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Nix Rock-Star-Käse
18. Juni 2004
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| Soulfly- und Sepultura-Mastermind
Max Cavalera. Bild: SN/roadrunner |
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Böse und hart, so sehen die Soulfly-Jungs auf
der Bühne aus. Sind sie aber gar nicht, wie FRITZ
beim Interview mit Sänger Max Cavalera beim Aerodrome
herausgefunden hat.
Starallüren und Eitelkeiten sind für Max
Fremdwörter. Er ist geblieben, wie er ist - und
ein bisschen schräg war er ja schon immer. Jammen
geht der ehemalige Frontman von Sepultura nach wie vor
am liebsten ganz chillig mit anderen Musikern.
Eines vorweg: Wir haben das Interview für American-Slang-Freaks
auch im Original: "No
Rock-Star-Bullshit"
Max: Wir haben letzte Nacht in Paris gespielt,
also hatten wir heute eine echt lange Reise, wir haben
oft gestoppt. Ich bin froh, dass wir es doch noch rechtzeitig
hierher geschafft haben. Sogar für die Interviews.
Q: Hat Dave (Elefsson, Ex-Bassist von Megadeth,
Anm.) , nur die Bass-Linie gespielt oder auch sonst
Einfluss auf die neue CD gehabt?
Max: Nicht viel. Als Dave zu uns gekommen ist,
zuerst als Gast, waren die Songs bereits geschrieben.
Ich habe ihn ins Studio eingeladen: "Ich mache
gerade eine neue Soulfly-CD. Lust, in einem der Songs
mitzuspielen?" Und dann sind es vier Lieder geworden.
Daves Style ist echt gut. Seine Hand düst über
den Bass, Wahnsinn! Ich war echt aufgeregt, ich könnte
das nicht!
Q: Wie bist du auf die Idee gekommen, Dave auf
der neuen CD zu haben? Er ist für seine Arbeit
mit Megadeth bekannt, die einen sehr straighten Stil
haben, ganz anders als Soulfly, nicht so rhythmisch.
Max: Ja, aber ich arbeite gerne mit anderen
Musikern. Ich weiß, wie man es anstellt, dass
sie sich wohl fühlen, dass sie ein Teil von Soulfly
werden. So war das auch bei dem Lied, das ich mit Christian
von Ill Nino gemacht habe. Du hörst Christian und
weißt trotzdem, dass es ein Soulfly-Song ist.
Dave wohnt außerdem in der selben Stadt, da war
es echt einfach, sich zum jammen zu treffen. Es war
total relaxed, total stressfrei. Wenn du was Cooles
machen willst: kein Stress! Wenn es stressing oder shittig
wird, sag ich nur: Bis nachher! Es darf nicht stressig
sein, es muss Spaß machen! Klar, dass auch seriös
sein muss, aber ohne diesen ganzen Rock-Star-Käse.
Q: Liegt das vielleicht an Deinen Lateinamerikanischen
Wurzeln?
Max: Kann sein. Wir Brasilianer treffen einfach
gerne andere Leute. Das ist lässig. Ich arbeite
schon seit Jahren, seit den Anfängen von Sepultura,
mit verschiedenen Musikern zusammen. Seit der zweiten
Platte. Ja, ich glaube, du hast recht. Das ist das brasilianische
Blut: wir treffen einfach gerne Leute und scheißen/scheren
uns nichts. Das ist Spaß, das ist Lebenslust!
Es taugt mir einfach, Freunde zu treffen und ein bisschen
Musik zu machen. Ich habe schon so ziemlich alles ausprobiert:
Death Meatl, HardCore, Reaggy, Word Music, Percussion,
Popular Metal wie Slayer. Ich habe noch nicht mit Ozzy
- ihn find' ich super - gearbeitet, aber ich habe mit
ihm in Japan gemeinsam gesungen, das war richtig, richtig
cool.
FRITZ: Was bedeutet Dir Musik?
Max: Es ist einfach alles, weißt du. Manchmal
ist es für die Leute, die mit mir leben, echt nervig.
Sie verstehen nicht so recht, warum ich immer Kopfhörer
und Musik mit mir herumschleppe. Langsam können
sie es nachvollziehen.
Und ich habe das Gefühl, mein achtjähriger
Sohn wird so wie ich. Das erschreckt mich und meine
Familie ganz schön! Er hat schon nach Gitarrenstunden
gefragt! Und klar werd' ich ihm welche geben!
Der andere, Zyon, steht voll auf Sport: Fußball
und Skateboarden. Er ist elf. Igor, er ist acht, hat
Diabetes, so sind wir uns sehr nahe gekommen. Ich habe
viel mit ihm gemacht, viel Blödsinn, aber auch
die Blutabnahmen und so. Wir halten jetzt zusammen wie
Pech und Schwefel. Aber seine Bitte nach Gitarrenstunden
hat mich echt überrumpelt! Mein Kiefer ist einfach
runtergeklappt: "Wow, du magst Gitarre lernen?"
Und er hat einfach "Yeah!" gesagt. Ich musste
vorher gar nichts sagen - hätte ich sowieso nicht
getan. Ich würde nie sagen: "Du musst Musiker
werden!" Man muss Musik für sich selbst entdecken!
FRITZ: War das bei Dir und Deinen Eltern auch
so?
Max: Ja, meine Mum und mein Dad hätten
mich nie dazu gezwungen, Musik zu machen. Mein Vater
hat zwar Akustik-Gitarre gespielt, aber er hätte
nie gesagt: "Spiel Gitarre!" Er war der Meinung:
"Der Bub muss selbst heraus finden, was er mag."
