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"Warmer" Sand
15. August 2005
Von Polizeikontrollen, gleichgeschlechtlicher
Liebe und univer-sitären Strapazen. So langsam lebt
sich FRITZ-Mitarbeiter Günter in Rio ein.
Nachdem wir unsere Strandtücher im Sand ausgebreitet
hatten, und es uns gemütlich machten bemerkte
ich plötzlich die zwei küssenden Männer
hinter uns. Als ich ein weiteres männliches Pärchen
in mehr als freundschaftlichen Kontakt sah, kam mir
schön langsam der Verdacht, auf Ipanemas Strandabschnitt
speziell für Homosexuelle gelandet zu sein. Ich
hatte bereits in unserem Reisführer davon gelesen,
doch ohne großes Interesse weitergeblättert,
und nun, nun war ich eben mittendrin.
Während
uns Männern (die bei uns liegenden Frauen wurden
rigoros ignoriert) auch noch Flyer für Men-Tabledance-Shows
mit beigefügten Bildern von halbnackten brasilianischen
Männern a lá Chippendales in die Hand gedrückt
wurden, war jeglicher Verdacht längst verflogen.
Riesengroße Flaggen in den bunten Regenbogenfarben
markieren diesen Teil des Strandes und sollten eigentlich
für jeden deutlich genug sein. Nach diesem Sonntag
wohl auch für uns.
Der Anfang der nächsten Woche war durchzogen
mit langen Busfahrten von Uni zu Uni, um uns für
die Vorlesungen einschreiben zu lassen. Schön
langsam bekomme ich einen Überblick in das, anfänglich
undurchsichtliche, Netz der öffentlichen Verkehrsmittel.
Da sich die Fahrzeiten meistens zwischen einer halben
und einer Stunde bewegen (trotz des ambitioniertem
Fahrstils der Busfahrer), lernt man sehr schnell den
richtigen Bus zu nehmen.
Wir mussten uns mit vielen
Formularen und Fragen auseinandersetzen, doch dank
der absolut außergewöhnlichen brasilianischen Freundlichkeit
gegenüber Ausländern gelang uns dies alles
relativ gut und schnell. Mein Wohnungskollege Thomas
hatte sogar Gelegenheit ein Pläuschen mit dem
Rektor der Soziologie-Universität abzuhalten,
da dieser auch Vorlesungen in Wien hält und somit
fliessend Deutsch spricht. Ansonsten ist es hier relativ
sinnlos es in einer anderen Sprache als Portugiesisch
zu versuchen, falls jemand einer Fremdsprache mächtig
ist, wird er dies sowieso stolz erzählen.
Die brasilianische Polizei ist in Rio de Janeiro
allgegenwärtig. In den verschiedensten Uniformen
stehen sie auf den belebten Straßen. Es vergehen
kaum fünf Minuten, in denen nicht mindestens ein
Polizist an Dir vorbeischlendert. Viele sind äußerst
hilfreiche Wege-Erklärer und Informationsstellen
für Touristen. An einem Samstag Abend machten
wir auch Bekanntschaft mit weniger auskunftfreundlichen
Verfechtern des brasilianischen Rechts. Zugegebenerweise
hielten wir uns in einer Gegend der Stadt auf, die
des Nächtens wohl besser den Einwohnern überlassen
wird, dieser Ruf eilt der Fundão (= jene Gegend)
bereits voraus.
Aus diesem Grund waren meine Freunde
und ich auch bemüht möglichst bald einen
Bus Richtung unser Viertel zu finden, als plötzlich
einer dieser großen, bleiverkleideten Polizeiwagen
neben uns langsam an den Rand der Straße fuhr
und hielt. In wahnsinnig schnellem Portugiesisch wurden
wir von schwer gepanzerten Polizisten nach Ausweisen,
Herkunft, Wohnort und dem Grund für unseren Besuch
in der Fundão gefragt. Während die eine
Hand die Kopien unserer Pässe kontrollierte, war
die zweite Hand der Polizisten stets am Abzug des umgehängten
Maschinengewehres. Nach lautstarker Argumentation für
die Mitnahme echter Ausweisdokumente ihrerseits und
kleinlauter Antwort unsererseits dachte ich, dass wir
nun weiter könnten.
Die Frage ob wir Drogen bei
uns führen ließ diese Hoffnung im Keim ersticken.
Ich sah mich bereits in brasilianischen Polizeistationen
meine Taschen ausleeren und auch die eine oder andere
Leibesvisitation kam mir in den Sinn. Scheinbar spürten
die Polizisten unsere absolute Hilflosigkeit und entließen
uns nach kurzem „nos não temos drogas“ in
Richtung des herbeirasenden Busses.
Tags darauf gönnten wir uns den Besuch der berühmten „Hippie
Feira de Ipanema“. Hier lässt sich so ziemlich
alles finden, was aus Leder, Holz, Cocos oder Stoff
gefertigt werden kann, von riesengroßen Skulpturen über
Cocos-Geldtaschen bis hin zu selbstgemalten Bildern
und Lederschuhen und Armbändern wird das kauffreudige
Herz mit allem möglichen versorgt. Es sind sehr
viele Menschen dort anzutreffen, die mit den Verkäufern
feilschen, Kleidung und Schmuck probieren oder zum
Verkauf stehende Musikinstrumente probespielen. Dieser
Markt ist auf alle Fälle einen Besuch wert.
Im nächsten Rio-Blog kann ich euch bereits von
den ersten Tagen auf der Uni, dem reichlichen Angebot
der Strandverkäufer und meinem Besuch auf den
touristischen Fixpunkten der Stadt berichten. Bis dahin,
até breve…
#günther schmidhuber
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