Was
Politiker gerne spielen
15. Oktober 2005
ZWISCHENRUF
Playstation statt
Plenarsitzung: Der Faszination der Computer- und
Videospiele können sich auch Politiker nicht
entziehen. Dass Hubert Gorbach erst durch intensiven
Konsum der Renn-Klassiker Autobahn-Raser und Need
for Speed zum Tempo-160-Bleifuß wurde, liegt
auf der Hand. Weniger bekannt ist, dass sich der
Vizekanzler bei der Wirtschaftssimulation Verkehrsgigant neuerdings nur noch im Seilbahn-Level bewegt.
Wolfgang Schüssel ergötzte sich dem Vernehmen
nach in der Sanktionenzeit an Böse Nachbarn – nicht
von ungefähr ein Spiel aus österreichischer
Produktion. Die Warnungen vor der Neuauflage von
schwarz-blau schlug Schüssel aus und gönnte
sich im Kanzlerbüro öfter eine Runde Risiko
2. Seit der FPÖ/BZÖ-Spaltung ist der Regierungschef
noch schweigsamer geworden, weil er über Lösungswege
in der Action-Herausforderung Conflict
Zone grübelt.
Von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer bekommt Schüssel
zu Neujahr 2006 den PC-Hit Waterloo – Napoleons
letzte Schlacht geschenkt, Gusenbauer selbst erprobt
die Xbox-Neuerscheinung The Red
Star.
Sanfter liebt es Maria Rauch-Kallat, deren Begeisterung
für die Karaoke-Adaption Sing
Star nur dadurch
getrübt wird, dass bei der Bundeshymne mit der
Version „... großer Töchter,
Söhne“ kein Highscore zu gewinnen ist.
Karl-Heinz Grasser schwelgt vor seiner Hochzeit mit
Singles 2 – Wilde Zeiten noch einmal in Erinnerungen
an seine Jugendjahre. Im Bundesrat tauschen die alt-freiheitlichen
Recken John Gudenus und Siegfried Kampl ihre Favoriten
untereinander, darunter Angriff
auf die Westfront,
Blitzkrieg oder 1944:
Winterschlacht in den Ardennen.
Bei den Grünen wird nach den bescheidenen Wahlresultaten
der letzten Zeit Trost beim Historien-Knüller
Alexander der Große gesucht. Heinz-Christian
Strache wärmt sich mit Gladiator:
Schwert der Rache für Biermopse auf. Jörg Haiders Getreue
ziehen immer dann die Köpfe ein, wenn den Landeshauptmann
bei Atomic Bomberman Parteispaltungsfantasien heimsuchen.
Deutschlands Neo-Kanzlerin Angela Merkel fand im
PC-Game Irgendwie anders die Inspiration zu ihrer
Regierungslinie. Gerhard Schröder hingegen könnte
seine innere Leere jetzt mit dem selben Action-Thriller überwinden
wie schon Franz Schausberger und Waltraud Klasnic:
The Day After.
#gerhard öhlinger
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