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Rappen für Allah
17. März 2003
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| Islam-Texte statt Ghetto-Slang:
Native Deen Bild: SN/nativedeen.com |
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Muslimische US-Band Native Deen will für ihre
Religion werben und eine Alternative zum Gangsta-Rap
sein.
Für die drei HipHopper von Native Deen kommt
der Prophet vor dem Profit: Die Titel des Trios aus
dem US-Staat New Jersey handeln ausschließlich
vom islamischen Glauben. Die Bandmitglieder wollen Vorbild
für Musikfans sein, die sich sonst vielleicht zum
Gangstarap hingezogen fühlen würden, und außerdem
wollen sie die amerikanische Öffentlichkeit über
ihre Religion informieren. "Der Islam ist unser
Alltag", sagt Native-Deen-Mitglied Joshua Salaam.
"Er prägt, was du tust, wer du bist, was du
isst, wann du schläfst, wie du betest, alles. Wir
singen über das, was wir kennen und wer wir sind."
Die Band hat ihren Ursprung in einem jährlichen
muslimischen Jugendtreffen in Minnesota. Salaam, Abdul-Malik
Ahmad und Naeem Muhammad lernten sich dort kennen und
gründeten vor zwei Jahren Native Deen. Seitdem
haben die drei zahlreiche Singles und Cassetten produziert,
die sie eigenverantwortlich und im Internet vertreiben.
Ihre Fangemeinde bucht sie zu Konzerten in Moscheen,
zu Hochzeiten und Konferenzen. Die drei Freunde, die
sich als Mainstream-Gläubige bezeichnen, verlangen
600 Dollar (560 Euro) pro Show. Bei Festen, auf denen
Männer und Frauen gemeinsam tanzen oder wo Alkohol
ausgeschenkt wird, treten Native Deen nicht auf, denn
dies widerspreche ihrem Glauben.
Ihre Texte handeln von Spannungen zwischen islamischem
und weltlichem Lebensstil, Stolz auf die islamische
Kultur und der Erfüllung religiöser Pflichten.
Der Refrain ihres bekanntesten Titels lautet: "M-U-S-L-I-M,
I'm so blessed to be with them" (ich bin gesegnet,
einer von ihnen zu sein). Ein weiteres Stück, "Hellfire",
beschreibt den inneren Kampf eines halbherzig Gläubigen,
der sich Drogen und materialistischen Dingen zuwendet,
bevor er zum Glauben zurückfindet und Allah um
Vergebung bittet.
Die Band setzt nur ihre Stimmen und Percussion ein,
da einige Muslime Blas- und Saiteninstrumente als Verstoß
gegen die reine Lehre betrachten. Trotzdem wirkt ihre
Musik mit elektronischen Beats und mehrstimmigem Gesang
überraschend reichhaltig. "Die Kids wollen
etwas, das sie anspricht", sagt Yaser El-Menshawy,
Vorsitzender eines muslimischen Religionsrats in New
Jersey. "Wenn man ihnen nichts gibt, das mit den
muslimischen Regeln übereinstimmt, dann finden
sie etwas anderes."
Der Bandname leitet sich nach Angaben der Musiker
aus dem Arabischen ab, er bedeute in etwa "Natürliche
Religion oder Lebensweise". Freitags moderieren
Native Deen eine Internetsendung im Rundfunksender Islamic
Broadcasting Network (IBN) mit Sitz in Virginia. Die
Resonanz sei gut, sagt Programmdirektor Hana Baba, vor
allem unter Jugendlichen. "In E-Mails schreiben
mir Leute, wie froh sie sind, dass die muslimische Gemeinde
endlich etwas hervorgebracht hat, das sowohl unterhaltend
als auch informativ ist."
Die Fans von Native Deen sind fast ausschließlich
Muslime, obwohl die Bandmitglieder selbst sagen, dass
sie ihren Wirkungskreis eines Tages erweitern wollen.
Die Gruppe arbeitet an ihrem ersten Album und bemüht
sich um einen Plattenvertrag. Die Vereinigung der Schallplattenindustrie
in Amerika führt keine Statistik über muslimische
Künstler. Nach ihren Angaben wurden im vergangenen
Jahr 918 Millionen Dollar von Künstlern mit religiösem
Hintergrund umgesetzt, die meisten davon christliche
Gruppen.
Vorerst gehen die Bandmitglieder noch ihren normalen
Berufen nach: Salaam als Strafrechtler beim Rat für
Islamisch-Amerikanische Beziehungen in Washington, Ahmad
als Webdesigner und Muhammad als Projektmanager in einer
Technologiefirma. Die Band sieht sich als Alternative
zu Gruppen, die mit Rap über Mord und Totschlag
Millionen machen. "Die reden darüber, wie
sich jemand auszieht, oder über Mädchen",
sagt Salaam. "Da steckt wenig dahinter. Du musst
bedenken, welche Macht die Musik hat. Es gibt Fünfjährige,
die lernen deine Lieder auswendig und handeln vielleicht
danach."
#apa/m2e |