Feel the pain
31. März 2006
Mit „Fight Night: Round 3“ beweist Electronic
Arts einmal mehr, wer im dünn gesäten Genre
der Boxspiele die Shorts an hat.
Schmerz ist geil: Es soll ja wirklich Menschen geben,
die sich in aller Herrgottsfrüh den Wecker stellen,
nur um dann im Fernsehen zwei erwachsenen Männern
zuzusehen, wie sie sich gegenseitig das Gesicht zu
Brei schlagen. Aber egal - Geschmäcker
sind nun mal verschieden und an ein bisschen „Schmerzvoyeurismus“ ist
ja im Grunde nichts auszusetzen. Und so sitzt man(n)
vorm TV-Gerät und ergötzt sich an Punches,
Jabs und geschwollenen Augen.
Aber oft bleibt danach trotzdem ein schaler Beigeschmack.
Es ist irgendwie wie beim Sex – im Grunde ist
selber machen doch einfach lustiger als nur zuzuschauen.
Wer sich jedoch seine Nase nicht im Boxclub um die
Ecke platt machen lassen will, dem bietet Electronic
Arts bzw. der firmeninterne Ableger EA Sports die derzeit
wohl beste Boxsimulation für die Spielkonsole: „Fight
Night: Round 3“. Speziell auf Microsofts neuer
Xbox 360 präsentiert sich das Ganze in so pipifeiner
Grafik, dass dem Spieler erst einmal der Atem stockt:
Schwitzende Körper glänzen im Flutlicht und
jeder Muskel lässt die Wucht der Schläge
erahnen . . .
Blut, Schweiß & Tränen: Das gesamte
Repertoire boxerischer Fertigkeiten offenbart sich
erst nach einiger Zeit – neben zahlreichen Angriffs-,
Deckungs- und Kontermöglichkeiten sind drei Spezialangriffe
möglich, die den Gegner im richtigen Augenblick
ordentlich ins Taumeln bringen. Aber Vorsicht: Werden
diese „Impact Punches“ unbedacht angewandt,
ist die Deckung offen und der Gegner könnte den
Kampf für sich entscheiden. Die Standard-Ansicht(en)
wechseln diesmal bei speziellen Treffern auch in die
Ego-Sicht, wenn entscheidende K.o.-Schläge oder
dringende Deckungsversuche angebracht sind. Und sollte
man trotz aller Bemühungen – und das wird
passieren - auf die Bretter geschickt werden, kann – ebenfalls
aus der Ego-Perspektive – in einem Mini-Geschicklichkeits-Game
mit den beiden Sticks der Boxer wieder auf die Beine
gebracht werden.
Von Bienen und Schmetterlingen: Wer auf Boxgrößen
wie Ali, Frazier oder Gatti steht, wird bei FN:R3 bestens
bedient – 32 Boxer aus sechs Jahrzehnten sind
wählbar und der Spieler kann im ESPN-Classic-Modus
sogar die größten Kämpfe der Boxgeschichte
nachspielen.
Wer selbst einmal gegen
die Stars der Szene in den Ring steigen möchte,
der kann sich im ausgefeilten Editor selbst „nachbauen“,
den gestählten Body mit fetten Tatoos verzieren
und entweder eine Boxkarriere starten oder gleich versuchen,
einen Gatti oder Ward auf die Bretter zu schicken – was
anfänglich wohl eher nicht der Fall sein dürfte
. . .
Und sonst: Mehrspielermodi on- und offline, fette
Hip-Hop-Beats, tolle Umgebungen vom Box-Gym
bis zur voll besetzten Halle, Eqiupment-Upgrades, Replays
und, und, und ... -
irgendwie ist an „FN:R3“ alles
dran, was man von einer guten Arcade-Simulation erwartet.
Fazit: War die Fight-Night-Serie schon bisher – wegen
fehlender Konkurrenz eigentlich nicht weiter verwunderlich – die
Referenzsimulation für Boxfreunde, so kann EA
Sports mit der aktuellen Xbox-360-Version durch die
knackige Grafik und die butterweichen Animationen mit
Sicherheit sogar Boxsport-Verweigerer süchtig
machen nach (virtuellen) Schmerzen. Unbedingt Anschauen!
#michael einböck
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