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Uneasy Listening
22. Jänner 2005
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| Die Welt ist grausam: Davon singen
"The Paper Chase" einige Lieder. Bild:
SN/thepaperchaseband |
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Sensationell intensiv und bestürzend morbid:
Die US-amerikanische Band "The Paper Chase"
zimmert an ihrer ganz eigenen kranken Welt.
Knirschen . Sonst nichts. Als würde man langsam
über einen morschen Holzboden gehen. Und dann erhebt
sich, gleichzeitig mit einem verstimmt klingenden Piano,
eine Stimme, brüchig und verzweifelt. "Oh,
I want your head, I want your wicked parts / I wanna
wring out your evil thoughts, I wanna eat out your bitter
heart / I want your soul, to sing six words harmony
. . ."
Beruhigend klingt das nicht, was John Congleton da
in seinem Song "Said the spider to the fly"
singt. Für ihn gibt es aber auch keinen Grund,
beruhigende Songs zu schreiben. Seine Band "The
Paper Chase" ist für den Sänger und Gitarristen
aus Dallas, Texas, nicht zuletzt ein Ventil, um seine
Panikattacken und psychischen Probleme zu verarbeiten,
die ihn seit Jahren verfolgen.
Bereits 2001 konnte man sich auf "Young bodies
heal quickly, you know" vom verstörenden Talent
des Quartetts aus dem Süden der USA überzeugen.
Congleton, der als hauptberuflicher Tontechniker bereits
mit Bono Vox oder Erykah Badu zusammengearbeitet hat,
ist ein manisch Getriebener, der es dem Zuhörer
mit seinem wendungsreichen Post-Core nicht einfach macht.
Was man sowohl auf "Young bodies . . .", dem
2003er-Album "Hide the kitchen knives" und
vor allem auf dem 2004 erschienenen "God bless
your black heart" hört, sind Musik gewordene
Fieberträume. "The Paper Chase" fordern,
hämmern auf den Hörer mit scheinbar unkontrolliert
ausbrechenden Emotionen ein. In selten gehörter,
schlussendlich aber auch etwas durchschaubarer, Intensität
lassen sie Lärm gemeinsam mit morbiden Melodien
Walzer tanzen.
Gitarrenarbeit trifft auf pumpende Klavierparts. Das
Schlagzeug scheppert wie wild geworden durch die ungeraden
Takte. Und alles das lassen "The Paper Chase"
geradewegs auf einen Abgrund zusteuern. Oft ruhig und
melodiös beginnen sie ihre Songs, bevor sich ein
schwarzes Loch auftut, das alles zu verschlingen scheint.
Und Congleton schreit, heult und singt um sein Leben,
in dunklen Texten, die von Verderben und Krankheit handeln.
"The Paper Chase" schaffen es, der sich immer
öfter nur mehr selbst zitierenden Popkultur eines
auszuwischen und sich ihre eigene Schublade zu zimmern.
Mit ihrer Musik verhält es sich wie mit einem schwarzen
Loch: Einmal drinnen, kommt man nicht mehr heraus.
#tobias pötzelsberger
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