David vs. Goliath
10. März 2006
Von Giganten und Story-Minimalisten: "Shadow
Of The Colossus" für die PS2 wird als heißer
Anwärter für das beste Spiel 2006 gehandelt.
Ein tapferer Held, sein Ross und ein totes Mädchen – im
Vorfeld wurde bereits viel darüber diskutiert: „Bestes
Spiel 2006“ jubeln manche Kritiker.
Andere hingegen empfinden „Shadow Of The Colossus” als „pure
Monotonie“.
Eines steht allerdings fest: Noch nie ging es auf
der PS2 dermaßen spektakulär, gigantisch
und atemberaubend zu. Der aktuelle Sony-Titel um einen
verzweifelten Reiter, der mit aller Kraft versucht
sein Mädchen ins Leben zurückzuholen, strotzt
nur so von überdimensionalen Effekten, auf die
der Spieler allerdings ein wenig warten muss.
„SotC“ startet mit einer Minutenlagen
Einführungssequenz, die zwar recht atmosphärisch,
allerdings auch sehr langweilig und nur mittelmäßig
animiert ist. Zu sehen sind darin ein einsamer Reiter
und sein Pferd, dessen Schweif wegen seiner vielen
Ecken ins Auge sticht. Der erste Gedanke: das soll
das Spiel des Jahres sein?
Gerade als die Euphorie schwindet, beginnt auch schon
der erste Einsatz.
Bereits hier wird deutlich klar: „SotC“ ist
ein wirklich außergewöhnliches Game. Das
Reiten auf dem Pferd Agro ist dermaßen realistisch – am
liebsten würde man gar nicht mehr absteigen. Realistische
Bewegungen bis hin zum rasanten Galopp: Je fester man
Agro die Sporen gibt, desto schneller läuft er
auch.
Hat man den riesigen Tempel erst einmal verlassen,
steht man ratlos vor vier Quadratkilometern virtueller
Spielfläche. Die Tipps sind spärlich und
auch die Landkarte gibt keinen Aufschluss darüber,
in welche Richtung man nun reiten soll.
Es ist das „Ancient Sword“, das vielseitig
zum Einsatz kommt und beispielsweise auch als antikes
Navigationssystem funktioniert – die reflektierten
Sonnenstrahlen weisen den Weg.
Jetzt kann es also richtig losgehen: Runter vom Pferd,
es wird geklettert.
Hohe Felswände gilt in weiterer Folge zu bezwingen
und unser Held stellt sich dabei wirklich geschickt
an. Das Steuerungssystem ist etwas komplizierter (gleich
mehrere Tasten müssen gleichzeitig gedrückt
werden), dafür noch realistischer und komplexer
als in „God Of War“. Alles wirkt so lebensecht.
Wunderschöne Licht- und Schatteneffekte (für
PS2-Verhältnisse versteht sich), eine beeindruckende
und detaillierte Landschaft und dann ...
bebt die Erde.
Haushoch – 15 Meter um genau zu sein – steht
er vor Euch: der erste von insgesamt 16 angsteinflößenden
Kolossen. Warum Ihr Jagd auf diese Wesen macht, was
eigentlich mit dem toten Mädchen geschehen ist
und auch wie Euer Name ist, bleibt lange ungewiss.
Doch sämtliche Mankos, die die minimalistische
Story mit sich bringt, verschwinden im Schatten dieser
Riesen.
Doch was nun? Niemand sagt einem was zu tun ist, wie
es weitergeht. Der Spieler ist im Kampf gegen die Kreaturen
völlig auf sich alleine gestellt.
Auch hier hilft wieder das Schwert: es zeigt die
Schwachstellen eines jeden Kolosses an. Meistens befinden
die sich in der Kopfregion und somit an der höchsten Stelle
des Ungetüms. Wie Ihr den überdimensionalen
Gegner schlussendlich in die Knie zwingt, bleibt allerdings
Euch überlassen.
In der Regel muss man über den felligen Körper
nach oben klettern und mehrmals mit dem Schwert in
die farblich markierte Schwachstelle des Riesen stechen – klingt
einfach, ist es aber nicht. Die Kolosse versuchen nämlich
mit aller Kraft Euch abzuschütteln, was ihnen
auch des öfteren gelingt. Es ist wirklich ein
harter und langer Kampf, doch im Falle eines Sieges
ist die Freude umso größer.
So gilt es (zugegeben etwas monoton) einen Koloss
nach dem anderen unschädlich zu machen – dabei
hat jedes Monster seine individuellen Stärken,
Schwächen und Erkennungsmerkmale. Allesamt verbindet
jedoch das Außergewöhnliche, das sie umgibt.
Nach oft langwieriger Suche versetzen einem die Giganten
immer wieder in blankes Erstaunen.
Wie bereits erwähnt, fiel die Story etwas minimalistisch
aus. Auch das Gameplay und die Waffenanzahl bleiben
im weiteren Spielverlauf gleich. Doch grafisch und
Sound-technisch ist „SotC“ der absolute
Hammer. Sämtliche Plot-Mängel werden von
den Kolossen ganz einfach in Grund und Boden gestampft – die
Handlung interessiert nämlich überhaupt nicht,
wenn haushohe Feinde auf einen zugerannt kommen.
Das Jahr ist noch jung und ob „SotC“ wirklich
den Titel „Bestes Spiel 2006“ abräumen
wird, ist ungewiss. Gute Chancen hat es allemal.
Fazit: Wer Lust auf Kämpfe im David gegen Goliath-Stil
bekommen hat, muss hier unbedingt zugreifen. „SotC“ ist
definitiv ein Highlight dieses Spieljahres.
#stephan kliemstein
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