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Körper-Kult
15. Jänner 2005
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| Bodytalk beleuchtet die Risiken
auf dem Weg zum Schönheitsideal. Bild:
SN/dtv |
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Über Schönheitswahn, Modelmaße,
Adoniskomplex und Magersucht - FRITZ hat sich in "Bodytalk:
Der riskante Kult um Körper und Schönheit"
hineingelesen.
Fesch , hip und gesund sein, das ist es, was wir wollen.
Ist ja auch nichts Schlechtes, oder? Wer träumt
nicht von großen Augen, kleiner Nase und langen
Beinen? Welcher Mann hätte nicht gern das Gesicht
von Mr. Coke Light und lieber einen gestählten
Sixpack als den Speck vom letzten Sechsertragerl am
Bauch?
In "Bodytalk" nehmen Andrea Hauner und Elke
Reichart den boomenden Körperkult genauer unter
die Lupe: Was Gesichter sexy macht, warum Frauen bei
braun gebrannten Muskelmännern schmelzen und weshalb
die Herren der Schöpfung auf große Busen
"fliegen".
Mitte des 19. Jahrhunderts hätten sich die Schönen
und Reichen angesichts solcher Ideale übrigens
an die Stirn getippt: "Rund ist g'sund" war
damals die Devise, weiße Haut ein "Must have"
und eine große Oberweite galt als absoluter Lustkiller.
Von der Steinzeit bis heute haben Schönheitsideale
genau einen Sinn:Arterhaltung. Vorzeigefrauen und Alpha-Männchen
waren seit jeher extravagant: "In" ist immer
das, was Mensch gerade nicht - oder nur schwer - erreichen
kann.
In einer Zeit, in der Fast Food und Computerhocken
das Leben der breiten Masse bestimmen, sind Schönheit
und ewige Jugend zum höchsten Gut geworden.
Der Traum von der Modelfigur wird für viele Jugendliche
jedoch zum Albtraum. Jeder dritte deutsche Teenager
ist essgestört. Früher oder später mutieren
die einen zum "Knödelfriedhof", nicht
wenige kippen ins andere Extrem: Magersucht. Jede fünfte
(!) Betroffene - noch immer sind vorwiegend Mädchen
magersüchtig - stirbt an den Folgen: Anorexie ist
damit die tödlichste psychische Krankheit der westlichen
Welt.
Trotzdem geht die Jagd nach dem perfekten Körper
- der uns in den Medien ständig vor Augen geführt
wird - unvermindert weiter.
Gastautor Manfred Lütz, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, rechnet mit dem Körperkult
auf seine Weise ab: Fies grinsend. "Gott ist tot",
konstatiert er, trotzdem seien wir religiös wie
nie zuvor: "Alles, was die Menschen früher
für Gott taten, das tun sie heute für die
Gesundheit, um den Körper ewig fit und jung zu
halten: Wallfahrten, Fasten und rituelle Übungen
bis hin zu volksmissionarischen Städtemarathons.
Doch die Gerichtsmedizin belehrt uns eindeutig: Auch
wer gesund stirbt, ist definitiv tot."
#martina lettner
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