Pimplegionär
18. April 2006
Die Freeways von L.A. brennen: In „L.A. Rush“ müsst Ihr mit Hilfe der
Mechaniker-Genies von West Coast Customs die Herrschaft über
den Asphalt zurückgewinnen.
Wo frisierte Autos als Statussymbol gelten und Benzingeruch
die Sinne betäubt, funkeln meist auch dicke Goldketten,
die neuesten Handydisplays und „Crystal“ (Champagner)
fließt nur so in Strömen über kurvige
Landschaften:
Willkommen in der Welt von „West Coast Customs“,
den Pimp-Vätern und Urgesteinen des kollektiven
Hardcore-Auto-Fetischismus – bekannt aus MTV´s
Pimp my Ride.
In dem Funracer „L.A. Rush“ (Midway, MTV
Games, West Coast Customs) schlüpft der Spieler
in die Rolle von Trikz Lane, einem Rennfahrer aus L.A.,
kurz vor dessen nächstem Straßenrennen.
Was in den Straßen von Los Angeles zählt,
sind getunte, zurecht gepimpte und aufgemotzte Edelkarren
mit schicken, glänzenden Felgen und ähnlich
teuren Accessoires. Während in der Werkstatt von „West
Coast Customs“ herkömmliche Schraubenzieher
zu Picassos Pinseln werden, stiehlt doch glatt jemand
Eure heißgeliebten Babys – sorry, Autos.
Jetzt kann nur noch eine Crew aushelfen: West Coast
Customs. Ryan, Big Dane, Mad Mike, Q, Ish und Alex,
die berühmtesten Mechaniker aller Zeiten, sind
inzwischen zu Lifestyle-Ikonen und „Pimpen“ ein
Teil des allgemeinen Wortschatzes geworden.
Während also die Jungs von WCC im Spiel regelmäßig
Eure Flitzer aufmotzen, beziehungsweise reparieren,
gilt es auf dem Freeway das Gaspedal voll durchzutreten
und einen Wagen nach dem anderen – insgesamt
35 Stück – zurückzugewinnen. Cool daran:
die Fahrzeuge sind mit Lizenzen ausgestattet und wirken
somit sehr authentisch. Soviel zur Story.
„L.A. Rush“ besticht von Beginn an mit
filmreifen und actiongeladenen Rendersequenzen, die
glänzen, als wären sie frisch poliert. Auch
während des Spieles präsentiert sich die
Grafik von ihrer Schokoladenseite, klasse Spiegeleffekte
und detaillierte Umgebungen schmeicheln dem Auge.
L.A. lebt: die passende Musikuntermalung (konkret:
fette Rap-Bässe) sorgt, neben dem grafischen Element,
für eine atmosphärische Soundkulisse.
Die virtuelle Stadt selbst besteht aus insgesamt fünf
Distrikten und einem 350 Meilen langen Straßennetz,
inklusive berühmter und markanter Sehenswürdigkeiten.
Per GPS-System kann sich der Spieler sehr einfach einen Überblick über
die unterschiedlichen Optionen und die anzusteuernden
Ziele verschaffen. Verschiedene Symbole, wie ein Dollar-Zeichen
oder ein kleiner Schraubenschlüssel zeigen die
Missionen, beziehungsweise Einrichtungen an:
Slam-Rennen, Geldrennen, Karre aufmotzen, Autos wechseln
usw.
Ob Story-Mode oder schnelles Rennen: „L.A. Rush“ lebt
von rasanten Hetzjagden mit der Polizei und von spektakulären
Monster-Stunts und Jumps.
Auch die Crashes wurden sehr realistisch in Szene gesetzt
und beeindrucken in Super-Slow-Motion. Drei verschiedene
Kameraperspektiven fangen das Geschehen relativ gut
ein und verraten, wenn die Cops wieder einmal dicht
im Nacken sitzen.
Kleines Manko: Passanten, die man (selbstverständlich
versehentlich) überfährt, verschwinden einfach,
als hätten sie sich in Luft aufgelöst.
Diese und ähnliche Fehler sind es, die dem Rennspiel
dann doch gelegentlich – im wahrsten Sinne des
Wortes – im Weg stehen.
Alles in allem erweist sich „L.A. Rush“ als
gelungener und heißer Ritt durch Pimp-Los Angeles.
Fazit: Überraschend unterhaltsamer Funracer mit
netten Ideen und tollen Zwischensequenzen. Den wirklich
Großen im Genre kann „L.A. Rush“ allerdings
nicht den Rang ablaufen.
#stephan kliemstein
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