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Cross Country #2
1. Dezember 2005
Das Abenteuer wartet: FRITZ-Mitarbeiterin Dini
und
ihre amerikanische Freundin Jenn beginnen ihre Autoreise
durch die Staaten etwas stressiger als geplant ...
Tag 1: Virginia Beach, noch immer! Jenn und
ich haben viel zu viel Zeit mit Packen, Einkaufen und
- Schande über uns, wir sind zu verfressen - Essen
verblödelt. Statt acht a.m. sind wir so gegen
fünf
p.m., also am Nachmittag, gen Norden gerumpelt. Unser
Washington-DC-Aufenthalt war dementsprechend kurz.
Capitol gesehen,
check (auf unserer imaginären
Liste der Sehenswürdigkeiten abgehakt). Das Weiße
Haus hat
sich versteckt, nach 20-minütiger Suche
dann endlich: gesehen, check. Und das war auch schon
der erste Tag "on the road", ab in die Heia.
Tag 2: Ziel Chicago. Doch das Muster vom Vortag
setzt sich fort und wir schaffen's mal wieder nicht
an unser Ziel. Diesmal nicht wegen unseres Schlendrians,
nein, wir haben eine Gratis-Futter-Übernachtungsmöglichkeit
gefunden. Jenn's Grandparents waren gerade zufällig
in Cleveland bei einer Tante zu Besuch - bei eben dieser
älteren Dame haben wir uns auch breit gemacht.
Gemeinsam mit Jenns Großeltern haben wir zuerst
ihren Kühlschrank geplündert (Schaumgummitoast
und Spraydosen-Butter darf scheinbar nicht einmal bei
Über-Achzig-Jährigen im Fridge fehlen - siehe
Cross-Country
#1) und
sind danach zum Baseballstadion gedüst:
Haben also
zu viert die Cleveland Indians mit "hooooo'doooog"
in der einen und "cooooul' beaaa" in der
anderen
Hand angefeuert - alles for free - i love jenn's gran'pa!
Tag 3: Chicago, endlich. Es ist erstaunlich
schwer gewesen, ein (billiges) Hotelzimmer zu bekommen.
Des Rätsels Lösung: die Rolling Stones spielen
genau an diesem Abend in Chicago. Da sind Scharen von
Männern in Pyjamahosen mit aufgedruckten Stones-Lippen
unterwegs - fast wie Fasching! Die Innenstadt selbst
ist Stones-freie Zone, die Fans sind ab 18 Uhr alle
beim Konzert.
Tja, und uns bleiben nur ein paar Stunden, die Metropole
zu besichtigen. Aber Dank unseres tollen "Check-Systems"
haben wir es irgendwie geschafft: Wir sind die wichtigen
Avenues entlang geschlendert (Michigan Ave ist eine
Maria-Hilfer-Straße im Riesenformat!), haben
die
Touristenplätze gesehen und waren am "Strand"
- Lake Erie ist so groß, dass es dort wirklich
einen Sandstrand mit netten Wellen gibt. Irrsinnig
schräg:
Flutlicht-Beachvolleyball-Plätze, direkt hinter
dem Strandstreifen die Wolkenkratzer (in der Nacht
eine
umwerfende Skyline ),
die Mischung aus "Meeresrauschen"
und City-Lärm. Die Zeit am Strand hat sich "unecht"
angefühlt: der Sand war so weich, die Geräusche
gleichzeitig weit weg und doch ganz nah und die Gerüche
undefinierbar. Dream-like.
Die Chicagoer Pizza danach war umso realer: eine Panpizza
mit dickem, gefülltem knusprigem Rand - aber nicht
so fetttriefend, wie man sie bei uns kennt. Der krönende
Abschluss war der Besuch in einem der guten, aber wirklich
kleinen Blues-Clubs .
Wahnsinn, die drei "alten
Knacker" auf der Bühne haben gerockt und
gejammt
ohne Ende. Als dann noch ein vierter mit Mundharmonika
auf die Bühne gekommen ist, konnt keiner im Raum
mehr
ruhig sitzen. Die doch etwas starken Cocktails dürften
das ihre zu der beschwingten Atmosphäre im "Blues"
beigetragen haben.
Tag 4: Eindeutig der teuerste Tag. Wisconsin
ist ein ganz autofahrerfeindlicher Staat, seid gewarnt!
Aber der Reihe nach. Wir brechen also in aller Herrgottsfrüh
leicht übernachtig gen Westen auf. Am Highway
sehe
ich die ersten Polizeiautos im Einsatz. Anders als
bei
uns sind in den USA die Fahrbahnen nicht durch Leitplanken
sondern durch einen zirka vier Meter breiten Grasstreifen
getrennt. Dort parken manchmal Polizeiautos und warten
auf Temposünder, denen sie dann mit Tatüü-Tataa
hinterher düsen.
Es geht aber noch besser: Vor uns fährt ein Polizeiauto,
keiner traut sich zu überholen (und das bei einem
Tempolimit von 65 Meilen pro Stunde = weniger als 110
km/h - Autofahren ist dort wirklich eine langweilige
und langwierige Geschichte). Auf einmal "rast"
(fährt nicht wirklich schnell) auf der anderen
Straßenseite ein Auto vorbei. Der Polizeiwagen
vor uns schaltet seine gesamte Blinke-Lamperl ein (und
das sind wirklich viele und in allen Farben - das Bullenfahrzeug
leuchtet jetzt also wie ein Hau-Den-Lukas-Automat auf
der Dult) und driftet im Handbremsenslide durch den
Grasstreifen auf die andere Fahrbahn.
Ganz begeistert von der eben gesehen Aktion und voller
Freude, dass das langsame Polizeiauto endlich vor mir
weg ist, wird mein Gasfuß ein bisserl schwerer.
Keine fünf Minuten später, als wir gerade
bergab fahren (und da wird man ja auch ohne extra Gas
zu geben etwas schneller), versucht mich Jenn noch mit
"Watch out!" zu warnen - vergebens. Da war
ein anderes Blinkeauto auch schon hinter uns. 85 Meilen
(zirka 140 km/h) statt der erlaubten 65 mph: das kostet
in Wisconsin stolze 263 Dollar. Zu zahlen sofort, mit
Kreditkarte oder Cash - sonst wird man verhaftet. Na
bravo. Wenigstens war der Dollarkurs gerade im Keller.
Meine Laune für die nächsten paar Stunden
allerdings auch...
Am Abend war wieder alles paletti - von Schmollen keine
Rede mehr. Der Sonnenuntergang in South Dakota hat zu
Verzückung höchster Güte geführt.
Mitten im Wild Wild West, am Horizont die Berge... doch
davon mehr im nächsten Blog!
#dini lettner
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