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Du bist, was du isst
23. Juli 2004
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| Hart aber herzlich: Rammstein
Bild: SN/universal |
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Nach drei Jahren Pause meldet sich Rammstein kannibalistisch
zurück. FRITZ im Exklusivinterview mit Paul Landers.
Anfang August kommt die neue Single "Mein Teil"
von Rammstein in die Läden. Aufregung gibt's schon
jetzt genug - bei Textstellen wie "Heute treff'
ich einen Herrn, der hat mich zum fressen gern. Weiche
Teile und auch harte stehen auf der Speisekarte. Denn
du bist, was du isst, und ihr wisst, was es ist, es
ist mein Teil." auch nicht weiter verwunderlich.
Doch was steckt dahinter? FRITZ hat vorab mit einem
der harten Jungs, Gitarrist Paul, geplaudert. Und herausgefunden:
so hart wie ihre Musik sind sie eigentlich gar nicht..
FRITZ: Wie würdest du deiner Oma eure Musik
erklären?
Paul: Wenn ich ganz ehrlich bin, würd'
ich sagen: "Es ist gute Musik, vielleicht nicht
dein Stil - hör's dir doch einfach an!". Und
dann würde ich ihr was ohne verzerrte Gitarren
vorspielen und die Oma würde sagen: "Hey,
mach mal lauter!"
FRITZ: Und eure Eltern, was haben sie zu eurem
Werdegang gesagt?
Paul: Eltern freuen sich immer, wenn aus den
Kindern was wird. Insofern waren die da hell begeistert.
Vom Inhaltlichen her sind sie's manchmal nicht so
hm, aber wir machen ja auch keine Musik für Eltern,
eher für Kinder, die ihre Eltern ärgern wollen.
FRITZ: Meinst du, ist "Eltern ärgern"
für Kids wirklich ein Grund, eure Musik zu hören?
Paul: Ja, sicher. Das ist ganz wichtig. Aber
Eltern würd' ich jetzt auch nicht über einen
Kamm scheren. Ich denke, dass zwischen den Generationen
schon gewisses Unverständnis herrschen muss. Damit
Kinder aufwachsen, müssen sie bisschen was machen,
wo die Eltern den Kopf schütteln. Das ist ganz
wichtig, glaub ich, damit Kinder sich abnabeln können,
ihren eigenen Weg gehen können.
Bei Eltern, die sehr tolerant sind, und die lauter Musik
hören als ihre Kinder, ist es sehr schwierig für
die Kinder, sie zu provozieren. Und die Kids fangen
dann an, Kacke an die Wand zu schmieren, nur damit die
Eltern sich mal aufregen. Wenn die dann sagen: "Komm,
rauch `nen Joint mit, dann reden wir drüber."
- da kriegen Kinder `ne Krise. Die wollen: "Mach
deine Musik leiser!" Das ist ganz wichtig, denk
ich.
FRITZ: Was hast du gemacht, um deine Eltern
zu ärgern?
Paul: Ich fand Heavy Metal gut als Kind, nur
weil's laut und hart war. Eigentlich fand ich den Inhalt
nicht gut. Das würd' ich vielen Kids jetzt einfach
`mal so unterjubeln, dass sie Metal einfach nur gut
finden, weil's hart ist und nicht weil's gut ist.
FRITZ: Hast du "Dreh's leiser!" gehört?
Paul: Ja, sicher. Das hören alle Kinder,
denk ich. Meine Mutter war Lehrerin, die war ganz nervös.
Da durfte ich nicht mal mit den Fingern auf den Tisch
trommeln, da hat sie mich immer schon böse angekuckt.
Aber ich hab's geschafft, ich konnte mich abnabeln.
Ich muss meine Eltern nur einmal im Dreivierteljahr
anrufen, es ist nicht zu eng, aber auch nicht zu weit.
Ich fahre Weihnachten schon zu ihnen oder sie zu mir.
FRITZ: Zurück zu den Jugendlichen, meinst
du, dass sie durch Musik wirklich so leicht beeinflussbar
sind, wie immer wieder behauptet wird?
Paul: Beeinflussbar, nee. Eher leicht begeisterbar.
