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Wovon Peter lebt
1. Oktober 2004
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| Winson besuchten Salzburg. Bild:
SN/winson |
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FRITZ traf die Berliner Band Winson vor ihrem Auftritt
im Rockhouse zu einem Interview und fragte dabei auch
gleich nach Peters Einkünften.
Herr Winson ist ein sehr netter Berliner und der ominöse
Peter lebt von Lichteffekten, die er bei Winson machen
darf und dem T-Shirt Verkauf nach Winsons Konzerten.
Allerdings macht er auch noch andere Sachen, um echte
Kohle ranzuschaffen, denn von Winson bekommt er für
seine Arbeit nur einen Apfel und ein Ei.
Marcus Winson rockte vergangenen Freitag in Salzburg,
FRITZ traf ihn und die Band vor dem Konzert im Rockhouse.
FRITZ: Hallo Winson! Wie war denn euer Auftritt
gestern in Feldkirch?
Winson: Super! Wir ham in so nem superkleinen
Club gespielt, aber es hat total Spaß gemacht!
FRITZ: Österreich gefällt euch also?
Winson: Ja, Österreich rockt!
FRITZ: Wie lange machst Du schon Musik bzw.
wo hast Du denn Deine Band eigentlich her?
Winson: Ich mache Musik seit ich 14 bin, da
hatte ich meine erste Band und hab' angefangen Bass zu
lernen und u.a. in Jugendzentren gespielt. Das wechselte
dann immer wieder in andere Bands und so arbeitet man
mit verschieden Jungs zusammen. Vor dem Winson-Projekt
hatte ich dann 'ne Band, in der der Gitarrist Pascal
für ein Jahr sehr krank wurde. Alos funktionierte
die Band nicht mehr! Da ich aber weiterhin Lust hatte,
Musik zu machen und mir keine neue Leute suchen wollte,
schrieb ich in dieser Zeit eigene Demos für die
Winson-Platte. Als die Demos fertig waren hab' ich sie
rumgereicht, was zur Folge hatte, dass aus dem Demo
ein Schallplattenvertrag wurde und ich das richtig aufnehmen
durfte. Für die Liveauftritte habe ich mich in
der Tat in Kreuzberg bei meinen Musiker-Kumpelkreisen
umgehört, wer denn bereit wäre mitzuspielen.
So ist dann eine Posse entstanden die jetzt als Reisegruppe
Winson unterwegs ist.
FRITZ: Wie gefällt Dir denn das Tourleben?
Winson: Super! Ich kann damit total gut leben,
ich mag es sehr gerne morgens aufzustehen und woanders
hinzufahren, abends zu spielen und am nächsten
wieder woanders hinzufahren. Das macht glaub ich nicht
jeder gerne und es ist auf gewisse Art und Weise anstrengend,
aber mir macht's trotzdem total Spaß.
FRITZ: Wann schreibst Du Deine Lieder denn
am liebsten bzw. gibt es eine bestimmte Tageszeit zu
der Du Deine Songs besonders gern schreibst?
Winson: Ich mach das gerne abends im heimischen
Wohnzimmer am Computer, da hab' ich dann Gitarre und
Bass stehen und Schlagzeug und Mikro is im Drumcomputer
drinne, und dann nehm ich einfach skizzenmäßig
Ideen auf und kann diese dann am Computer zurechtschneiden
und mir was überlegen. Bei mehreren Versuchen ist
dann schon mal was Gutes dabei und daraus kann man dann
ein Liedchen basteln. Ich mach das aber auch gern mit
den Jungs zusammen, wir haben zwei neue Lieder bei denen
ich mit meinen Skizzen in den Proberaum gegangen bin
und das mit ihnen weitergeführt habe. Ham sich
ja einigermaßen bewährt die Jungs (lacht)
FRITZ: Wie entstehen die Texte Deiner Lieder?
Winson: Ich mach beim Aufnehmen immer Freestyle
Sessions wie Freestyle MCs im Hip Hop das auch machen,
dh der Beat läuft und ich sing erstmal was drüber
von dem ich glaube dass es stimmungsmäßig
zur Musik passt. So entstehen eigentlich die meisten
Texte, ich hab' nur ganz wenige Texte vorher geschrieben
und danach die Musik dazu gemacht.
FRITZ: Wovon lebt denn Peter nun?!
Winson: Das kann ich Dir leider auch nicht
beantworten, aber Peter ist dabei, das is so'n langhaariger
Typ der schwirrt hier irgendwo herum und dann kannst
du ihn ja selber fragen!
FRITZ: Dann ist Peter also eine Person aus
Deinem Bekanntenkreis?
Winson: Ja den gibt's wirklich und ich habe
auch nicht im Sinne der Redaktion den Namen geändert
sondern einfach Peter gesagt, ist ja auch ein guter
allgemeingültiger Name.
FRITZ: Wie ist Euer Verhältnis zu den
Beatsteaks, die ja auch aus Berlin kommen?
