|
Brasil-Blog #10
16. Juli 2005 / Nachtrag: 26. Dezember
Von Dschungelcamps, dem Amazonas und Abschied vom
Sommer. FRITZ-Mitarbeiter Günther berichtet
das letzte Mal aus Brasilien.
Wir melden uns live aus dem Maracanã-Stadion
in Rio de Janeiro, in dem der Unparteiische soeben
fünf Minuten Verlängerung angekündigt
hat. Ich übergebe
nun an unseren Auslandskorrespondenten Günther
Schmidhuber, der für uns vor Ort in Brasilien
ist ...
"Nach einem schweißtreibenden Spiel mit
vielen Highlights und einigen wenigen unschönen
Momenten pfeift der Schiedsrichter die Nachspielzeit
an. Die beiden Teams haben schnell in das Spiel gefunden,
und harmonierten trotz einiger Anfangsschwierigkeiten
mittlerweile wirklich ausgezeichnet miteinander. Vor
allem die Heimmannschaft war gastfreundlich und nachsichtig
gegenüber der anfänglichen Unwissenheit des
Besuchers. Alles in allem ein Top-Spiel, das durch
die spannungsgeladenen Szenen rasend schnell vergangen
ist und mit Sicherheit eine Wiederholung ankündigt,
ja geradezu danach verlangt.“
Richtig. Für mich wird es langsam Zeit, meine
Koffer zu packen. Die Zeit in Rio geht mit Riesenschritten
ihrem Ende entgegen. Was noch aussteht, ist eine
einmonatige Reise quer durch Brasilien. Beginnend
mit den Wasserfällen
von Iguaçu geht die Reise daraufhin in ein
Dschungelcamp im grössten Überschwemmungs-Nationalpark
der Welt, dem Pantanal. Hier kommen auf jeden menschlichen
Bewohner etwa 45 Krokodile - von den Piranhas, Anacondas,
Jaguaren und vielen noch unentdeckten Vogelarten ganz
zu schweigen. Für Unterhaltung dürfte somit
gesorgt sein.
Nach den Anstrengungen im Naturparadies
werde ich vier Tage auf einem Amazonasboot flussabwärts
schippern. Aber von luxuriösen Schiffen aus
diversen TV-Serien werde ich hier wohl wirklich nur
träumen
können. Am Amazonas sind Schiffe die gängigen
Massentransportmittel, geschlafen wird in Hängematten,
und gestochen wird von tausenden von Moskitos. Nach
der Bootstour wird die Küste des brasilianischen
Nordostens abgefahren, an der die schönsten Strände
der Welt absolut keine Mangelware sein sollen. Weihnachten
wird, wie im letzten Brasil-Blog
#9 schon erzählt, in
Salvador do Bahia gefeiert. Und dann, ja dann hab
ich nur mehr zwei Tage in Rio, ehe ich Ende Dezember
wieder heimatlichen Boden unter den Füssen und
meine Liebsten in meinen Armen haben werde.
Was bleibt mir noch zu sagen? Wahnsinn? Unglaublich?
Wunderschön? Trifft es alles, sehr gut sogar,
und ist es wahrscheinlich noch viel zu wenig.
Ach ja, eines noch: Gegenüber der allgemeinen
europäischen Meinung von Rio de Janeiro ist weder
meinen Reisegefährten noch mir (bis jetzt) etwas
zugestoßen. Wir wurden weder ausgeraubt noch
bestohlen - lediglich beim Wechselgeld sollte man
immer schön
nachrechnen, doch das ist ja wahrlich das kleinere Übel.
Und wenn mich die Krokodile nicht doch noch erwischen,
so komme ich tatsächlich unversehrt wieder in
Salzburg an.
Nachtrag
vom 26. Dezember
Günther hatte sich getäuscht: Am 22. Dezember wurden er und sein Studienkollege
in Salvador de Bahia von zwei Wegelagerern überfallen - sie hatten Glück
und kamen unversehrt davon. --> zum
SN-Artikel. |
"Wer Brasilien nur zur Hälfte gesehen
hat, der hat genug Schönheit für ein ganzes
Leben gesehen", soll Stefan Zweig einmal gesagt
haben (siehe Brasil-Blog
#0). Ob er damit recht hatte?
Ich weiß es noch immer nicht, doch auf jeden
Fall hat Brasilien einen großen Freund und Bewunderer
mit mir gewonnen, das steht fest.
Ich freu mich auf den Schnee zu Hause. Ja, vom heissen
brasilianischen Sommer in den verschneiten österreichischen
Winter, und das alles mit einem großen braungebranntem
Grinsen - auch das ist möglich.
#günther schmidhuber
|