Obwohl, falsch, auch nicht leicht. Quatsch. Wenn du
jetzt meinst, dass sie durch Musik negativ beeinflusst
werden und dann Unfug machen: Unfug wurde schon immer
gemacht. Auch die Indianer haben damals Frösche
mit Steinen beworfen, im Fluss als sie klein waren,
ohne, dass sie Heavy Metal gehört haben. Oder in
Deutschland im Mittelalter wurden Katzen gequält
und alles. Ich glaube, die Welt war früher grausamer
als jetzt, man vergisst das bloß. Wenn man sich
mit Geschichte beschäftigt, was da schon für
gruslige Sachen passiert sind! - dann ist es eigentlich
ein Kindergarten, was jetzt ist. Die Menschen waren
viel, viel fieser zueinander: was geklaut - Hand ab;
da haben wir jetzt ja ein richtig tolles Leben. Oder
gelogen - Zunge weg. Nicht hingehört in der Schule
- Ohr ab - okay, das war jetzt vielleicht ein bisschen
übertrieben.
Früher haben die Jugendlichen, die Leute, die Menschen
auf alle Fälle auch Blödsinn gemacht. Und
die Jugend hat ja auch das Vorrecht, Blödsinn zu
machen, Fehler zu machen, zu lernen, sonst würde
sich die Menschheit ja nicht entwickeln.
FRITZ: Euer Lied "Mein Teil", ist
das der versprochene Kannibalen-Song?
Paul: Ja, das ist das Lied zu dem einen, der
den anderen nach `ner Annonce gegessen hat. Damit haben
wir vielleicht bei manchen ein Tabu gebrochen. Dabei
war das Thema damals in den Medien ganz groß.
Und wir sind ja im Gegensatz zu den ganzen Zeitungen,
die sich sensationslüsternd auf den armen Mann
gestürzt haben, Jahre hinterher und bei weitem
nicht so massiv. Wir machen jetzt halt ein Lied darüber,
aber a) künstlerisch und b) wenn nicht wir ein
Lied drüber schreiben, wer sonst? Das Thema bietet
sich ja regelrecht an.
FRITZ: Euer Videodreh für "Mein Teil"
in Berlin soll der helle Aufreger gewesen sein. Was
war denn da so schlimm?
Paul: Eigentlich nichts. Phu, weiß gar
nicht, wie das mit dem Video so ist, da bin ich zu dicht
dran. Ich hab' nicht einmal eine Ahnung, ob es gut ist
oder schlecht. Oder ob's so lala ist. Schlimmstenfalls
ist es so lala. - Also schlecht ist es nicht, aber ob's
richtig der Hammer ist, bin ich grade der falsche Mann,
um's zu beurteilen. Aber das werden die Leute ja bald
sehen. Ich würd's mir auf jeden Fall mal ankucken
und dann überlegen.
FRITZ: Wann ist denn Premiere?
Paul: Bald, irgendwie .. so .. flinki flunki..
(lacht und zuckt mit den Schultern)
(Anm. d. Red. Flinki flunki = Mitte Juli)
FRITZ: Es ist ja ein Performance-Video, also
ohne Geschichte, in dem ihr euch selbst darstellt. Wie
wollt Ihr denn gesehen werden?
Paul: Also, das war so: wir wollten eine Performance
machen ohne Instrumente, nur der Mann in einem leeren
Raum und keiner wusste, was der andere macht. Jeder
hat das gemacht, wie er sich so im Kontext zu dem Lied
sieht. Muss man mal sehen, was dabei raus gekommen ist.
Ich weiß es nicht.. (lacht)
FRITZ: Was hast du gemacht?
Paul: Ich hab gezappelt, so schnell ich konnte.
(fuchtelt mit den Händen in der Luft herum)
FRITZ: War der Dreh anstrengend?
Paul: Ja, der war ganz doll anstrengend. Der
anstrengendste Dreh, den wir überhaupt hatten.
Vielleicht sind wir auch nicht mehr fit oder so, weil
wir jetzt so lange im Studio rum saßen. Wir haben
jedenfalls danach ganz schön geschnauft.
FRITZ: Wie lang dauert so ein Dreh?
Paul: Ein Video dauert mindestens eine Tag,
wenn man Pech hat, zwei Tage. Wir hatten Pech. (grinst)
FRITZ: Wie ist es denn dazu gekommen, dass die
Pet Shop Boys bei eurer neuen Maxi mitmixen? Das ist
ja eine ganz andere Stilrichtung!