Winson: Ich bin mit ihnen befreundet und der
Franky (Bassist) kennt sie auch. Mit Arnim, dem Sänger
der Beatsteaks habe ich über Jahre zusammen in
der Kneipe gearbeitet und im selben Haus gewohnt und
so sind wir über die Jahre sozusagen zusammengewachsen.
Ich war mit ihnen auch schon auf Tour als Videokameramann,
daher auch die Verbindung.
FRITZ: Bist denn dann auch von Ihnen als Musiker
inspiriert worden?
Winson: Indirekt ja, denn als es ca. anderthalb
Jahre später an der Zeit war selber auf Tour zu
gehen, wurde mir bewusst dass ich damals ein ungewolltes
Rockstarpraktikum bei ihnen gemacht hatte, denn ich
bin da hingegangen als Videokameramann und wollte nichts
weiter als ein gutes Filmchen drehen, hab' aber dann
auch mitbekommen was am Tourleben cool und wahr ist
und was nur Mythos ist. Das hat mich dann gut auf die
eigene Tour vorbereitet denn man geht an die ganze Sache
nicht so blauäugig ran.
FRITZ: Ihr habt ja heuer am Frequency Festival
gespielt und hattet am ersten Tag glücklicherweise
noch gutes Wetter, wie hat es Euch denn dort gefallen?
Winson: Es war total beeindruckend weil es
bis dato unser größtes Konzert war! Auch
sehr geil war dass auf der zweiten Bühne "Mediengruppe
Telekommander", die wir auch aus Berlin kennen,
etwa zwanzig Minuten in unser Set gespielt haben und
dann das Publikum zu uns rüber geschickt haben!
Nach dem vierten Lied kam also auf einmal die Masse
von hinten und wir haben alle Schiss gekriegt auf der
Bühne! Aber das Festival war super.
FRITZ: Spielst du lieber auf solchen Festivals
bzw. Open Air oder lieber in kleinen Clubs wie dem Rockhouse?
Winson: Ich spiel lieber in Clubs weil man
da so nah an den Leuten dran ist
FRITZ: und alle schwitzen
Winson:
genau, man schwitzt mehr und
kann dann auch mal ins Publikum gehen und die Mädchen
anfassen! (lacht)
FRITZ: Was hältst Du denn von dem Radiosender
FM4?
Winson: Ich war dort mal in die Sendung "Gästezimmer"
eingeladen und durfte mir eine Stunde lang Lieder wünschen.
Ich dachte auch ich hätte mir ein tolles Liedprogramm
ausgedacht bis die mir sagten das wäre so normales
Tagesprogramm!
Also wirklich super, bin ich ein totaler Fan von!
Ich wünschte mir es gäbe einen vergleichbaren
Sender in Deutschland der landesweit zu empfangen ist,
es gibt nämlich viele Ecken in denen nur Sender
zu empfangen sind, die Anastacia und Schlager spielen.
FRITZ: Worin besteht für dich der Luxus
am Liebeskummer?
Winson: Da gibt's 'ne Geschichte die das Lied
erklärt: Ich hatte mal richtig dolle Liebeskummer,
so mit Verzweiflung und allem, und hatte 'ne Nachtschicht
in der Kneipe die um fünf Uhr morgens zu Ende war.
Ich bin dann mit meinem schwerverdienten Geld in die
nächste Kneipe gegangen und hab' mir drei extrem
teure Whiskes zum Feierabend reingezischt. Danach war
ich 'n bisschen anders drauf und der Liebeskummer war
etwas vernebelt
Jedenfalls kam dann ein Typ der meinte er bekäme
noch 35 Euro für die Whiskys und dann sagte ich:"
Wow, Liebeskummer is Luxus
"
Dann hab' ich den Satz aufgeschrieben und ein Lied
drausgemacht!
Im Allgemeinen ist Liebeskummer für manche Leute
Luxus weil sie sich total darin suhlen und dann ein
paar Tage zuhause bleiben und Bier trinken und kiffen
und sich nur wegen des Liebeskummers diesen Luxus herausnehmen.
Auch im Vergleich zu richtig schlimmen Sachen wie
einer schweren Krankheit oder Krieg ist Liebeskummer
Luxus.
FRITZ: Was hältst Du von der aktuellen
politischen Situation in Deutschland, vor allem den
Wahlen in Brandenburg und Sachsen? Unterhaltet ihr euch
auch über politische Sachen?
Winson: Wir haben uns darüber im Bus unterhalten
und anhand unseres Navigationssystems festgestellt,
wenn man immer die Richtung "Rechts, rechts, rechts.."
im Kopf hat, man eigentlich im Kreis fährt und
das bringt ja niemandem was.
Auf Deutsch gesagt halten wir davon gar nichts, wir
wohnen in Kreuzberg das ein Stadtteil mit sehr vielen
Ausländern ist und wir sind weder rassistisch noch
ausländerfeindlich und halten von der Sache auch
nix.
Wir sind zwar von den Texten her eine unpolitische
Band aber es ist nicht so dass wir komplett uninteressiert
sind was das betrifft.
#doris felber
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