann ab durch die Stadt von "24" (bisserl Werbung, aber
die Serie ist einfach genial!) zu Jenns Freundin in den Norden von LA. Packen,
Feiern, Schlafen, Flughafen. Die Zeit war kurz und doch lang. So viele Erinnerungen,
so viele Erlebnisse - mir brummt der Schädel. Der Abschied von Jenn
war ein schneller, ein paar Tränen sind schon unsere Wangen runtergekullert,
aber das Heulkonzert ist ausgeblieben. Schließlich wissen wir beide, dass
- sobald die Kassen wieder gefüllt sind - ein Wiedersehen am Programm steht.
Vielleicht in New York, vielleicht in Paris
#dini lettner
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