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Weg vom Selbstmitleid
23. September 2002
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| Terranovas "Hitchhiking
nonstop with no particular Destination" |
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FRITZ sprach mit Terranova-Master-Mind
Fetisch.
Mit ihrem neuen Album "Hitchhiking nonstop with
no particular Destination" beschreiten Terranova
den schmalen Grat zwischen Anspruch und Unterhaltung.
Per Anhalter fahren ist aber mittlerweile nicht mehr
so populär wie noch vor zehn Jahren. Fetisch ist
auch keiner, der das tut: " Ich nehm lieber ein
Taxi! Der Name ist für mich mehr ein Symbol. Einfach
sich bewegen zu können, ohne einen Parkplatz suchen
zu müssen."
Bewegung ist wichtig. Wer sich bewegt, kann auch tanzen
und erfüllt damit den Sinn und Zweck der Musik
von Terranova. "Unser Stil ist nicht leicht zu
beschreiben, am ehesten Electronic Punk", sagt
Fetisch. Ist Trip Hop tot? Dazu will sich Fetisch nicht
äußern, aber er gibt die Parole aus, die
ihn vorwärts treibt: "Ich will weg vom Selbstmitleid".
So klingen auch die Tracks des Albums nicht selbstmitleidig.
Fast schon aggressiv, aber das ist nicht beabsichtigt:
"Die Nummern sind knackig, einige sind männlich,
aber nichts soll aggressiv rüberkommen." Terranova
ist keine echte Band, sie ist ein Soloprojekt, zu dem
Fetisch immer wieder neue Musiker einlädt. Dass
manche zweimal dabei waren, macht sie nicht zur Band:
"Terra Nova bin ich. Die Tracks sind von mir, die
Lyrics meist von meinen Gästen. Aber ich bin der
Geist hinter den Songs." Die Guest-Vocals machen
das Album verspielt und vielfältig: Mal Hip-Hop
mit der New Yorker Poetry-Slam Legende Mike Ladd, mal
Extreme Punk mit Ariane, Frontfrau einer Punkformation
des New Yorker Undergrounds. Die Lyrics sind mal einfach,
mal komplex und trotz dieser Vielfältigkeit hat
alles einen gemeinsamen Nenner: Alles ist tanzbar.
"Ich mache Partymusik." sagt Fetisch. Nun
ja, die BRAVO-Charts wird er mit dieser Partymusik nie
erstürmen, aber das will er ohnehin nicht. Seine
Partymusik ist demokratisch. Hier ist für jeden
was dabei, Nummern wie "Goodbye the Ferrari",
mit einem Riff, welches den Sexpistols zur Ehre gereicht
hätte, dann wieder "Heroes", ein sauberer
HipHop Track, bis hin zu "Out of my head",
eine klassische Dancehallnummer.
Diese Musik passt am besten in ein aufgelassenes Industriegebiet.
Helle Lichtblitze in dunkler Nacht, zuckende Schatten,
und die Musik dröhnt aus den Lautsprecherboxen.
Hier können wir feiern, als ob es kein Morgen gäbe.
Es zählt nicht, wer wir sind, oder was wir tun.
Es gibt kein Morgen. Sich bewegen ist alles. Nur nicht
stehen bleiben. Ins neue Land wird per Anhalter gefahren.
#jochen
traun
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