König der Straße
3. März 2006
Beat 'em up zum Quadrat: „Urban Reign“ für
die PS2 bietet spektakuläre Massenrangeleien statt
langweiliger One-To-One-Fights.
„Niemand ist unschuldig“ – schon
gar nicht die Protagonisten in Namcos neuestem Exklusiv-Titel „Urban
Reign“ (übersetzt soviel wie „Herrschaft über
die Stadt“) für die PS2. Das Game, eine
Mischung aus Wrestling und knallharten Streetfights
erinnert stark an das erst kürzlich erschienene
Beat-´em Up-Spiel „Beat Down“ aus
dem Hause Capcom.
Eine banale, völlig nebensächliche Story
dient hier als Kulisse für Dauer-Prügelein,
ein Bomben-Soundtrack zur Untermalung von gestählten
Muskeln und Anabolika-Körpern.
Brad Hawk ist Profi. In den dreckigen Hinterhöfen
seiner Stadt zählt nur ein
Gesetz: das des Stärkeren. Eine lokale Gang heuert
den Muskelprotz eines Tages als Bodyguard an – der
gefährdete, weil etwas vorlaute Boss soll nicht
zur wandelnden Zielscheibe werden. Als Hawk den vermeintlichen
Routine-Job annimmt, ahnt er noch nicht, welche Lawine
an Gewalt er damit ins Rollen bringt.
Im Gegensatz zu „Beat Down“ fallen die
Straßenkämpfe in „Urban Reign“ relativ
harmlos aus. Blutfrei und sprachlich unbedenklich setzt
das Beat ´em up viel mehr auf spektakuläre
Combos und eine schmeichelnde Grafik als auf ultra-realistische
Blessuren und Schimpftiraden. So werden beispielsweise
Treffer durch Blitze (ähnlich auch bei Tekken & Co)
dargestellt. Für die jüngeren Spieler erleichtert
dies den Zugang, ältere Zocker werden mit umso
realistischeren Bewegungsabläufen gelockt.
Wie schon in „Beat Down“ zählt im
Kampf das Kollektiv: One-To-One Fights bilden somit
die Ausnahme, Massenschlägerein die Regel. Dabei
folgen manche Missionen dem simplen Prinzip: „Mach
Sie alle fertig!“ Andere, wie zum Beispiel die
Bodyguard-Aufträge, sind hingegen kniffeliger:
Hier gilt es nicht bloß feindliche Gegner unschädlich
zu machen, sondern auch für das Wohlergehen des
Partners zu sorgen, ihn also zu beschützen. Abwechslung
bieten auch Missionen, in denen der Spieler innerhalb
einer vorgegebenen Zeitspanne tätig werden muss.
Wirklich innovativ ist das Körperzonen-System:
Der Spieler erhält für Kopftreffer eine höhere
Punktezahl als für einfache Schläge oder
Tritte gegen den Bauch. Ziel mancher Einsätze
ist es deshalb, gewisse Körperregionen (z.B. die
Beine) des Gegners besonders intensiv zu „bearbeiten“.
Ob im Ghetto, vor dem Motel, in Bars oder auf dem
Schrottplatz: Hawk gibt wirklich alles, selbst im Angesicht
einer schier unbesiegbaren Überzahl an Feinden.
Irgendwie erinnert der Koloss an Dwayne Johnson (alias „The
Rock“) – von der Hautfarbe einmal abgesehen.
Nach circa 30 Prozent Spieldauer wird das etwas monotone
Hau-Drauf-Spektakel dann noch einmal richtig attraktiv:
Immer mehr Verbündete stehen dem Spieler tapfer
zur Seite und auch die ersten Waffen kommen zum Einsatz – Buddy-Action
vom Feinsten. Die Rolle des Partners übernimmt
entweder der Computer oder ein Freund.
Was „Urban Reign“ auszeichnet, sind durchdachte
Kampfgetümmel, zerstörbares Mobiliar (Tische,
Autos und U-Bahnen!) und atemberaubende Combos. Im
Laufe des Spiels erlernt der Profi-Prügler immer
mehr Fähigkeiten und Techniken, die angesichts
immer besser werdender Gegner auch wirklich nötig
sind.
Neben dem schwächelnden Story-Mode besteht auch
noch die Möglichkeit mit bis zu vier Freunden
im Multiplayer-Modus anzutreten, was den Spaßfaktor
noch einmal ordentlich nach oben treibt.
Einzige Mängel: Leider fehlt ein ausgefeiltes
Blocking-System (es besteht lediglich die Möglichkeit
dem Gegner auszuweichen) und eine etwas komplexere
Storyline wie die in „Beat Down“ hätte
auch nicht geschadet.
Fazit: „Urban Reign“ überzeugt sowohl
grafisch als auch musikalisch – echte Genre-Fans
sollten deshalb unbedingt zupacken.
#stephan kliemstein
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