Düstere Legenden
28. April 2006
Der weibliche Indiana Jones kehrt
zurück auf Konsolen und
PC: auch im siebten Teil der Tomb Raider-Reihe schießt
(und ist) Lara Croft wieder äußerst
scharf.
Hot Pants und hot Top: Lara Croft, die virtuelle Traumfrau
eines jeden Archäologie-Studenten, ist zurück.
Wieder einmal auf der Suche nach einem verschollenen, äußerst
wertvollen Inka-Artefakt, verschlägt es das Cyber-Sex-Symbol
nach Bolivien, Peru, Japan, Ghana, England, Nepal und
sogar nach Kasachstan, wo finstere Mächte und
ein mysteriöses Komplott ihr Unwesen treiben.
Crofts skrupellosen Gegenspieler mimt dieses Mal ein
längst tot geglaubter, alter Bekannter der Millionärstochter.
Die spannende Suche rund um den Erdball beginnt.
Die Legende „lebt“: verantwortlich für
den siebten Titel, „Tomb Raider:
Legend“ (Eidos Interactive; USK 16), zeichnen
sich die Entwickler von Crystal Dynamics, die damit
das altgediente Team von Core Design ablösen.
Grund für den Wechsel dürfte der enttäuschende
Vorgänger, „Tomb Raider: The Angel of Darkness“,
gewesen sein.
Schon das Tutorial zu Beginn des Spieles zeigt, dass
das Action-Adventure mehr als nur ein bekannter Name
und eine billige Fortsetzung ist – die Rundum-Erneuerung
hat dem Klassiker wirklich gut getan. Die verbesserte
Grafik, das renovierte Gameplay und die handliche Steuerung
begeistern Fans wie Neueinsteiger. Nicht nur die wunderschönen
Wasserfälle in den bolivianischen Bergen, die
fantastischen Höhlensysteme, die atemberaubenden
Tempelanlagen und die tollen Licht-, und Schatteneffekte
packen den Spieler von der ersten Sekunde an. Auch
die rasante Handlung, gespickt mit Rückblenden
und Momenten aus Laras Vergangenheit, ist durchaus
filmreif.
Dunkle Schatten aus Crofts Kindheit, wie beispielsweise
das Verschwinden ihrer Mutter, werden thematisiert:
bei einer der zahlreichen Rückblenden – Lara
erinnert sich an eine frühere Ausgrabung – geht
es so spannend zu wie in einem Horror-Film.
Fackeln, die Lara zünden kann, bringen ebenso
Licht in die dunklen Ausgrabungshöhlen, wie die
Erinnerungs-Fragmente die Vergangenheit der Heldin
beleuchten.
Klettern, springen, schwimmen, schwingen – noch
nie klappten diese Fähigkeiten so reibungslos.
Während Lara dem persischen Prinzen in Sachen
Akrobatik ordentlich Konkurrenz macht, ist das hervorragende
und realistische Bewegungssystem für den Spieler
ein echter Hochgenuss.
Neues Sprungsystem: Selbst wenn ein Sprung einmal
zu früh angesetzt worden ist, kann sich Lara meistens
noch mit einer Hand an den Felsvorsprüngen festhalten
und sich mit letzter Kraft – vorausgesetzt man
bewältigt eine Tastenkombi innerhalb der vorgegebenen
Zeit – hochziehen.
Doch nicht nur trockene Archäologie und Höhlenforschung
stehen auf dem Tagesplan. Zentrale Geltung haben natürlich
wieder knallharte Schussgefechte, die selbst Stand-Off-Großmeister
John Woo nicht besser inszeniert hätte. Für
echte Schmauch-Fetischisten haben die Entwickler sogar
einen Bullet-Time-Modus eingebaut.
Bei heftigen Gefechten mit einer Überzahl an
Feinden werden zudem bestimmte Punkte angezeigt, die – wenn
sie unter Beschuss genommen werden – zur besonders
effektiven Gegner-Dezimierung führen (ähnlich
auch in „Rise To Honour“). So kann Lara
ganze Tanklaster in die Luft jagen oder massive Dächer
auf die Bösewichte einstürzen lassen.
Auch sogenannte „Quicktime-Events“ wurden
in das Spiel miteingeflochten. Das sind Überraschungsmomente,
bei denen der Spieler rasch reagieren und eine Tastenkombination
richtig drücken muss. Gelingt ihm das nicht, stirbt
die Figur. Dieses Prinzip, bekannt aus „God of
War“ und „Resident Evil 4“, kommt
meist bei Verfolgungsjagden zum Einsatz und sorgt für
reichlich Spannung.
Hells Angel: An manchen Stellen des Abenteuers schwingt
sich Lara kurzerhand auf ein Motorrad und eine wilde
Hetzjagd beginnt. Leider entpuppt sich die Ducati-Steuerung
als äußerst sperrig und erinnert irgendwie
an die finale Jet-Ski-Fahrt in „Resident Evil
4“. Mehr gibt es allerdings nicht zu bemängeln – außer
die etwas geringe Spieldauer.
Sowohl die Synchronstimmen, als auch die herrlichen
Soundeffekte tragen zum überzeugenden Gesamtbild
dieser Action geladenen Fortsetzung bei.
Fazit: Stilsicher, abwechslungsreich und legendär.
Der siebte Titel der erfolgreichen Kult-Reihe führt
Lara zurück zu ihren Anfängen – sowohl
was den Plot, als auch die Qualität des Spiels
betrifft.
#stephan kliemstein
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