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Trinkfeste Opas
in Rio
5. August 2005
In der brasilianischen
Wirklichkeit ange-kommen: Von renn-begeisterten Bus-fahrern,
Sonnenbaden im Winter und der ersten Party in Rio.
Jetzt ist es tatsächlich soweit, Rio de Janeiro
als Wohnort ist seit einer guten Woche Realität
für mich und ja, ehrlich gesagt weiß ich
nicht, womit ich beginnen soll.
Brasilien empfing mich in unschöner Aufmachung,
Regen, Kälte, alles, was man sich von einem Land
mit tropischem Klima nicht vorstellt. Die Favelas (Armenviertel)
der Stadt sind permanent präsent und bilden hinter
den bekannten Strandbezirken einen drohenden großen
Bruder, der nie schläft. Gerade für
neuangekommene Ausländer ist er schwer einzuschätzen
und deshalb noch bedrohender.
Rio de Janeiro ist
eine Stadt der Kontraste, mehr als ich es mir je vorstellen
konnte. Hier schlafen Obdachlose auf der Straße,
während fünf Meter weiter die finanziell
Bessergestellten ein Glas Rotwein aus Italien genießen.
Die Schönheit und der außerordentliche
Hang zur Selbstdarstellung finden hier ebenso reichlich
Platz wie das exzessive Nachtleben und die große
Anzahl derer, die ihren Alltag als Lebenskünstler
meistern.
Der Strand, der nur ungefähr
5 Gehminuten von unserem Appartement entfernt liegt,
ist atemberaubend. Schon am zweiten Tag wurde ich von
29 Grad und strahlender Winter(!!)-Sonne zum Sonnenbaden
verleitet. Die Wellen tosen mit einer beeindruckenden
Größe (zwischen 2 und 4 Meter) auf den „Praia
de Ipanema“. Sie machen längere Schwimmversuche
zwar unmöglich, sind dafür aber umso unterhaltsamer,
was Darüberhechten, Unten-durch-tauchen und natürlich
auch Surfen bzw. Bodyboarden betrifft.
Bereits an unserem ersten Wochenende in Rio besuchten
wir ein Straßenfest, das eigentlich von Brasilianern
für Brasilianer gedacht und gemacht ist. Alles
wirkte sehr ehrlich und echt: Junge Capoeiristas tanzen hier wie in Trance und die starken Cocktails
zeigten schnell Wirkung. Fotos dazu werden in den folgenden
Blogs noch folgen.
Am zweiten Tag des Wochenendes wurden wir von einer
Salzburger Studentin zu einem Geburtstags- und Abschiedsfest
eingeladen. Ihr Auslandsjahr in Rio geht gerade zu
Ende und das wollte sie ganz standesgemäß brasilianisch
feiern. Ohne recht zu wissen, was uns erwartet,
nahmen wir eine etwa zweistündige Busfahrt quer
durch Rio in Angriff. Dass die Busfahrer hier fahren,
als gebe es kein morgen beziehungsweise keine anderen
Verkehrsteilnehmer, hab' ich schon erwähnt, oder?
Hier wird mit quietschenden Reifen bei der Haltestelle
ein anderer Bus überholt,
während sich die Insassen mit weißen Fingerknöcheln
an die Sitze krallen. Als wir dann auch noch erklärt
bekamen, dass die Busse ab 23.00 Uhr bei Rot über
die Ampeln fahren dürfen (!!!), war die die nächste
große Überraschung für uns behütete
Salzburger perfekt.
Doch zurück zu dem Geburtstagsfest.
Wir wurden sehr familiär empfangen: von der kompletten
Gastfamilie, bis hin zu den angrenzenden Nachbarn war
jeder gekommen, um bei deftiger Grillkost und Bier
mit viel Gelächter den heißen Nachmittag
zu genießen.
Vor allem der trinkfeste 77-jährige Opa der Familie
schien Gefallen an uns „neuen Österreichern“ gefunden
zu haben. Viele Geschichten wurden erzählt, natürlich
gab es sofort Diskussionen über Fußball
und etliche Cervejas. Der Höhepunkt war der Bauchtanz
einer Mitbewohnerin unserer Gastgeberin.
Bei unserer Rückfahrt sahen wir noch etwas,
das hier auf jeden Fall Erwähnung finden sollte.
Wenn in Rio die Ampeln an vielbefahrenen Straßen
(= fast alle) auf Rot schalten, kann es schnell passieren,
dass zwei junge Männer auf die Straße eilen,
sich der eine auf die Schultern des anderen stellt
und, nachdem er sich die Augen verbunden hat, zu jonglieren
beginnt. Derartige Aktionen stehen in Rio an der Tagesordnung
und werden schnell nicht weiter beachtet.
Wie ihr seht gibt es genug zu berichten aus der „cidade
maravilhosa“. Ich werde versuchen, euch so
oft wie möglich darüber zu informieren, was
so in Rio de Janeiro passiert. Im
nächsten Blog wird auf alle Fälle ein Strandabschnitt
speziell für Homosexuelle, ein Hippiemarkt und
die ersten Kontakte mit der Partneruniversität
Rio de Janeiro vorkommen, soviel sei schon jetzt verraten.
Also dann, bis bald!
#gue
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