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Sorgen im Norden
21. Juli 2003
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| Auf sechs Bühnen spielen
über 30 Acts pro Tag Bild:
SN/epa |
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Die verträumte Kleinstadt Roskilde in Dänemark
wird einmal im Jahr zur Hochburg der Rock-Festivals.
FRITZ-Mitarbeiter Stephan Kliemstein war heuer live
dabei.
Einmal im Jahr bricht in Roskilde die Hölle los
und Tausende Musikliebhaber pilgern in das sonst so
unbedeutende Kaff, um eines der größten Festivals
im europäischen Raum mitzuerleben. Von Salzburg
aus sind es dorthin ungefähr 13 Stunden Zugfahrt,
die man allerdings nie fix einplanen sollte, denn für
eines garantiert die Bahn: Verspätete Züge
und Ratlosigkeit.
Auf den ersten Blick wirkt Roskilde wie dem Film Kinder
des Zorns entsprungen: Jugendliche haben die Stadt
okkupiert und sind auf der Suche nach Tuborg-Bier, das
am Festival-Gelände teuer ist. Eine Bus-Verbindung
dorthin zu finden erweist sich als kompliziertes Unterfangen
- die gerade Angekommenen wissen nicht wohin, alle anderen
liegen betrunken neben der Strasse oder sind damit beschäftigt
Bierkisten zu ihrem Zelt zu schleppen. Bier darf nicht
im Bus transportiert werden, darum muss ein Fußmarsch
von rund einer Stunde zurückgelegt werden. Hier
sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Mit
einem um den Hals und den Bauch befestigten Gurt zieht
ein Festival-Besucher gleich mehrere aneinander gekettete
Kisten die Straße entlang.
Das 151 ha große Veranstaltungsareal überwältigt.
Aus den Zeltmeer erheben sich Wachtürme mit Security-Personal,
das kontrolliert, ob auf den Campsites alles geregelt
abläuft.
Das Aufstellen des Zeltes ist nur innerhalb bestimmter
Linien erlaubt und da diese bereits flächendeckend
ausgefüllt sind, kann es Stunden dauern ein freies
Plätzchen zu finden.
Streetball-Plätze, Kletter-Gerüste und sogar
ein Kino, indem man sich rund um die Uhr und umsonst
Filme reinziehen kann, sorgen für genügend
Spaß neben den Acts.
Bereits am zweiten Tag hat sich das Gelände des
Festivals, das seit den 70ern von 10.000 auf 100.000
Teilnehmer wuchs, in eine Müllhalde verwandelt.
Zu selten findet man eine Tonne und darum wirft man
einfach alles auf den Boden. Viele verzichten lieber
auf einen Platz in der Menschenschlange vor den Toiletten,
was einen penetranten Geruch auslöst.
Das beeindruckende Line-Up lässt Gestank und Hitze
vergessen: Metallica, Coldplay, Björk, The Cardigans,
Massive Attack, Blur, Queens of the Stoneage, Iron Maiden,
De La Soul, Xzibit, Los Lobos uvm.
Sechs verschiedene Bühnen und über 30 Acts
jeden Tag - Das ist Anstrengung pur. Das heiße
Wetter in Verbindung mit dem Alkohol macht es vielen
unmöglich zu den Auftritten hinzugehen. Darum ziehen
es einige vor, sich vor ihrem Zelt bewusstlos zu trinken.
Es verblüfft die harmonische Stimmung bei den
Bühnen und den Zeltplätzen. Keine Schlägereien
oder Drängeleien trotz des hohen Alkoholpegels.
Es scheint als hätte jeder begriffen worum es hier
geht und Los Lobos betonten es immer wieder: Um Music-Lovers.
Spezielle Crowd-Securities bieten Hilfe und versorgen
die Leute mit Trinkwasser.
Nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich an die
mangelnde Hygiene - gehört nicht genau das zu einem
Festival? - und findet Plätze, wo man sich nicht
eine Stunde anstellen muss um sich kurz waschen zu können.
Trotz anstrengender und ärgerlicher Zugfahrten
ist das Roskilde Festival ein unvergessliches Erlebnis
mit vier Tagen feinster Musik.
#steph |