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Meilensteine ins Regal
17. Oktober 2005

Geschichte der Video- und Computerspiele - Gewaltspiele im Visier - Spieleentwicklung
Vom Zeichenbrett bis zum fertigen Rendering können Jahre vergehen. Bild: SN/related designs  

Computer- und Videospiele boomen. Während der Spielspaß manchmal nur wenige Stunden anhält, stecken oft Jahre der Entwicklung dahinter.

Für viele ist es ein Traum, manche nennen es eine Spinnerei und einige wenige haben ihr Hobby tatsächlich zum Beruf gemacht: Das Entwickeln von Computer- und Videospielen. Wie viel Aufwand und finanzielles Risiko hinter Half-Life2, Super Mario und Co. steckt, bleibt für die Spieler meist im Dunkeln.

„Um ein Spiel wirklich zum Verkaufsschlager zu machen, braucht es mehr als nur eine gute Idee“, sagt Nadine Knobloch von Sunflowers, einem der größten Software-Verleger im deutschsprachigen Raum. Die Entwicklung eines Toptitels dauert mittlerweile mehrere Jahre. Der Weg in die Läden ist voller Hürden und Unwägbarkeiten. Der finanzielle Spielraum wird wegen der stetig steigenden Kosten immer enger. Viele Spielefirmen haben den Hype der vergangenen Jahre überschätzt, sind zu schnell gewachsen und mussten nach Platzen der Dotcom-Blase aufgeben oder den Gürtel enger schnallen.

Trotzdem boomt das Geschäft mit den Konsolen- und PC-Spielen weiter. Speziell im Advent werden wieder unzählige Neuerscheinungen auf den Markt drängen. Thomas Pottkämper, Managing Director des Mainzer Entwicklungsstudios Related Designs, kennt den Stress vor dem Weihnachtsgeschäft. Er und sein Team haben noch etwas mehr als ein Jahr, bevor ihr aktuelles Projekt „Anno 1701“ in die Läden kommen soll. Und doch hat der dritte Teil des Strategiespiels, das ursprünglich aus Österreich stammt, schon fast zwei Jahre Entwicklungszeit hinter sich.

Am Anfang einer Spieleentwicklung, erläutert Pottkämper, stehe die so genannte Preproduction, in der die Inhalte, die Zeitplanung und ein grafischer Prototyp erstellt und mit dem Publisher abgesprochen werden. Danach sind in Abständen von zirka drei Monaten bestimmte Ziele in der Programmierung, der Grafik und des Gameplays zu erreichen.

Manchmal zehrt der Zeitdruck vor diesen „Meilensteinen“ an den Kräften. Nächte müssen durchgearbeitet werden, um den Zeitplan einhalten zu können. „Aber ist ein Meilenstein erst einmal erfolgreich abgegeben worden, feiert das Team ausgiebig mit gutem Essen und Trinken“, sagt der 35-Jährige grinsend.

Sechs Monate vor Produktionsende sollte das Spiel den „Alpha-Status“ erreicht haben. Nun geht es sowohl im Entwicklerstudio als auch beim Verleger („Publisher“) an die Fehlersuche und die Feinabstimmung. Sobald das Programm nur noch geringe Fehler aufweist, wird es als Beta-Version von Fachleuten und Pressevertretern unter die Lupe genommen. Währenddessen feilen die Entwickler an der Masterversion, bis schließlich das „Goldmaster“ ins Presswerk kommt und die Werbemaschinerie voll anläuft.

Nicht selten arbeiten bis zu 100 Personen an einem Spiel. Im Falle von „Anno 1701“ sind 40 Personen in der Mainzer Spieleschmiede mit der Entwicklung beschäftigt. Der Großteil, fast 40 Prozent, arbeitet in der Programmierung, ähnlich viele Mitarbeiter sind mit Grafik und Leveldesign beschäftigt. Nur jeweils vier Personen tüfteln am Gamedesign beziehungsweise testen die bereits programmierten Teile. Die Mitarbeiteraufteilung könne in Entwicklungsstudios durchaus unterschiedlich sein, sagt Pottkämper. Sein Unternehmen habe einen Großteil der Grafik ausgelagert. So sind neben Entwicklungsstudio und Publisher oft noch freie Mitarbeiter wie Konzeptzeichner an der Produktion eines Spieles beteiligt.

Externe Studios liefern Grafiken, Animationen, Filmsequenzen, Soundeffekte und Musik. Dazu kommen Berater für Gamedesign und Project Controlling. Durch die hohen Enwicklungskosten – bei Konsolenspielen erreichen diese durchaus zweistellige Millionen-Euro-Beträge – können sich sowohl Publisher als auch Entwicklerstudios keine Fehltritte mehr leisten.

Deutschsprachige Szene zu fixiert auf PC-SpieleDie internationale Konkurrenz setzt Produkten aus dem deutschsprachigen Raum hart zu. Dass hier zu Lande im Gegensatz zum internationalen Trend weiterhin mehr PC-Spiele entwickelt werden, ist für Daniel Oberlerchner, Community Manager bei DeepSilver/Koch Media, der gravierendste Nachteil: „Große Publisher tragen die Entwicklungskosten und investieren in Konsolen wie Xbox und PS2. Für sie sind Computerspiele nur ein Abfallprodukt von Entwicklungen für Konsolen.“

Mangelnde Qualität und nicht eingehaltene Veröffentlichungstermine seien weitere Gründe dafür, dass heimische Spiele mit jenen der internationalen Konkurrenz oft nicht mithalten können, meint Oberlerchner. Um Ladenhüter zu verhindern, setzen deutsche und österreichische Firmen nun vermehrt auf spezielle Ausbildungen. Die Zahl der Studiengänge hat sich vervielfacht (siehe Daten & Fakten). Auch in den Firmen hat sich im Laufe der Jahre vieles geändert. Aus den Abstellraum-Klitschen sind professionelle Entwicklerstudios geworden. Die Begeisterung für Spiele ist jedoch geblieben. Thomas Pottkämper sagt: „Wir sind hier alle Spieler und wir machen Spiele für Spieler.“

#martina lettner

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  Meilensteine ins Regal  
  Die Serie "Digitaler Spielplatz" war von 14. - 17. Oktober 2005 in den Salzburger Nachrichten zu lesen.  
Geschichte der Video- und Computerspiele - Gewaltspiele im Visier - Spieleentwicklung
 

 

Ausbildung  
 

SALZBURG
Studiengang: MultiMediaArt (MMA) Inhalt: Kreativbereich (Grafik, Animation, Gamedesign). FH Salzburg (Internet: www.fh-sbg.ac.at). Dauer: 8 Semester, wird ab Wintersemester 2006 umgestellt.

HAGENBERG
Studiengänge: Medientechnik und -design, Digitale Medien. FH Hagenberg, Oberösterreich (Internet: www.fh-hagenberg.at). Dauer: Medientechnik & -design 6, darauf aufbauend Digitale Medien. Dauer: 4 Semester

BERLIN
Studiengang: diverse, auf Games spezialisiert. Games Academy, Berlin (Internet: www.games-academy.de)
Studiengang: Gamedesign. Mediadesign Hochschule Berlin, Düsseldorf, München (Internet: www.mediadesign.de).
Dauer: 6 Semester

ZÜRICH
Studiengang: IAD (Interactiondesign), Gamedesign. Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich (Internet : gamedesign.hgkz.ch). Dauer: 3 Jahre

 
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