Paul: Wir finden das gut! Wir haben die einfach
angefragt und die haben "ja" gesagt. Sachen,
die so weit weg liegen, die sind manchmal ganz nah.
Pet Shop Boys ist doch eigentlich nicht so abwegig,
oder? Ich hab den "Mein-Teil"-Remix gehört
von den Pet Shop Boys und ich finde ihn einwandfrei.
Fast besser als das Original!
FRITZ: Wer darf sich das Original auf die Fahnen
heften?
Paul: Ach, das passiert doch bei uns immer zusammen.
Das kann man bei uns nicht so einfach auseinander zohpfeln
(? Berlinerisch für futzeln). Wir sind so sechs
kleine Komponisten. Inzwischen hat jeder von uns schon
Urideen mitgebracht, aus denen dann Rammstein-Lieder
geworden sind. Keiner kann da an sich halten. Jeder
hat so seine Talente. Till ist z.B. für die Texte
zuständig. Zum Zusammenbauen müssen wieder
alle dabei sein, es sind also schon alle wichtig, um
ein Lied gut zu machen. Viele Köche verderben den
Brei, so machen wir das immer. (lacht) Du hast `ne gute
Idee, dann fummeln alle dran rum, dann ist das Lied
schlecht und dann wird's aufgenommen.
FRITZ: Wann geht's wieder auf Tournee?
Paul: Im November, Dezember. Wir kommen auch
nach Wien. Und München sollte auch dabei sein.
Genaues weiß man nix.
FRITZ: Wie schaut es bei euch mit Festivals
aus?
Paul: Nächstes Jahr sind wir dabei, wir
wollen auf die großen. Und der Traum ist, dass
man als Co-Headliner spielt, als Vorletzter. Und hinter
einem spielen AC/DC oder so, wo man noch was lernen
kann, weißte, das ist immer gut. Blöd sind
die Festivals, wo wir selber Headliner sind. Headliner
sein ist langweilig. Vorletzter sein fetzt irgendwie
mehr.
FRITZ: Wer sollte nach euch spielen?
Paul: Es gibt viele gute Bands. Chili Peppers,
Metallica, .. U2, hätt' ich gerne, die wären
gut. Die hab ich noch nie gesehen, da könnte man
sich die mal ankucken..
FRITZ: Gibt es für euch Bands, von denen
ihr was lernen wollt?
Paul: Wir hatten noch nie Vorbilder. Wir haben
zwar wenig Gemeinsamkeiten in der Band, aber eine Gemeinsamkeit
ist, dass wir nie wie irgendjemand sein wollten. Wir
wollten immer wie Rammstein sein. Lernen kann man eigentlich
immer und von allem. Außer von Bands, von denen
kann man nur lernen, was man nicht machen möchte.
FRITZ: Gibt es da etwas, wo du denkst "Uah,
so bitte nicht!"
Paul: Viele Bands haben Sachen, wo man denkt
"So bitte nicht", jede Band macht grottige
Fehler. Auch wir.
FRITZ: Zum Beispiel?
Paul: So mache Fotosessions, wo man sich zu
sehr angemalt hat und vielleicht noch mit silberner
Schminke im Gesicht, wo man wie ein Vollidiot aussieht,
da denkt man immer: "Oh Gott, was haben wir da
bloß getan?"
FRITZ: Wird so etwas weniger mit den Jahren?
Paul: Ich glaube, vor Schwachsinn ist man nie
gefeit. Es gibt immer Sachen, die sind peinlich, andere
sind gut. Die Peinlichkeiten find' ich im Nachhinein
alle lustig. Rammstein war ja schon immer so ein bisschen
peinlich. Manchmal hat man's gemerkt, manchmal nicht.
Und lustig waren wir auch schon immer. Manchmal freiwillig,
manchmal nicht. (lacht)
FRITZ: Wie seid ihr überhaupt entstanden?
Paul: Uns gibt's schon zehn Jahre. Wir haben
uns nach einem Flugzeugunglück benannt, in einem
Ort, der Ramstein heißt. Und da wir aus'm Osten
kommen, wussten wir nicht einmal, wie der geschrieben
wird und haben uns mit zwei Ms geschrieben, aus Versehen.
