Grafik-Rakete
20. Dezember 2005
Mit „Project Gotham Racing 3“ zeigt Microsoft
beeindruckend die technischen Möglichkeiten der
Xbox 360.
Beim Thema „Project Gotham Racing“ bekommen
Xbox-Spieler genau so glasige Augen wie Playstation-Fans,
wenn sich das Gespräch um „Gran Turismo“ dreht.
Beide Rennspielserien stellen die jeweilige Genre-Referenz
für die beiden Konsolen dar. Mit dem Erscheinen
der neuen Xbox 360 Anfang Dezember lieferte Microsoft
deshalb auch gleich die passende Rennsimulation dazu
- den logischen Nachfolger „Project Gotham Racing
3“.
Von Superman zu Batman: Wer beim Namen Gotham irgendwie
immer an Comicfiguren denken muss, der hat nicht unrecht.
Die Heimatstadt von Batman diente dem britischen Entwicklerstudio „Bizarre
Creations“ zur Namensgebung. Obwohl im Grunde
eigentlich die Heimatstadt von Superman zur Namensgebung
diente: Der „inoffizielle“ erste Teils
der Rennspielserie auf SEGAs Dreamcast-Konsole hieß nämlich „Metropolis
Street Racer“ – die fehlende Lizenz zwang
in der Fortsetzung aber zu einem anderen Spieletitel
. . .
Waren die ersten beiden PGR-Teile auf der Xbox schon
grafische Leckerbissen, so wird die aktuelle Version
für die Xbox 360 - als eines der wenigen derzeit
erhältlichen Spiele - der Ankündigung gerecht,
dass es sich hier um ein Spiel der nächsten Generation
handelt. Ein noch nie gesehener Grad an Realismus sorgt
hier von Anfang an für etliche Ich-trau-meinen-Augen-nicht-Momente.
Speziell aus der Ego-Perspektive – der Spieler
sitzt sozusagen am Steuer – bleibt der Mund wohl
des Öfteren offen stehen. Mit dem rechten Stick
kann der Fahrer – wenn es die Strecke erlaubt – sogar
den Kopf zur Seite drehen und die vorbeiziehenden Stadtansichten „genießen“.
Der Nachteil am Ego-Racing: Durch die eingeschränkte
Sicht ist der Spieler im Wettkampf immer etwas im Nachteil.
Puristen und Genießer werden sich hier trotzdem
am wohlsten fühlen.
Fremdwort Schadensmodell: Während andere Vertreter
des Renngenres sich eine virtuelle Schlacht um das
bessere und schönere Schadensmodell liefern, zeigen
sich die – allesamt lizenzierten - Rennboliden
in PGR3 unbeeindruckt, wenn der Spieler mit 250 Sachen
in die Mauer kracht. Andererseits: Selbst der Schwierigkeitsgrad „Mittel“ verlangt
dem Spieler schon einiges ab und so würde eine
zusätzliche Hürde - etwa durch eingeschränkte
Motorleistung - mit Sicherheit nach dem ersten Crash
das Aus bedeuten.
Übrigens ist es bei PGR3 nicht oberstes Ziel,
als Erster das Rennen zu beenden - das Zauberwort heißt „Kudos“.
Je nach Fahreinlagen während des Rennens – von
Drifts bis zu Sprüngen – werden Kudos-Punkte
verdient, die im Endeffekt die Spieler-Rangliste beeinflussen.
Apropos Rangliste: Wer über eine Online-Verbindung
verfügt, erfährt – auch im Einzelspielermodus
- nach jedem Rennen automatisch sein persönliches
Ranking. Dies kann einerseits dem Ego schaden (wenn
man auf Platz 47.980 herumdümpelt), andererseits
wird dadurch die Motivation in die Höhe geschraubt
(wenn man sich nach etlichen Rennen um 10.000 Plätze
nach vorne gearbeitet hat ;-)
Falscher Sender: Der etwas eigenwillige Soundtrack
ist einer der wenigen Schwachpunkte im Spiel – zu
belanglos plätschert die Hintergrundmusik
- von Klassik bis Electro – aus den Boxen. Abhilfe
schafft hier jedoch ein eigener MP3-Player, der einfach
an den USB-Ausgang der Xbox gestöpselt wird und
fortan die „richtige“ musikalische Untermalung
für die Rennaction liefert.
Und sonst: Neben „normalen“ Rennen, bei
denen jeweils mindestens ein bestimmter Rang erreicht
werden muss, stehen noch abwechslungsreiche Modi wie
das - altbekannte – Slalomfahren oder das witzige
Wie-schnell-kann-ich-fahren-um-geblitzt-zu-werden auf
dem Programm.
Der langen Rede kurzer Sinn: „Project Gotham
Racing 3“ ist sowohl spielerisch als auch – und
das besonders – grafisch gesehen der erste Schritt
in eine schönere Videospiel-Ära. Ein Pflichtkauf!
michael einböck
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