Potter vs. Narnia
2. Jänner 2006
"Harry Potter" und "Die Chroniken
von Narnia" kämpfen um die Gunst des Publikums – aber
nicht nur auf der Leinwand. Die Spiele
zu den Filmen im FRITZ-Test.
"Schwere Zeiten kommen auf Dich zu, Harry":
feuerspeiende Drachen, ein gefährliches Labyrinth,
ein geheimnisvoller schwarzer See und Lord Voldemort.
Hogwarts bekanntester Zauberlehrling Harry Potter muss
in seinem vierten Kino-Abenteuer, J. K. Rowlings "Harry
Potter und der Feuerkelch", eine ganze Reihe
brenzliger Situationen meistern und zum ersten Mal
fordert das Zauberspektakel ein Todesopfer.
Eigentlich wollten Harry, Hermine und Ron bloß etwas
Quidditsch-Unterhaltung, doch bekanntlich kommt immer
alles anders als man denkt. Mysteriöserweise spuckt
der Feuerkelch (in einem für die Zauberschule
typisch ungewöhnlichen Losverfahren) Potters Namen
aus und verpflichtet ihn zur Teilnahme am Trimagischen
Turnier – obwohl Harry eigentlich noch viel zu
jung dafür ist. Eine Verschwörung?
Nicht weniger magisch, dafür um so biblischer
geht es in "Die Chroniken von Narnia-Der König
von Narnia" zu. Die sündhaft teure Disney-Blockbuster-Produktion – eine
berühmte Kinderbuch-Verfilmung des Autors C. S.
Lewis – handelt von der spannenden Entdeckungsreise
der vier Kinder Peter, Susan, Edmund und Lucy. Beim
Versteckspiel bemerkt das aufgeweckte Quartett, dass
der alte Wandschrank als Tor in eine andere Welt funktioniert.
Im eisigen Land Narnia angekommen, gilt es sogleich
böse Minotauren, Minoeber, Zyklopen, Werwölfe,
Gespenster und Boggles zu bekämpfen. Die Schreckensherrschaft
der tyrannischen weißen Hexe soll ein Ende haben – die
Effekt-Schlacht um Narnia beginnt (Atheisten aufgepasst:
das von Amerikas Christlichen Rechten produzierte Abenteuer
ist Bibel-Business pur).
Bei beiden Filmumsetzungen handelt es sich um 3D-Action-Adventures,
die jeweils zu zweit spielbar sind. Zudem besteht bei
beiden Abenteuern die Möglichkeit, in eine von
drei beziehungsweise vier Figuren zu schlüpfen,
um gemeinsam den Kampf gegen das Böse aufzunehmen.
Auf den ersten Blick scheinen EA´s "Harry
Potter und der Feuerkelch" und Traveller's Tales's
"Die Chroniken von Narnia - Der König von
Narnia" sehr ident. Bei näherer Betrachtung
zeigt sich jedoch: es kann nur einen Meister der Magie
geben.
Direkter Einstieg bei beiden Spielen: An und für
sich nicht schlecht, doch während Narnia von Beginn
an mit tollen Ideen und raffinierten Kooperationsmodi
(zusammen durch den tiefen Schnee stapfen, sich gegenseitig
stützen, schieben, schleudern uvm.) überzeugt,
blinkt Potters Narbe auf der Stirn im Alarmtakt. Zu
monoton ist das funkensprühende Astwedeln, zu
einfältig sind die lahmen Zaubersprüche.
Hier fehlen einfach magische Combos.
Nach dem rasanten Potter-Opening dauert es einige
Zeit bis das Zauber-Trio richtig in Fahrt kommt. Überbrückungssequenzen
hemmen zudem das Movie-Feeling. Auch in Sachen Kamera
gebührt Narnia der Punkt. Im Gegensatz zu Hogwarts
unvorteilhaften Einstellungen fangen die übersichtlichen
Perspektiven in Narnia gekonnt das Geschehen ein. Zu ärgerlichen
Behinderungen – anfällig im Genre ist vor
allem der Zwei-Spieler-Modus – kommt es kaum.
Rein grafisch gesehen schafft es der Nachwuchs-Magier
zumindest zu einem Unentschieden.
Obwohl Narnia nur so vor Detailreichtum strotzt und
EA bei Potter sicherlich nicht alle Möglichkeiten
ausgeschöpft hat, sind beide Spiele erstklassig
animiert, rund und flüssig. Gleiches gilt für
den Sound.
Während im traditionelleren Narnia für die
Zwischensequenzen originale Filmausschnitte verwendet
werden, nahm man hingegen bei "Harry Potter und
der Feuerkelch" Abstand von diesem Prinzip. Standbildartige
Sequenzen erläutern die Handlung zwischen den
Spielabschnitten und lassen das Game somit eigenständig
wirken – eine Idee, die ich sehr gut finde (besser
wurde sie jedoch in "Herr der Ringe - Die Rückkehr
des Königs" umgesetzt, wo Film- und Spielsequenzen
fließend ineinander übergehen).
Fazit: "Harry Potter und der Feuerkelch" ist
leichte Unterhaltung für Magier wie Muggle, doch
im direkten Vergleich mit "Die Chroniken von
Narnia - Der König von Narnia" ziehen Potter & Co
den Kürzeren. Es kann nur einer unter dem Christ(!)baum
liegen – die Wahl sollte somit leicht fallen.
#stephan kliemstein
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