Wir haben im Nachhinein aber gedacht: "Es sieht
eigentlich recht nett aus", und hebt sich auch
ein bisschen von der Stadt ab.
Gefunden haben wir uns, weil wir sechs Freunde sind.
Sind jetzt ungefähr zehn Jahre zusammen und hatten
dazwischen auch schon mal die Nase voll. Wenn man seinen
Freund jeden Tag sieht, wird auch die beste Freundschaft
auf die Probe gestellt. Das kennt jeder, wenn er Besuch
hat, der nicht wieder gehen will. Aber auch das haben
wir jetzt erstmal überstanden.
Ich sehe die Leute von der Band mehr als meine Familie.
So ein Urlaub reißt das dann auch nicht mehr raus.
So ein Leben als Musiker schaut eigentlich auch sehr
langweilig aus, wenn man es realistisch betrachtet.
Entweder man fährt auf Konzerte oder man sitzt
im Studio irgendwo, oder man dreht Videos, macht Fotoshootings
oder gibt irgendwo Interviews. Klingt jetzt sehr romantisch.
Aber von Wien hab ich heute nur einen Sonnenschirm gesehen
und einen Ausschnitt vom Himmel. Der Plan ist eng gestrickt,
man will soviel Städte wie möglich bereisen,
um möglichst viele Journalisten zu erreichen. In
einer Stunde geht's schon wieder weiter.
FRITZ: Bleibt nicht mal Zeit für ein Eis?
Paul: Nein, es bleibt nicht mal mehr Zeit für
ein Eis. Das müssen wir dann machen, wenn wir hier
Konzerte spielen. Im Konzertalltag hat man mehr Zeit.
FRITZ: Dein Lieblingsessen?
Paul: (große Augen, dick aufgeblasene
Wangen) öööhm..
Ich ess' gerne
wart mal, was würd' ich mitnehmen..
Knäckebrot! Borger Knäckebrot. Kennst du wahrscheinlich
nicht. Ist aus dem Osten. Nach der Wende sind eigentlich
alle Lebensmittelfirmen aus'm Osten eingegangen, nur
drei haben überlebt. Das waren einmal die Eberswalder
Würstchen, die ess' ick seah jerne, die sin och
seah jut - Gott sei Dank, ham die überlebt. Un'
Borger Knäckebrot, seit 1930 oder so, ewig! Dat
ess' ick ejentlich am liebsten.. mit russischem Senf,
der heißt.. Staliznaja, Hauptstadtsenf, der ist
ganz scharf, mit Eberswalder Würstchen und Borger
Knäckebrot.
FRITZ: Kulinarisch also ganz dem Osten zugewandt!?
Paul: Ahja, stimmt! An warmer Küche ess'
ich eigentlich Kartoffeln sehr gern. Pellkartoffeln
find ich gut, aber solche, die man mit Pelle essen kann.
Frühkartoffeln.
FRITZ: Was ist dein Lieblingsakkord?
Paul: Lieblingsakkord??? Das ist ja ne gute
Frage.. Lieblingsakkord
(dann kommt eine laaange
Denkpause. Eine wirklich lange.) Das ist schwierig..
Ich kann keinen Lieblingsakkord. Mmmm..
Also ich find' Moll erstmal besser als Dur. Moll mit
ganz viel Energie. Also, traurig, moll. Wie ein verzerrtes
Russenlied oder wie Muse. So dramatische Mollmusik,
die wir auch manchmal schaffen, find ich gut.
FRITZ: Was war denn der Traum, das Ziel, als
ihr angefangen habt?
Paul: Also ich hatte zwei Ziele. Da gab's so
einen Club in Berlin, der hieß: "Huxley's"
und da haben vielleicht 2000, 4000 Leute reingepasst.
Und da mal spielen, das war mein größter
Traum. Haben wir geschafft.
Der zweite Traum war, einmal mit'm Gitarrenkoffer ins
Flugzeug steigen und zum Konzert fliegen. Haben wir
auch schon geschafft. Ich bin also durch.