Und so war es dann auch.
FRITZ: Ist Deine Familie immer dabei?
Max: Nicht immer, aber sooft wir können.
Sie sind jetzt mit, noch bis Ende Juli. Dann gehen wir
in die Staaten zurück. Wenn sie dann Schule haben,
gehe ich wieder auf Tour und sie bleiben zuhause.
Aber es ist cool, dass ich sie so oft mitnehmen und
ihnen ein bisschen die Welt zeigen kann. In Amerika
gibt es so viele Leute, die gar nicht wissen, dass der
Rest der Erde existiert! Das ist so traurig. Darum bin
ich echt froh, dass meine Kinder nicht so sind. Sie
kennen Europa, sie kennen Brasilien, das ist gut. Sie
sind auch in Serbien dabei gewesen.
FRITZ: Wie bist Du auf die Idee gekommen, nach
Serbien zu gehen?
Max: Es ging nicht wirklich um Serbien, es ging
um ein Abenteuer. Es hätte auch sonst wo im Osten
Europas sein können, Rumänien zum Beispiel.
Es war so aufregend! Viele Musiker besuchen diesen Teil
der Erde nicht. Es war echt cool nach Belgrad zu gehen.
Es ist ja gerade erst vor ein paar Jahren zerbombt worden,
die hatten ja diesen großen Krieg. Ich bin froh,
dass ich das gemacht habe.
FRITZ: Was war das Beeindruckendste?
Max: Die Gebäude waren echt beeindruckend.
Wenn du downtown fährst, siehst du riesige Gebäude,
die vom Krieg zerstört worden sind. Sie reparieren
sie nicht, das ist echt hart.
Und, ja, ich bin dort zum Zahnarzt gegangen. Das war
echt spaßig: das erste, was du bekommst, ist ein
Glas Vodka! So etwas habe ich vorher noch nie gesehen!
(lacht) Und dann raucht auch noch jeder, das war echt
der Hammer! Ich bin halb betrunken nach Hause gekommen.
Als ich das meinen Freunden in Amerika erzählt
habe, haben sie nur gelacht und gesagt: "Niemals!
Gibt's nicht!" Er hat echt zwei Glas Schnaps gekippt,
bevor er mit der Arbeit an meinen Zähnen begonnen
hat! Das war schräg! Aber ich bin froh, dass ich
diese Erfahrung gemacht habe, die Kultur kennen gelernt
habe.
FRITZ: Versuchst Du, die Leute in den verschiedenen
Ländern kennenzulernen?
Max: Ja, ich gehe ab und zu spazieren, schlendere
durch die Nachbarschaft. Manchmal kann das gefährlich
sein, frei nach dem Motto: "Hey, was zur Hölle
machst du in dieser grintigen Gegend?", aber bis
jetzt war alles harmlos. Manchmal rufen mir Leute in
einer fremden Sprache nach, aber dann gehe ich einfach
weiter. Das habe ich zum Beispiel in Süd Afrika
gemacht. Eines Morgens bin ich aufgewacht, meine Frau
und Kinder haben noch geschlafen, also bin ich einfach
spazieren gegangen und bin irgendwann zu einem Bazar
gekommen. Ich habe dort mit ein paar Leuten gequatscht,
das war vielleicht cool. Mir gefällt das, diese
Seite der Länder kennenzulernen. Die meisten Rockstars
sehen so etwas nie, sie bleiben immer in ihrem fünf
Sterne Hotels.
Q: Ist es kein Problem, dass Du so bekannt bist?
Max: Das ist mir eigentlich egal. Und ich bin
ja auch nicht überall bekannt. In Südafrika,
zum Beispiel, bin ich einfach irgendein verrückter
Juppi-Tourist. Das ist dann echt lässig. An manchen
Orten haben sie echt keinen Tau von (moderner) Musik!
In Teilen von Serbien sind wir stundenlang am Land herumgefahren
und ich habe echt das Gefühl gehabt, die Zeit sei
stehen geblieben! Sie wissen überhaupt nicht, was
im Irak gerade abgeht. Da war nur ein Kloster irgendwo
im Nirgendwo und ein Priester mit einem Bart bis zum
Bauchnabel und aus. Das ist für sie die Welt. Das
war wirklich faszinierend. Wenn ich irgendwann einmal
auf nichts mehr Bock habe, dann gehe ich dort hin. Dann
ziehe ich mit dem Priester herum! (lacht)
FRITZ: Jemand hat einmal gemeint, Du wärst
der Bob Marley des Metal. Was hältst du davon?
Max: Phu, weißt du.. Mir gefällt
die Idee, die dahinter steckt, aber man muss sich selbst
treu bleiben. Das ist etwas, was ich bei anderen Bands
nicht leiden kann: "Sie werden die nächsten
Blablabla sein.." Das habe ich immer gehasst! Selbst
zu der Zeit, als Sepultura langsam bekannter wurde und
manche gesagt haben: "Die werden die nächsten
Metallica!", da hab' ich das gehasst! Sie sind
Metallica und sie sind super. Und wir waren Sepultura,
total anders! Wir hatten unsere eigene Ideologie. So
ist es jetzt auch bei Soulfly. Man muss bleiben, wer
man ist.
#martina "dini" lettner
Anm.: Das Interview fand in Form eines Round Tables
statt. Die FRITZ-Fragen sind seperat gekennzeichnet.
Alle anderen sind "nur" mit Q: versehen.
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