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| Tamagotchi in Perfektion: Nintendogs. Bild:
SN/nintendo |
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Welpen-Invasion
10. November 2005
Wer schon immer ein Hundebaby großziehen
wollte, aber keine Lust auf frühes Aufstehen
hat, wird die "Nintendogs" mögen.
Wundern Sie sich nicht,
wenn Sie demnächst im Bus sitzen und neben ihnen
jemand ein silbernes Kästchen vor sich hält,
in das er andauernd "Sitz!", "Fuß!" und "Aus!" ruft
und schließlich mit verträumtem Blick
das Kästchen streichelt und verzückt "Brav
gemacht, Blinker" säuselt. Denn aller Wahrscheinlichkeit
nach sitzt kein Wahnsinniger neben ihnen, sondern
ein unschuldiges Opfer der Nintendogs-Manie.
Seit der japanische
Videospielehersteller Nintendo seine Hundewelpen-Simulation
auf dem Markt hat, erobern die Vierbeiner die Herzen
im Sturm und sorgen bei Kindern, die bisher kein
Haustier halten durften, für neue Hoffnung.
Welcher Coup den Japanern
mit der originellen Simulation gelungen ist, zeigt
sich an den Verkaufszahlen: In der ersten Woche nach
Erscheinen des Spiels verfünffachten sich die
Verkaufszahlen für die tragbare Spielekonsole
Nintendo DS. In den USA war die Erstauslieferung
des Spiels von 250.000 Stück nach nur einer
Woche vergriffen. Seit einigen Wochen schicken sich
nun die virtuellen Haustiere an, auch den europäischen
Markt zu erobern - und sie tun das offenbar mit großem
Erfolg. Nach Auskunft von Nintendo ist der Europa-Absatz
der DS-Konsole je nach Land um das Vier- bis Siebenfache
gestiegen. Das Spiel selbst geht weg wie frisch geschnittenes
Brot. Die Beiträge in den Internetforen überschlagen
sich. Das am häufigsten gebrauchte Wort im Zusammenhang
mit den Nintendogs ist "süß".
Was also ist dran an
den Hunden, deren Fell man nicht spüren kann
und die einen nie morgens aus den Federn kläffen
werden? Einiges. Technisch zumindest. Der Tamagochi
ist dagegen ein bemitleidenswertes Häufchen
Elend. Die Animation der in 18 Hunderassen erhältlichen
Welpen ist Entwickler Hideki Konno an der Grenze
zur Perfektion gelungen. Die tapsigen Bewegungen,
der Blick, der Spieltrieb, das Pinkeln, das fröhliche
Gebell und das Wedeln mit dem Schwanz - alles fast
wie beim realen Hündchen. Das Verrückte
ist, dass die kleinen Tölen sogar auf die Stimme
des Herrchens reagieren.
Wer mit seinem Hund
spielen will, braucht ihn nur oft genug beim Namen
zu rufen und bald - nach einer kurzen Lernphase -
tapst er in froher Erwartung herbei - dem Spracherkennungsprogramm
sei Dank. Auf diese Weise können dem lernfreudigen
Bildschirmkläffer natürlich auch sämtliche
Befehle aus der realen Hundewelt beigebracht werden.
Umgekehrt funktioniert es natürlich auch: Wer
den Hund vernachlässigt, erntet Ungehorsam.
Zu Beginn des Echtzeitspiels,
das im Gegensatz zu normalen Spielen auf kein Ziel
hinsteuert und ganz ohne Aggressionen auskommt, hat
der Hundefreund die Qual der Wahl: Jede Rasse - die
Palette reicht vom Chihuahua bis zum Boxer - ist
mit einem Wurf aus drei verschiedenen Welpen vertreten,
aus denen man den Liebling aussuchen kann - je nachdem,
welches Geschlecht und welche Eigenschaften man bevorzugt.
Im Laufe des Spieles kann man sich natürlich
noch weitere Hundebabys dazuholen. Allerdings kostet
das, denn so eine kleine Meute will schließlich
versorgt werden. Da empfiehlt es sich, den Liebling
zu dressieren, um an Preisgelder zu kommen. Die lassen
sich zum Beispiel im Hundeparcours verdienen.
Selbstverständlich
kann man mit dem neuen Freund auch Gassi gehen. Grafikfans
werden dies allerdings eher selten machen. Denn die
Darstellung der Umwelt, in der sich die Nintendogs
bewegen, ist äußerst bescheiden. Dann
also lieber streicheln. Mit einer Art Stift berührt
man die Touchscreen, schon legt sich der Hund auf
die Seite und lässt sich sein Bäuchlein
kraulen. Kaum zu glauben, dieser Irrsinn.
Absoluter Höhepunkt
im Leben des nie älter werdenden Nintendogs
ist der Kontakt zu Artgenossen aus einem anderen
Gerät. Sobald die DS einen anderen Nintendogsspieler
ortet, können die Hunde auf einer Wiese miteinander
herumtollen.
Dem 30-jährigen
Testspieler wurde das Ganze übrigens trotz perfekter
Animation nach kurzer Zeit ziemlich langweilig, was
jedoch möglicherweise weder am Alter noch am
Spiel, sondern an einer schon zuvor vorhandenen Aversion
gegen Hunde liegt.
#sven meyer
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