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Alles wahr!
23. Juli 2005
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| Was wollen uns Presse-aussendungen
eigentlich sagen? Bild:
SN/mike |
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Warum Pressemit-teilungen nicht die Wahrheit sagen
können: Gedanken zur Aussendung für ein
ganz offensichtlich großartiges neues Rock-Album.
Menschen, die Pressemitteilungen schreiben, finden
ja immer alles gut. Alles ist großartig, alles
ein Event und das Angepriesene natürlich so sensationell
und fantastisch, dass der Enthusiasmus alleine einen
schon übermannt.
Natürlich sind die Autoren dieser Mitteilungen privat ebensolche Nörgler
wie der nette Musikjournalist von nebenan, aber irgendjemand muss den Krempel
ja an den Mann – sprich: Käufer – bringen.
Wichtigstes Element eines Beipackzettels: Die Nennung
möglichst vieler (vorzugsweise
erfolgreicher oder gar „legendärer“) Bands, die mit der besprochenen
Truppe wenig bis gar nichts zu tun haben. „,Fisch zum Frühstück‘ (Name
von der Red. geändert) sind die neuen ,Iron Maiden‘“, heißt
es dann, weil deren Frontmann „der ,Kerry King der Panflöte‘ und
mit der Musik von U2 aufgewachsen ist.“ Potzblitz!
Zudem ist es hochinteressant zu wissen, dass auf
dem vorliegenden Album von „FzF“ die
Unterschicht der reichen Restbevölkerung Amerikas ihren Unmut über
Arbeitslosigkeit und Armut ins Gesicht schleudert. Von wegen einfache Metalcombo!
Auch wird nicht verschwiegen, dass das Album eines der härtesten überhaupt
ist – natürlich nicht nur des heurigen, sondern jedes beliebigen
Jahres.
So dankbar wir also sein müssen, dass sich die Truppe herablässt, uns
an ihrer Musik teilhaben zu lassen, so sehr wünschen wir uns doch ein kleines
bisschen Ehrlichkeit: „,Fisch zum Frühstück‘ sind superhart – und
deshalb klingt auch jeder Song gleich. Die konsequente Verweigerung von Melodien
zieht sich durch Musik und Gebrüll. Dynamik und Abwechslung sind der Band
eher unbekannte Konzepte. Es gibt einen Gastauftritt von einem bekannten Musiker,
aber wenn wir das nicht dazugeschrieben hätten, würden Sie das gar
nicht merken.“
Das hat freilich nicht den gleichen Wohlklang wie
die überbordende Poesie
des ursprünglichen Textes. Aber als Konzept könnte die „Neue
Ehrlichkeit“ vielleicht Anklang finden. Nur steht dann in den meisten Aussendungen
eigentlich dasselbe: „Bitte kaufen Sie das Album, damit der liebe Firmenchef
seinen teuren Wagen abbezahlen kann. Die Jungs in der Band sind privat sehr nette
Burschen, die viel Spaß an ihrer nicht sonderlich originellen Musik haben.
Sie alle werden es Ihnen danken.“
#Christian Genzel
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