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Rockig, reudig, süß
1. Juli 2004
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| Die wilden Wiener von Pungent
Stench im Interview. Bild: SN/resonance |
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FRITZ hat mit der Skandal-Hardcore-Combo "Pungent
Stench" am Aerodrome "pallawert": die
deutsche Übersetzung aus dem Wiener Original.
Mit der Zensurbehörde früher auf Du und Du,
versucht Pungent Stench das neue Album nicht mehr auf
den Index sondern an den Mann zu bringen. FRITZ hat
mit den Skandal-Österreichern am Aerodrome geplaudert.
Q: Am 13. September kommt Euer neues Album.
Hat sich seit der letzten Platte viel getan?
Don Cochino: Es ist natürlich anders als
die letzte Platte. Wesentlich abwechslungsreicher, ein
bisserl rockiger, reudiger und dreckiger vom Sound.
Die Texte sind wieder lustig und das Cover wird es sicher
auch.
FRITZ: Zensurgefährdet?
Don: Nein, da passen wir schon auf, so deppert
sind wir nicht mehr. Das letzte Cover ist provokant,
aber nicht so offensiv wie ältere. Das hat den
Grund, dass wir keine Lust haben, eine Platte aufzunehmen,
tausende Euro für's Studio zu zahlen und dann sagt
irgendein Trottel in Deutschland, dass die Platte nicht
verkauft werden darf. Aber mit älter- und braver
werden hat das sicher nichts zu tun!
Rektor Stench: Das Cover ist ja weniger das
Problem, das sind eher die Texte. Normalerweise ist
es so, dass ein Vater oder eine Mutter von einem Teenager
in dessen Zimmer eine Pungent Stench -CD findet, ein
bisserl Englisch versteht und mitkriegt, wovon der Text
handelt und das beim Jugendamt anzeigt.
Don: Bei der letzten CD haben wir es dann so
gemacht, dass die Texte nicht mehr im Booklet abgedruckt
sind. Es gibt also zwei Booklets: das eine ist bei der
CD dabei, das Bildbooklet für die Kinder. Und wer
die Texte haben will, der kann sie bei uns gegen Rückporto
bestellen. Mehr können wir ihnen aber nicht mehr
entgegenkommen.
Q: Wie war das damals mit der Zensur in Australien?
Stench: Damals hat der Zoll die CDs beschlagnahmt.
Da hat es den Homosexuellen-Vorwurf gegeben.
Don: Genau! Wir würden Homosexualität
am Cover promoten..
Der Irrglaube war, dass sich zwei Männer küssen
würden, dabei war das Blödsinn: es ist nur
einer gewesen, in der Mitte auseinandergeschnitten und
gespiegelt. Das ist nicht schwul. Das ist Selbstbefriedigung,
wenn du mich fragst.. (lacht)
Stench: Meistens ist ihre Begründung, dass
die Texte sozialethisch desorientierend sind. Das ist
der durchgehende Slogan, egal, worum es geht.
FRITZ: Wie hat das damals bei der Tour in Australien
funktioniert, wo doch die Hälfte eurer Lieder zensiert
gewesen ist!?
Stench: Eigentlich haben sie uns mitgeteilt,
dass wir ein paar Nummern nicht spielen dürfen.
Don: DürfTen.
Stench: Ja, dürften. Gespielt haben wir
sie trotzdem. War ja keiner dort, der es kontrolliert
hätte.
Don: Es hat massig Medienpräsenz gegeben,
dafür, wie unbekannt wir eigentlich waren. Die
haben uns bei einer TV-Sendung im Hauptabendprogramm
gefeatured, so etwas wie "Taff" oder so ein
Käse. Am nächsten Tag bist du in jedem Grint-Beisl
von jedem Sauf-Prolo erkannt worden: "Ah! `Ve seen
you on TV yesterday! Buy ya a beer!" - Das war
super - aber leider am Ende der Tour. Wir hätten
eigentlich gleich noch eine Runde fahren sollen!
Q: Wie steht es mit Trends? Passt Ihr Euch an?
Don: Uns gefällt wenig, was den Massen
seit den 90ern gefällt. New Metal interessiert
mich gar nicht. Wenn einer mit Dreadlocks HipHop singt
und dann womöglich noch raunzt und jammert, wie
schlecht er von seinen Eltern behandelt worden ist -
das ist nicht meins!
FRITZ: Was hat Mama zum Werdegang gesagt?
Don: Meine Mama findet's gut, war schon am Gig
mit. Meine Eltern haben mich immer unterstützt.
Nicht, dass sie gesagt hätten: "Der wird amal
sicherlich was reißen!", aber sie werden
sich gedacht haben: "Besser, als er nimmt Drogen!".
Sie sehen, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene,
viel herumkomme und Spaß habe - was können
sie sich mehr wünschen?
FRITZ: Wie stehst Du zu Familie?
Don: Familie ist gut, das sind die einzigen
Leute, die dich nicht bescheißen. Meine Eltern
sehe ich alle zwei Wochen oder so. (FRITZ-Frau Dini
muss grinsen)
Was ist denn da so lustig? (Don lacht selbst
auch)
FRITZ: Süß. (alle lachen)
Don: Was "Süß."?
FRITZ: Na, ich stelle mir das gerade vor: so
am Sonntag bei der Mama Mittag essen?
Don: Jo, genau so schaut's aus! Da ist meine
Schwester mit ihrem kleinen Sohn da, wir spielen dann
drei Stunden Lego und dann gehe ich wieder heim. Ist
super!
#martina "dini" lettner
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