Oh no!
5. April 2006
Die "Lemmings" sind zurück! Das
wahrscheinlich innovativste Denkspielkonzept aus
den 90er-Jahren findet eine Fortsetzung auf der PSP.
Lemminge sind doof! Da stürzen sich diese herzigen
Viecherl aus der Familie der Langschwanzmäuse
doch tatsächlich im kollektiven Massenselbstmord über
die Klippen ins Meer. So was aber auch!
Ist aber eh
alles Blödsinn - behaupten zumindest
die Wissenschafter: Wahr ist vielmehr, dass sich diese
niedlichen Nager alle paar Jahre sogar blitzartig vermehren
und eigentlich gar nicht selbstmordgefährdet sind – sie
frönen eher ausgedehnten, kollektiven Wanderungen,
so genannten Lemmingzügen. Und auch wenn sie dabei
ab und zu ins Wasser gehen – kein Problem, Lemminge
sind gute Schwimmer.
Also alles klar im Tierreich! Anders verhält
es sich da bei der Neuauflage des Spieleklassikers
aus den 90er-Jahren: "Lemmings". Die englische
Softwareschmiede Team 17, die mit der "Worms"-Serie
bereits Regenwürmer zu Stars der Spieleszene
machte, hat sich die alten Programmcodes von Ur-Hersteller
Psygnosis (ebenfalls aus England) gekrallt und für
die PSP aufbereitet.
"Let’s go!": In "Lemmings" stürzen
sich die Horden von grünhaarigen (Punk-?)Lemmingen
zwar nicht absichtlich in die Tiefe, sie sind aber
trotzdem ziemlich doof und laufen einfach so lange
in eine Richtung, bis sie an Stufen, Wellen, Stolperstellen
anstehen oder aber die letzte Reise antreten ins gelobte
Lemmingland. Und das ist blöd – ist
es bei "Lemmings" doch oberstes Prinzip,
eine bestimmte Anzahl der (etwas klein geratenen)
Nager von Punkt A nach Punkt B zu geleiten.
Mittels Fadenkreuz kann der Spieler jeden beliebigen
Lemming anklicken und zur Mitarbeit verpflichten – Treppen
bauen, Tunnel graben, klettern und-so-weiter-und-so-fort.
Währenddessen bleiben aber alle anderen stets
in Bewegung und wuseln auf dem ganzen Gelände
herum - welches sich manchmal über mehrere Bildschirme
hinweg erstrecken kann. Da heißt’s dann
querdenken: da blockieren, dort graben, da bauen – und
wenn alles innerhalb einer vorgegebenen Zeit klappt,
werden die umgeleiteten kleinen Freunde wohlbehalten
am Ziel ankommen.
Kollateralschaden: Ganz wie im richtigen Leben müssen
auch hier manche Kameraden zurückgelassen werden,
um das Überleben zu sichern. Wer z. B. einmal
zum Blockieren vergattert wurde, hat Pech – der
steht dort bis zum bitteren Ende. Interessanter Weise
bestätigt einer der Lemminge wirklich die These
des selbstmörderischen Nagers: Der bemitleidenswerte
Bombenlemming scheidet mit seiner zugeteilten Aufgabe
explosionsartig aus dem Spieleleben. Aber nicht, ohne
sich vorher mit dem im Titel angeführten und zu
Kult gewordenen "Oh no!" zu verabschieden
...
Fazit: "Lemmings" hat sich als echter Spieleklassiker
der 90er-Jahre eine Neuauflage wirklich verdient (im
Gegensatz zu so manchen richtig miesen Retrospielen).
Wer die süßen Nager noch nicht kennt, wird
begeistert sein und sollte diese Rezension als unbedingte
Kaufempfehlung verstehen – alte Träger des
"Lemmingretter-Ordens" freuen sich zwar über
ein kurzweiliges Wiedersehen, sie werden aber bei Lemmings ’06
bis auf einen netten Leveleditor mit keinen grundlegenden
Neuerungen überrascht. Besonders ein Simultan-Mehrspielermodus
hätte sicher sehr reizvoll sein können .
. .
#michael einböck
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