Auserwählt?
12. Dezember 2005
„Alles was einen Anfang hat, hat auch ein
Ende“.
Aber Auch des Orakels Prophezeiungen scheinen
nicht immer zuzutreffen – zumindest was die Matrix-Spieleserie
betrifft. „Path Of Neo“ für PC und
Konsolen.
„Mr. Anderson, willkommen zurück ... wir
haben sie vermisst!“ Ganz recht, Neo ist zurück – zumindest
auf PC und Konsolen. In Shinys „Matrix:
Path Of Neo“,
dem ersten offiziellen Game zur Wachowski-Kult-Reihe,
durchlebt der Spieler die gesamte Trilogie im virtuellen
Schnelldurchlauf. Morpheus, Trinity, die Agenten, Smith,
rote Pille, blaue Pille. Eben das volle Programm – „ist
es wirklich Luft die du atmest?“
Ein cooler TV-Trailer, nette Screenshots und vielversprechende
Ankündigungen: allein der Gedanke, die besten
Filmszenen noch einmal selbst als Neo zu erleben, lässt
einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Kämpfe
gegen duzende Smiths, rette Zion! Was will man mehr?
Die Ernüchterung folgt mit Spielbeginn. Zions
Schicksal scheint bereits nach wenigen Minuten besiegelt
zu sein. Wer will schon die letzte Bastion der Menschen
gegen den Angriff der Maschinen schützen, wenn
das Game dermaßen schwächelt?
Was kann bei so einer Vorlage denn bitte schief gehen?
Leider einiges:
Angefangen bei der überraschend schlechten Grafik. „Spiele
ich PS One oder PS2?“, diese Frage drängte
sich mir beim Spielen nicht bloß einmal auf.
Der Bewegungsablauf der Figuren wirkt extrem steif
und abgehakt (inklusive Ruckler!), das Leveldesign
entpuppt sich als purer Euphorie-Killer. Zwar kann
der Spieler (auffällig) herumliegende Gegenstände
zertrümmern, insgesamt wirken die linearen Matrix-Level
aber Detail-arm und lieblos.
Völlig unverständlich: scheinbar grundlos
schweift der Plot gelegentlich vom wahren Filmverlauf
ab. Nicht einmal vor dem kultigen Aufeinandertreffen
zwischen Neo und Smith in der U-Bahn Station haben
die Entwickler halt gemacht! Ganz ohne weiteres verzichtet
man auf spannende Verfolgungsjagden und langweilt den
Spieler stattdessen mit öden, völlig belanglosen
Zugfahrten. Auch dem Training zu Beginn des Abenteuers
wurde viel zu viel Zeit beigemessen.
Eine schlechte Tastenbelegung, viel zu umfangreiche
und undurchschaubare Moves und Combos. Zudem noch unvorteilhaft
gewählte Kameraperspektiven, die das Geschehen
nicht einfangen können – alles in allem
ist „Path Of Neo“ ein echt misslungener
Trip in die Scheinwelt.
Gleich drei Filme in einen Action-Shooter reinzupacken
ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Spielbar sind immer
nur die besten Filmszenen, der Rest präsentiert
sich (notdürftig) in Trailer zusammengefasst.
Gerade deshalb verwundert es, warum die Hersteller
die Filme nicht 1 zu 1 umgesetzt haben. Dies hätte – abgesehen
von den vielen technischen Mankos – wenigstens
für echtes Movie-Feeling
gesorgt.
Fazit: Die Wege des Neo sind unergründlich. „Wenn
du soweit bist, wird das Ausweichen nicht mehr nötig
sein“ – Morpheus hat es prophezeit. Darum
ausweichen und bei „Path Of Neo“ besser
nicht zugreifen.
#stephan kliemstein
|