Schmierfink
21. März 2006
Diese Wände lügen nicht: In "Marc
Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure" für
die PS2, Xbox und den PC müsst Ihr Euch als Graffiti-Neuling
einen Namen in der Szene machen.
Trane ist Writer. Seine Leinwand: New Radius, eine
futuristische Version der Weltmetropole New York. Der
junge Nachwuchskünstler hat nur ein Ziel: sich
einen Namen in der Szene zu machen und dabei möglichst
nicht von der CCK, einer Anti-Spray-Spezialeinheit,
erwischt zu werden.
Graffiti-Games sind auf dem Spielesektor noch Neuland.
Zwar ist das Sprayelement nicht gänzlich unbekannt
(siehe "GTA – San Andreas"), so wirklich
ausgeprägt hat man es indes aber noch nicht vorgefunden.
Grund genug, diese Lücke zu "taggen",
dachte sich Marc Ecko, Szene-Guru und Modedesigner
aus den Staaten. Kurzerhand schloss er sich mit Atari
zusammen und entwarf ein 3D-Action-Adventure, das den
Spieler erstmals detaillierte Einblicke in die Welt
eines Sprayers gewährt – die Welt von Trane.
Das bunte Abenteuer startet und rasch wird klar: monotone
Tagging-Konzepte, wie das von San Andreas, haben endgültig
ausgedient. In "ME: Getting Up" kann der
Spieler riesengroße, farbenprächtige "Pieces"
an Schulhofwände, Züge und Autos sprayen – der
eigenen Kreativität wird jedoch ein Riegel
vorgeschoben: Zwar ist die Auswahl an Aufklebern und
Matrizen recht groß, sämtliche "Pieces"
sind jedoch bereits als Schablonen vorgegeben. Toll
wäre
hier ein Modus gewesen, in dem man seine Entwürfe
selbst zeichnen kann.
Stattdessen kann der Spieler die verschiedenen Erkennungszeichen
lediglich in seinem virtuellen "Black-Book" verändern
und austauschen.
Damit das Künstler-Epos (Aufstieg und Fall eines
Writers) nicht zu langweilig wird, muss Trane gegen
unzählige Feinde antreten – allerdings nicht
in künstlerischen Graffiti-Wettbewerben, sondern
Mann gegen Mann in Street-Fights. Dass hier der Kampf-Modus
nicht gerade atemberaubend ausfiel, war zu erwarten
(schließlich steht hier das "Malen" im
Zentrum) und ist deshalb nicht weiter störend.
Immerhin kann Trane diverse Gegenstände als Waffen
verwenden (darunter Rohre, Dosen und sogar herumstehende
Fernseher) und auch reichlich Mobiliar zerstören.
Überraschend gut und flüssig präsentiert
sich hingegen die Steuerung. Mit nur wenig Tasten-Aufwand
klettert Trane über Wände, balanciert über
Heizungsrohre und krallt sich an fahrenden Zügen
fest als wäre er ein kleiner persischer Prinz.
Viele Bewegungen übernimmt dabei der Analogstick.
Vor allem auch das Herzstück, das Sprayen, funktioniert
reibungslos –
Vorsicht: man darf nicht zu lange auf dieselbe Stelle
sprühen. Ansonsten gibt es für Tropfen und
zerronnene "Pieces" Punkteabzug.
End-To End: auch grafisch überzeugt "Marc
Ecko's Getting Up". Die runden und glatten
Figuren bewegen sich flüssig, das oft sehr realistische,
verdreckte Level-Design ist durchaus gelungen.
Tranes Graffiti-Odyssee führt den jungen Maler
durch elf abwechslungsreiche Viertel von New Radius – mal
werkt er unterirdisch, mal mit Tageslicht.
Was wäre jedoch ein Genre-Game ohne entsprechende
Musik-Unterstützung? Eine Montana-Dose ohne Inhalt.
Deshalb sorgen diverse Rap-Größen – darunter
Mob Deep, Rakim, Roots Manuva, BIG, uva. – für
großartige musikalische "Pieces".
Innovativ: Während eines Levels können versteckte
iPods gefunden und somit Lieder freigeschalten werden.
Während in der amerikanischen Version Rap-Legende
Talib Kweli dem Protagonisten seine Stimme leiht, übernimmt
dies hier zu Lande der Deutsch-Rapper "Afrob". Witzige
Dialoge wie "meine Oma sagte immer: graue Haare sind
Gottes Graffiti" verfeinern das amüsante
Gameplay.
Fazit: "Marc Ecko's Getting Up: Contents
Under Pressure" bietet für Zocker wie Writer
Spielspaß "End-To-End” – die
Züge warten.
#stephan kliemstein
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