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Ansichtssachen
7. Juni 2005
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| Braunschweiger Hip-Hop-Metall:
"Such A Surge". Bild:
SN/rockhouse |
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Von Titten und Autos, Liebesliedchen und der Einfachheit
der Musik: FRITZ im Exklusiv-Interview mit der deutschen
Crossover-Band "Such A Surge".
Eine fette Mischung aus hartem Metalsound, Hip-Hop
und gesellschafts-kritischen Texten: "Such A Surge" ließ die
Menge im Rockhouse am Sonntag ordentlich schwitzen.
Nachdem die lokale Punkrock-Band „The Flying
Hellfish“ ordentlich eingeheizt hatte, boten
die fünf Jungs aus Braunschweig dem Publikum ein
Konzert, nach dem niemand den Saal mit trockenem T-Shirt
verließ. Nicht umsonst sind "Such A Surge" für
Crossover vom Allerfeinsten bekannt.
FRITZ: Euer Musikstil ist ja eine Mischung aus Heavy
Metal und Hip-Hop ist. Wie kam es dazu?
Michel: Die eine Hälfte sind Metaller und die
andere Hälfte Hip-Hopper! Olli und ich kannten
uns schon aus der Hip-Hop Szene. Als er uns einmal
live erleben konnte, fand er es sehr geil und wir haben
einfach mal mit der Crew von „State of department“ gejammt.
Das war eigentlich totales Chaos... Aber dann hat ein
Kumpel von Olli das „Rap Nation“ Label
gegründet und uns auf den „Death Real Underground“ Sampler
geschmissen. Ab da ging alles sehr schnell: Das Zeug
kam gut an und wir haben beschlossen weiterzumachen.
FRITZ: Wovon hängt es ab in welcher Sprache
Ihr textet?
Michel: Wenn es wichtig ist, dass man versteht, was
ich ausdrücken will, texte ich persönlich
in einer Sprache, die mir eher liegt. Das ist bei mir
persönlich Französisch und Deutsch. Englisch
verwende ich eher, wenn ich etwas Banales beschreiben
oder auch mal etwas brüllen will.
FRITZ: Ihr habt sehr engagierte Texte. Was
hältst
Du von Rappern, die in erster Linie über Ärsche,
Titten und Autos singen?
Michel: Im Prinzip war es im Hip-Hop immer
so. Auch schon Ende der 70er Jahre, als Hip-Hop aufkam,
wurde über
diese Sachen gerappt. Ich finde es ok, diese Rapper
leben ihren Stil, die Mädchen machen freiwillig
mit! Eigentlich ist es eine Ode an die Weiblichkeit
und ein Ausdruck dafür, dass Männer nun mal
auf Frauen stehen! Auch banale Texte sagen der Menschheit
etwas und bieten ihr oft eine gute Zeit. Man sollte
da nicht so eingeschränkt sein. All diese Nischen,
in die wir uns reindrängen wollen, um alternativ
zu sein, das ist Bullshit! Man muss sich nicht schämen,
wenn man mal gerne zu einem Liebesliedchen mitträllert!
Wenn ich einen Song höre, der mir gefällt,
ist es mir egal, von wem er ist.
FRITZ: Gibt es für Dich persönlich
eine Band, mit der Du gerne einmal zusammen arbeiten
möchtest?
Michel: Auf der Bühne konzentriere ich mich lieber
auf unsere Band. Aber es gibt natürlich Bands,
mit denen man gerne was machen möchte, zum Beispiel
die Foo Fighters, Beatsteaks oder sogar Prince könnte
ich mit sehr geil vorstellen!
Konzertmäßig bin ich nach wie vor von Dog
Eat Dog beeindruckt. Mit denen waren wir auf Tour,
und ich habe mir jeden Tag die Show von ihnen angesehen
und es war immer wieder super!
FRITZ: Wie ist eigentlich euer Projekt „Pain
in the Ass“ entstanden?
Michel: „Pain in the Ass“ war eigentlich
eine Bestandsaufnahme. Wir befanden uns damals in einer
so genannten „existentiellen Krise“ und
wussten nicht, wie es mit uns weitergehen sollte. Dann
haben wir mal im Studio alte Songs gespielt und diese
neu aufgenommen - das war ungefähr in der Zeit
nach „Under Pressure“. Das war ein sehr
punkiger Sound; kam überraschenderweise sehr gut
an, und somit haben wir mehr davon produziert. Ob es
allerdings in Zukunft noch einmal PITA geben wird,
ist fraglich, weil wir im Moment ja auch einen anderen
Gitarristen haben. Aber wer weiß, vielleicht
gibt es wieder einmal eine PITA-Platte… Kann
ja auch Pain in the Ass sein, wenn der Sänger
nicht singen kann (lacht).
FRITZ: Derzeit ist in der Musik alles vertreten,
vieles klingt ähnlich, alle Instrumente sind erfunden,
alle Riffs waren schon mal da. Glaubst Du, dass sich
jemals wieder eine neue Musikrichtung entwickeln kann?
Michel: Das Problem in der Musik ist einfach:
Es gibt nur zwölf Töne. Aber das wichtigste ist:
Es gibt immer wieder eine neue Empfindung für
Musik. Das ist vergleichbar mit Mode: Es wird immer
Shirts geben, die den Brustkorb und die Arme bedecken
will. Die Hülle bleibt gleich, doch der Inhalt
definiert sich immer wieder neu!
Vielleicht werden mal klassische Riffs verzerrt, und
diese Richtung heißt dann „Noise Classic“ oder
so… Gott sei Dank kommen immer wieder junge
Leute nach, die Musik neu definieren. Mozart war auch
Revoluzzer! Er wurde für die Musik, die er machte,
verurteilt! Also, lange Rede, kurzer Sinn: Musik – Never
ending story!
#doris felber
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