Das war schlimm, echt schlimm, als sich alle meine Träume
erfüllt hatten, das ist erstmal fies. Das ist das
Schlimmste, was dir passieren kann. Du hast erstmal
einen Traum, dem eiferst du nach, da reißt du
Bäume aus, um diesen Traum zu wahr zu machen. Jeder
der einen Traum hat, schafft das ja auch irgendwann,
wenn er das wirklich will. Und plötzlich hast du
es geschafft, na dann ist erst mal die Arschkarte. (lacht)
Weil dann sitzte da und denkst: "Was mach ich denn
jetzt? Wo will ich denn jetzt hin?" Das hat ein
paar Jahre gedauert, eh ich jetzt eine neue Zielrichtung
gefunden habe.
FRITZ: Wie schaut das neue Ziel aus?
Paul: Jetzt sind die Träume gar nicht mehr
im musikalischen Bereich, da hab ich mehr als genug
geschafft. Mein Traum ist, das klingt ganz kitschig,
mit meiner kleinen Tochter Schularbeiten zu machen,
wenn die mal groß ist. In drei, vier, fünf
Jahren.. Das würde ich mich freuen, wenn ich das
schaffe.
Es gibt im Leben ja zwei Grundrichtungen. Einmal der
geschäftliche Teil, das Business, und einmal die
private Welt. Es gibt viele Menschen, die im Business
sind, und da ihre ganze Erfüllung finden. Und dann
gibt's welche, die nur in der Familie ihre Erfüllung
sehen. Und es gibt welche dazwischen. Und da gehören
wir dazu. Ich habe für mich den besten Beruf der
Welt. Ich kann genau das machen, was ich gut finde.
Ich kann sabbeln, soviel ich will, und alle müssen
zuhören, freuen sich sogar noch drüber - unglaublich!
Und dann find ich jetzt Kinder gut - fand ich früher
nicht so. Kinder sind so.. unverdorben. Es klingt so
klischeehaft! Wenn ich in einem Interview lese: "Kinder
sind so natürlich und naiv, da siehst du die Welt
in ihren Augen.." und so was Blödes, da muss
ich immer kotzen. Aber an Kindern ist wirklich noch
so eine gewisse Unverdorbenheit des Lebens. So ganz
kleine Kinder sind noch so unverdorben. Das hat was
Lustiges, wenn sie Blödsinn machen, die probieren
eben aus, was passiert, wenn man sich Kaffee über'n
Kopf kippt oder so. Machen sie einfach und kucken dann.
Find ich gut - das fehlt in unserer Welt so völlig!
FRITZ: Machst du so was noch manchmal?
Paul: Leute, die Musik machen, haben auch gewisse
Probleme, älter zu werden. Meine Freundin sagt
immer zu mir, mehr als 16 Jahre gibt sie meiner innerlichen
Reife nicht. Was auch nicht unbedingt gut ist. Altern
heißt ja nicht bekloppt, lascher oder langsamer
werden, sondern auch reifer. Mein Wunsch ist, schon
zu reifen, aber das Kindliche auch noch zu bewahren..
hm.. Quatsch, man kann's eh nicht ändern. Ich werd'
eben vielleicht nie erwachsen, da kann ich jetzt auch
nichts dafür. (lacht) Man muss sich damit abfinden.
Fetzt auch, man ist, wie man ist, da kannst du dich
auf den Kopf stellen. (lacht) Man muss bloß `ne
Doofe finden, die es mit einem aushält und andersherum.
Insofern hab' ich gerade richtig Glück. Lass mich
mal kurz auf Holz klopfen. Es ist ein Traum!
Klingt komisch, aber ich fahre wirklich gern nach Hause
und freue mich richtig, meine Familie zu sehen. Ich
habe ja noch einen Sohn, der ist jetzt vierzehn. Von
ihm hab ich nicht viel gesehen, da war ich wohl auch
noch nicht reif. Dafür will ich meine Tochter jetzt
umso mehr sehen. So oft ich kann.
FRITZ: Was sagt ihr dazu, dass man euch gerne
auf die politisch-rechte Seite steckt?
Paul: Ach, wer das gerne macht, der darf das
auch. Das ist ja auch jedem seine Sache, wo er was zuhause
hinstellen will. In welche Abteilung des Plattenregals
wir hineinsortiert werden - da möchte ich den Leuten
nicht reinreden. (lacht) Uns persönlich hat's am
Anfang ganz schön hart getroffen, als wir damit
noch nicht umzugehen wussten. Das war schon fies. Jetzt
muss ich ein bisschen drüber kichern.
#dini
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