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26. Mai 2004

FRITZ-Interview mit "The Wohlstandskinder"
Das sind die Wohlstands- kinder: Honolulu Silver, Don Ludger de la Cardeneo, Raki und Türk Travolta Bild: SN/universal  

Schwarz umrandete Augen, böser Blick -Sehen so „Wohlstandskinder“ aus? Ein FRITZ-Interview mit der deutschen Punkrock-Band.

Ein millionenschwerer Jungunternehmer, der Souffleur im deutschen Bundestag, eine missionierende Babyglatze und der Rock’n’Roll-Messias: mit einem Wort: Wohlstandskinder. Zumindest, wenn man der Jux-Biografie der vierköpfigen Punk-Pop-Rock-Band Glauben schenkt. FRITZ hat den vier Jungs die Geschichte vom Sonnenfinsternis-Einweg-Brillen-Millionär und Co. nicht ganz abgenommen und lieber direkt nachgefragt.

FRITZ: Wer sind denn die Wohlstandskinder wirklich?

Raki: (mampfend) Naja, wir! (lacht)

Honolulu Silver: Darf ich vorstellen? Da, dieser ungezogene junge Mann, der mit vollem Mund spricht, das ist Raki, Sohn eines Theologen und einer habsburgischen Seidenstickerin. Ein ganz ein cleveres Kerlchen, hat Exorbitanz, Paradonthose und noch so einiges studiert. Den Bassisten bei den Wohlstandskindern macht er nur neben seinem Job als Souffleur im deutschen Bundestag. (kann vor lauter Lachen schon fast nicht mehr sprechen)
Daneben, das ist Don Ludger de la Cardeneo. (schielt zu den Fritz-Notizen) C-A-R-D-E-N-E-O, genau!
Die Geschichte von Don Ludger, unserer Babyglatze, ist zu lang... Er missioniert jetzt als Dummer Europa.
Und der Schüchterne, das ist unser Türk Travolta: der Rock’n’Roll-Messias, so was wie der wahre Elvis. Also wenn Elvis wiedergeboren worden ist, dann sicher in Gestalt von Türk!

Don Ludger: Und der Geschwätzige, das ist Honolulu Silver. Mit zwei Os und zwei Us: Hono und Lulu. (lacht)

Honolulu: Und Silver. Wie Silber. Weil’s so eine schöne Farbe ist.

Don Ludger: Obwohl er mit seinen Sonnenfinsternis-Brillen ein Vermögen gemacht hat, stellt er sich immer noch als Sänger der Wohlstandskinder auf die Bühne. So was nennt man Berufung..

Türk: Nein, im Ernst. Wir sind ganz normale Jungs: wir wollten mit 15 den Mädels imponieren – wollen wir immer noch! (grinst) – und was bietet sich da in einem Kuhkaff an? Wir haben uns die Haare gefärbt und dann eine Band gegründet. Total einleuchtend, oder?

FRITZ: Hat’s funktioniert? Mit den Mädels?

Honolulu: Naja, (lacht) nur bunte Haare reichen scheinbar doch nicht, aber wir haben ja noch die Wohlstandskinder gegründet. Und dann kommt man sich zumindest sehr cool vor..

FRITZ: Nennt Ihr Eure Musik wegen der Kuhkaff-Abstammung „Provinzrock“?

Raki: Mittlerweile können wir ja schon Stadtrock sprechen! Wien.. Bundes.. hm.. ?

FRITZ: Ja, sogar von Bundeshaupstadtrock!

Raki: (lacht) Wien.. stimmt! Ja! Bundeshauptstadtrock! Wie wär’s dann mit Metropolenrock? Das wäre doch ein feines Ziel!

Honolulu: Aber ja, der Provinzrock war unser Anfang. Damals, phu, das ist jetzt auch schon ewig her, hatten wir halt das Ziel, die Helden zu sein. Wir haben echt in jedem Kuhstall gespielt! Da lernt man Ortsnamen kennen, die man nicht aussprechen kann! Am Anfang spielten die Wohlstandskinder noch mehr Punk, aber irgendwann waren die Haare nicht mehr so bunt.

