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Von Pong zu Virtual Reality
14. Oktober 2005

Geschichte der Video- und Computerspiele - Gewaltspiele im Visier - Spieleentwicklung
Liebling, ich bin in der Nebenwelt. Bild: SN/dpa  

Videospiele blicken auf 50 Jahre Geschichte zurück: Am Anfang waren zwei Balken und ein Punkt, heute ist die perfekte Simulation der Realität nicht mehr fern.

Überall in den Straßen lagen Leichen. Ein Virus hatte sich verbreitet und das Massensterben ausgelöst: Dieses grausige Geschehen hat sich nicht in der Realität abgespielt – „tot“ waren lediglich zahlreiche Mitspieler des Computerspiels „World of Warcraft“, das via Internet weltweit rund vier Millionen Menschen zusammenführt und das symbolhaft für das Vordringen der Spielewelt in unseren Alltag steht. Viele Teilnehmer verbringen Tag und Nacht in der virtuellen Nebenwelt, kommunizieren mit Mitspielern in aller Welt und schließen Freundschaften mit Menschen, die sie nie persönlich sahen und nie sehen werden.

Derartige Visionen dürften William Higinbotham fremd gewesen sein, als er vor fast 50 Jahren eher zufällig zum Pionier der Computer- und Videospiele wurde. Der Physiker entwickelte für einen Tag der offenen Tür in einem Nuklearforschungszentrum im US-Bundesstaat New York ein Tennisspiel. Auf einem Oszilloskop symbolisierten zwei Balken und ein Punkt Schläger und Ball. Für „Tennis for Two“ standen die Besucher Schlange, doch Higinbotham blieb Physiker und erhob auch nie Ansprüche auf die Urheberschaft am ersten Computerspiel der Geschichte.

Der große Durchbruch mit genau diesem Spielprinzip gelang einem anderen: Nolan Bushnell. Dieser gründete im Juni 1972 eine Softwarefirma, die er nach einer Bezeichnung aus dem japanischen Brettspiel „Go“ benannte: Atari. Higinbothams „Tennis for Two“ hieß bei Atari „Pong“ und ergab sich angeblich aus der Lautmalerei jenes Geräusches, welches der Ball beim Auftreffen auf die Schläger macht. Es wurde das erste kommerziell erfolgreiche Videospiel der Geschichte. Die Besonderheit des Spielautomaten bestand darin, dass er nur aus Schaltkreisen ohne Mikrochips zusammengebaut war.

Mitarbeiter Nummer 40 bei Atari war ein gewisser Steve Jobs, der später gemeinsam mit Technikguru Steve Wozniak den ersten Apple-Heimcomputer auf den Markt brachte. Vorher entwickelten die beiden für Atari Spielhallenspiele wie den populären „Pong“-Klon „Breakout“.

Ab den späten 70er Jahren drangen immer mehr Heimkonsolen mit austauschbaren Spielmodulen auf den Markt und lösten einen wahren Boom aus. Mit dem Atari VCS und dem ersten in Lizenz produzierten Titel, dem Spielhallenhit „Space Invaders“, landete Atari einen Volltreffer. Das Spiel wurde eine Million Mal verkauft.

Mampf-mampf-mampf: Das erfolgreichste Konzept der Videospielgeschichte war ursprünglich als Spiel mit einer gefräßigen Pizza als Hauptfigur gedacht. Nachdem die damaligen grafischen Möglichkeiten für einen entsprechenden Belag aber nicht ausreichten, musste sich der Erfinder und Programmierer Toru Iwatani mit einem gelben Kreis zufrieden geben, aus dem ein Stück herausgeschnitten war. Der Name des Spiels war von dem japanischen Wort „pakupaku“ abgeleitet, was so viel heißt wie „den Mund auf und zu machen“. Aus „Pukman“ wurde im nordamerikanischen Raum „Puckman“. Moralhüter hatten aber Bedenken, Vandalen könnten den Buchstaben P in ein F abändern, daher wurde das Spiel „Pac-Man“ genannt.

Während die 80er Jahre für die Spielhallenspiele zum goldenen Zeitalter wurden, erlebten die Heimkonsolen ihre große Krise. Schlampig programmierte Videospiele und der anhaltende Einzug der Heimcomputer in die Wohnzimmer waren Hauptgrund für Millionenverluste vieler Hersteller.

1984 war der Markt für Videospiele in Europa und Nordamerika endgültig zusammengebrochen. Nur in Japan, wo Heimcomputer noch nicht sehr verbreitet waren, fanden sich noch Käufer dafür. Und von dort aus traten die Heimkonsolen auch ihren neuen Siegeszug an, als Nintendo das Nintendo Entertainment System, kurz NES, auf den Markt bringt. Zum Firmenmaskottchen wurde eine Figur, die die Ära der Plattformspiele revolutionierte: Der italienische Installateur Mario – ursprünglich ein Tischler namens Jumpman – tauchte erstmals 1981 im Videospiel „Donkey Kong“ auf.

Im Kampf um die Vorherrschaft auf dem Heimcomputermarkt gingen in den 90er-Jahren sowohl Commodore (mit dem immerhin über eine Million Mal verkauften Amiga) als auch Atari gegen die MS-DOS-Rechner unter. Ab Mitte der 90er-Jahre revolutionierten die 3D-Grafikkarten das Erscheinungsbild in der Spielszene, Meilensteine gab es vor allem mit 3D-Schießspielen wie „Doom“ oder „Quake“. Das neue Jahrtausend schließlich wird von immer ausgefeilteren Videospielkonsolen wie Xbox und PlayStation 2 dominiert.

Online-Rollenspiele wie „World of Warcraft“ greifen ein altes Prinzip auf: In den frühen 70er Jahren waren die Abenteuerspiele allerdings rein auf Text basierende Geschichten ohne ein einziges Bild.

Purer Realismus soll hingegen die Zukunft der Spiele prägen. Die Rechnerleistung sei nicht mehr das Problem, meint der bekannte britische Spieledesigner Peter Molyneux. Vielmehr gehe es darum, dem Akteur ein besseres Werkzeug als einen Joystick in die Hand zu geben, wenn er in die dreidimensionale Parallelwelt einsteigt.

Einen Vorgeschmack auf das Paralleluniversum bekommen schon jetzt Ex-US-Soldaten. Sie werden bei Therapien zur Bewältigung ihrer Kriegserlebnisse in eine virtuelle Spielwelt geschickt, in der auch Windstöße oder Flutwellen spürbar sind. Um die Simulation noch perfekter zu machen, sollen als nächstes Gerüche wie brennender Gummi, Müll und Gewürze aus dem Irak integriert werden.

#gerhard öhlinger/ michael einböck

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  Die Serie "Digitaler Spielplatz" war von 14. - 17. Oktober 2005 in den Salzburger Nachrichten zu lesen.  
Geschichte der Video- und Computerspiele - Gewaltspiele im Visier - Spieleentwicklung
 

 

Geschichte der Videospiele
 
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www.8bit-museum.de
Ausführliche Site zur Geschichte der Video- und Computerspiele.
 
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