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Verwundbar
15. Oktober 2005
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| Musik für verregnete Herbsttage:
Paul Kominek alias „Turner“. Bild:
SN/ladomat |
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Intime Seelenschau: Paul Kominek, der als "Turner" vor
allem Elektro-Pop produzierte, legt mit "Slow Abuse" nun
sein bisher sanftestes Album vor.
"I am autumn and you are spring/We met through
winter and summer came within/I am Norway and you love
Spain/A haze surrounds us, how long will it remain?" Die
Melodieführung der sanft gezupften Gitarre ist
darauf aus, auch den letzten Stein zu erweichen. Glasklar
glitzernde Geräusche aus dem Synthesizer, sparsam
verwendetes Klavier sowie ein dezenter, Wärme
verbreitender Bass bilden hier den perfekten Soundtrack
zu dem mittlerweile ins Land gezogenen Herbst.
Der aus Polen stammende und in Frankfurt am Main lebende
Musiker Paul Kominek hat den Sound seines Projektes "Turner" wieder
einmal verändert. Nach drei Jahren intensiver
Arbeit an seinem vierten Studioalbum "Slow Abuse" gibt
sich dieser nun auf das Wesentlichste reduziert. Komineks
offenbar leicht von der Hand gegangene Songs, schlanke
Arrangements im Zeichen angenehmer Unaufgeregtheit
und eine sich als roter Faden durch das Album ziehende,
melancholische Grundstimmung - "Turner" scheint nun
endgültig zu sich selbst gefunden zu haben.
Der 1998 bei "Ladomat", dem renommierten Hamburger
Label, gestrandete Musiker veröffentlichte mit "Lukin
Orgel" ein zunächst rein dem Track verpflichtetes
Instrumentalalbum, ehe er sich auf dessen Nachfolger, "Disappearing
Brother" aus dem Jahr 2000 erstmals als Songwriter
präsentierte. Mit der Singleauskopplung "Been
Out", einem vorantreibenden Elektro-Pop-Song der besseren
Sorte, konnte Turner auch einen ersten Hit verbuchen.
Wabbernde Synthies, dreckige Vierviertelbeats, 80er-Jahre-Reminiszenzen
und großartige, sich nach dem Pophimmel windende
Hooklines ließen auch die Musikpresse - die sich
aber erst mit Turners drittem Album, "A Pack Of Lies" endgültig
zu diesem bekannte - erstmals aufhorchen.
Auf "Slow Abuse" verdichtet Turner unter dem programmatischen
Schlachtruf "You love sorrow and there's nothing i
could do about it!" Leid und Freud an der zwischenmenschlichen
Beziehung als intime Seelenschau nun meist angenehm
gitarrenlastig ("She Was Sent") oder auf einem Nährboden
fein ausgearbeiteter Elektronik ("When Will We Leave")
zu einem großen Gesamtwerk. Dazu lässt sich
auch hervorragend ins Bier weinen. Großartige
Musik, so verwundbar wie wir.
#andreas rauschal
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