Raki: Wir haben schon alle Farben ausprobiert! Auch schon gestreift, alles!

Honolulu: - und dann ist auch die Musik nicht mehr so punkig gewesen. Aber Musik kann man sowieso nicht so einfach in die verschiedenen Richtungen einteilen…

Don Ludger: Wir machen, was uns gefällt und hoffen, dass es auch noch andere Leute gerne hören. ..aber Metropolenrock hört sich gut an!

Honolulu: Ja, wir haben klein angefangen und haben nicht soweit gedacht, dass wir mit unserer Musik auch einmal Geld verdienen könnten. Es ist alles so langsam gewachsen. Natürlich hat es dazwischen auch mal schlechte Zeiten gegeben. Aber was heißt schon schlecht? Sie waren nicht so rosig wie manch andere,..
Irgendwie sind wir schon wie ein altes Ehepaar. Wir kennen uns so lange, sind aufeinander eingespielt.

FRITZ: Es gab nie Trennungsgedanken? Jede zweite, dritte Ehe wird geschieden!

Honolulu: Nein, wir führen eine Musterehe! Aber wir sind auch langsam in das alles hineingewachsen. Nicht so, wie manche, die durch Casting-Shows von einem Tag auf den anderen überall bekannt sind. Sie haben die gesamte Aufmerksamkeit, aber keine Erfahrung. Da war unsere Zeit als Provinzrocker sehr lehrreich! Die Erfahrung und die Größe des Publikums sind langsam gewachsen..

Raki: Außerdem kennen wir auch die Fehler der anderen, und das macht es schon irgendwie einfacher.

FRITZ: Was sind denn eure größten Fehler?

Honolulu: So GROSSE Fehler gibt es gar nicht..

Türk: Honolulu kann den Schnabel nicht halten! (lacht)

Honolulu: Jaja, na ja, so ist das als Frontman! Immer ist man der Dumme! Da will man die Band verteidigen und bekommt hinterrücks eins auf die Mütze!

Don Ludger: Ich denke, Raki schnarcht…

Raki: Niemals! Du schnarchst doch selber! Und schmatzen tust du auch! Gerade vorher beim Mittagessen!!

Don Ludger: Aber du redest mit vollem Mund! Sogar in Anwesenheit einer jungen Frau! Was soll Dini/Miss Fritz denn von uns denken? Schnell, stell eine andere Frage, bevor’s noch peinlicher wird! (alle lachen)

FRITZ: Habt Ihr einen Lieblingsakkord?

Türk: D-Dur. Der klingt fast immer gut und ist einfach zu greifen. Perfekt!

Don Ludger: Hm.. A-Moll, denk’ ich. An den Drums ist das mit dem Greifen von Akkorden nicht so das Problem. Aber ich denke, A-Moll schaff’ sogar ich!

Raki: Dann nehm’ ich B-Dur. Oder noch besser: B7sus4 – das hört sich wichtig an! (lacht)

Honolulu: Ich mag G-Dur am liebsten. Ich habe gehört, dass das der Grundton der Erde ist. Jedes Ding hat seinen Grundton. Und der der Erde ist G-Dur. Und ich will alles zum Schwingen bringen.. (lacht)

Vielleicht nicht unbedingt Schwingen, dafür sind Hüpfen und Shaken bei einem Wohlstandskinderkonzert vorprogrammiert. Wer gerne Gute-Laune-Pop-Rock-Punk-Funk mag, sollte im Herbst Augen und Ohren offen halten: Die Wohlstandskinder planen für Oktober ein Konzert in Salzburg.

#martina lettner

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 INTERNET
www. wohlstandskinder.de
Offizielle Site von den "Wohlstandskindern"
 
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