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Peer-2-Peer voll im Visier
27. Dezember 2002
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| Auch "audiogalaxy"
ist nicht mehr Bild: SN/m2e |
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Die Internet-Tauschbörse Audiogalaxy ist bereits
Geschichte - Kazaa, Grokster und Morpheus droht ebenfalls
das Aus.
Napster ist schon lange tot und auch andere Musiktauschbörsen
landen in den USA immer öfter vor dem Kadi. Dennoch
öffnen jeden Tag in Tauschbörsen weltweit
Mill. Computerbesitzer ihre Festplatten für den
kostenlosen privaten Tausch von Musik und Filmen. Die
Musikindustrie setzt jetzt (wieder) zum Gegenschlag
an. Denn der Tauschrausch im Internet verhagelt zumindest
einem Teil der Branche die Bilanzen: Durch Raubkopien
brach der Tonträgerabsatz laut Bundesverband der
Phonographischen Wirtschaft allein in den ersten sechs
Monaten dieses Jahres um rund 10 Prozent auf 97 Mill.
Stück ein.
Da mit Verboten im weltweiten Datennetz nur wenig
auszurichten ist, gehen Musikverleger nun in die Offensive.
"How to make Money?" heißt die Perspektive,
unter der das Internet als Vertriebsweg erschlossen
werden soll. Im Focus der Unterhaltungsbranche steht
das neue Breitband-Handynetz UMTS. Das mobile Internet
soll sich zum Geldesel für jene Unternehmen entwickeln,
die mit Verwertungsrechten Geld machen.
Vorerst treiben ein elektronischer Esel und ähnliche
Angebote den Rechteverwertern jedoch Sorgenfalten auf
die Stirn. eDonkey hat sich zu einem der beliebtesten
Gratis-Dienste entwickelt, die der US-Musikindustrie
ein Dorn im Auge sind. Immer mehr Tauschbörsen
geben bei Klagen der Rechteinhaber klein bei. Jüngst
schloss der Tauschdienst Audiogalaxy sein Internet-Portal
für immer. Auch die Betreiber von Kazaa, Grokster
und Morpheus stehen vor dem Kadi.
Allerdings wird es immer schwerer, dem Tausch Einhalt
zu gebieten, denn längst sind die Tauschbörsen
nicht mehr zentral auf einem Server organisiert, den
man einfach abstellen könnte. Peer-to-Peer-Tauschbörsen
(P2P) arbeiten in dezentralen Netzwerken, also einem
lockeren Zusammenschluss privater Rechner, die stets
nur temporär miteinander verbunden sind. Sie dienen
gleichzeitig als Server und Client, bieten also Dateien
zum Upload an und saugen zur gleichen Zeit Dateien von
anderen Rechnern im Verbund.
Rechtsanwälte als klassische Waffe der Musikindustrie
kapitulieren vor den Millionen von Raubkopierern in
der ganzen Welt. Statt dessen schlagen die Rechteinhaber
die Schwarzen Schafe mit ihren eigenen Waffen. Gezielt
werden Dateien in das Tauschsystem eingeschleust, die
Fehler aufweisen. Sollte die Strategie der Musikindustrie
aufgehen, dann werden früher oder später immer
mehr Tauschbörsianer entnervt aufgeben, da sie
zu oft auf zunächst nicht erkennbaren Datenschrott
treffen. Freilich: Längst hat die Szene Gegenmittel
entwickelt und kann anhand einer Prüfsumme defekte
Kopien erkennen.
Zugleich starten die ersten Anbieter mit dem legalen
Online-Verkauf von Musikstücken. Allerdings lassen
sich die bezahlten Musiktitel oft nur wenige Tage und
einzig auf jenem PC nutzen, auf den sie der Nutzer heruntergeladen
hat. Dennoch will die Unterhaltungsindustrie künftig
verstärkt auf die gewachsenen Nutzergewohnheiten
eingehen und Musik online und kostenpflichtig anbieten.
Für dieses Angebot spricht die technisch mögliche
Sicherung einer stets optimalen Qualität der zum
Download bereitstehenden, mehr als hunderttausend Musikstücke.
Allerdings fahren Dienste wie eMusic, PressPlay oder
MusicNet mit angezogener Handbremse. Alle Download-Files
sind durch ein digitales Rechtemanagement (DRM) geschützt
und lassen sich nur auf einem einzigen PC und zudem
oft nur für eine begrenzte Nutzungszeit abspielen.
Das Kopieren, Mailen oder Brennen eines solchen Soundfiles
scheitert gänzlich. Rechnet man die Kosten von
etwa einem Euro je Titel, die Onlinekosten und die begrenzte
Nutzungsmöglichkeit zusammen, ist eine gekaufte
CD oft die günstigere Option. Dort ist nicht nur
die Musikqualität besser, auch der Kopierschutz
stellt kaum noch ein ernsthaftes Handicap dar.
#apa/m2e |