Göttliche Rückkehr
12. November 2005
Fast drei Jahre hat es gedauert, bis die Fortsetzung
des hoch gelobten - aber auch oft kritisierten
- "Black & White" in die heimischen
Läden kommt. Ist es Peter Molyneux gelungen,
"Black & White
2" so zu gestalten, dass diesmal sogar den Kritikern
die Sprache weg bleibt?
Jetzt ist es endlich soweit – jeder der schon
einmal Gott spielen wollte wird es mit Sicherheit schon
sehnsüchtig erwartet haben – "Black & White
2" ist endlich veröffentlicht. Die Spieler
des ersten Teils wissen ja schon ungefähr was
man sich erwarten kann, für alle anderen hier
einmal eine kurze Einführung um was es eigentlich
geht:
Der Spieler tritt hier als
die Hauptperson des Geschehens auf – doch diesmal
als niemand Geringerer als ein Gott. Als Hilfsmittel
bekommt man neben göttlichen Kräften und
Zaubern außerdem eine so genannte „göttliche
Kreatur“ mit
auf den Weg – diese erscheint in der Form eines
jungen Tieres, welches mit der Zeit altert und immer
mehr Dinge von seinem göttlichen Ziehvater lernt.
Diese Kreatur kann mittels „Zuckerbrot und Peitsche“ entweder
zu einem liebevollen Wesen oder zu einem schrecklichen
Monster erzogen werden – das einem zur Seite
steht, wenn es darum geht, die menschlichen Untertanen
bei Laune zu halten und ihnen zu helfen. Denn das Ziel
des Spiels ist es, gemeinsam mit dem monströsen
Helfer und dem gläubigen Volk alle anderen Völker
zu bekehren oder zu vernichten.
Dies also zur Einführung und zum Rückblick
auf den ersten Teil. Das Spielgeschehen selbst ist
größtenteils auch im zweiten Teil gleich
geblieben. Ein Unterschied ist hier vor allem, das
die Untertanen nicht mehr strikt an den Spieler „glauben“,
sondern schon ein wenig „ungläubiger“ sind.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass der
zweite Teil nun schon in einem fortgeschrittenen Zeitalter
spielt. Wie auch schon im ersten Teil stehen dem Spieler
wiederum ein gutes und ein böses Gewissen zur
Seite, die (für ihre Seite) hilfreiche Hinweise
geben.
Einer der wichtigsten Teile des Spiels ist wie schon
beim ersten Teil die Erziehung der göttlichen
Kreatur, die zu Beginn des Spiels gewählt werden
kann. Hier stehen Affe, Wolf, Kuh oder Löwe zur
Verfügung. Je nachdem, wie der Spieler auf seine
Kreatur einwirkt – es gibt wieder Streicheleinheiten
als Belohnung und Ohrfeigen als Bestrafung – entwickelt
sich die Kreatur zum liebevollen Menschenfreund oder
zum schrecklichen Menschenfresser. Die Kreatur kann
göttliche Zauber lernen oder kann mittels Halsband
zu einer Tätigkeit gezwungen werden. Doch auch
dieses Halsband kann sich bei häufigem Gebrauch
negativ auf die Kreatur auswirken und es verliert mehr
und mehr seinen freien Willen und wird zu einem deprimierten
Sklaven.
Die Steuerung ist bei einem Spiel mit so vielen Möglichkeiten
und Funktionen natürlich anfangs gewöhnungsbedürftig
und es erscheint schwer, sich zu merken, was wo und
wie gemacht werden kann. Doch schon nach kurzer Zeit
merkt man dann, dass sich hier sicherlich einige Leute
den Kopf über die Umsetzung zerbrochen haben:
Denn je länger man spielt, desto mehr fällt
auf, wie praktisch und unkompliziert die Bedienung
eigentlich ist.
Besonders erwähnenswert ist - wie auch schon
im ersten Teil - die tolle Grafik. Auch wenn die sich
natürlich
auch auf die benötigten Hardware-Ressourcen auswirkt.
Hier ist schon ein leistungsfähiger Spiele-PC
mit sehr guter Grafikkarte zu empfehlen. Landschaft,
Gebäude,
Menschen und Kreaturen sind ausgezeichnet gestaltet,
es ist eine Freude sie bis ins Detail zu betrachten.
Ein weiteres sehr gut gelungenes und im Vergleich
zum ersten Teil noch ausgebautes und verbessertes Feature
ist das Aussehen von Gebäuden und Landschaften
in Bezug auf den göttlichen Einfluss des Spielers.
Sind dessen Taten gut und hilfreich, erstrahlt ihre
Stadt in hellem und schönen Glanz - sind
des Spielers Taten böse und aggressiv, wirken auch die Gebäude
und das Stadtbild dunkel und abstoßend. Auch die Musik und die Soundeffekte
sind sehr gut gelungen und passen sich schnell ans Spielgeschehen an.
"Black & White 2" bietet im Vergleich zum
ersten Teil mehr Hilfestellungen wenn es darum geht,
die Bevölkerung (Azteken, Griechen, Ägypter,
Japaner und Altnordische) zufriedenzustellen oder
die richtigen Gebäude zur Stadt hinzuzufügen.
Außerdem gibt es nun die Möglichkeit, Waffen
zu schmieden und Armeen auszubilden, um diese gegen
einen etwaigen Feind in die Schlacht zu schicken. Doch
der Feind kann nicht nur mittels kriegerischen Mitteln
besiegt werden, sondern mit guten Taten und Vorbildfunktion
der spielerischen Gottheit und der Kreatur auch zur
Seite des Spielers bekehrt werden. Das Verhältnis
dieser beiden Möglichkeiten ist jedoch leider
nicht besonders gut geglückt und so verliert man
auf dem friedlichen Weg schnell die Geduld und greift
wieder zu kriegerischen Maßnahmen.
Das Fazit fällt im Großen und Ganzen sehr
positiv aus: Fans vom Vorgänger werden mit "Black & White
2" sicher noch mehr Freude am Gott-Sein haben und
wieder viele Stunden damit verbringen, ihre Kreatur
in die eine oder die andere Richtung zu erziehen. Strategie-Spieler,
die durch die neuen Möglichkeiten aufmerksam geworden
sind, werden mit "B & W 2" sicherlich auch ihren Spaß haben
- wenn sie wahrscheinlich auch die Möglichkeiten mehrerer
Einheiten und unterschiedlicher Taktiken vermissen.
Verheißungsvolle Zukunft: Anscheinend sind
in den nächsten Jahren
noch drei Fortsetzungen geplant, wobei der letzte dabei schon in
der heutigen Zeit spielen soll. Man kann man
nur hoffen dass die Menschen in dieser Zeit überhaupt
noch an etwas glauben ...
#michael mayrhofer-r.
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