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Die Zukunft ist jetzt
29. Oktober 2003
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| 25/10/ 03: Muse live in Wien
Bild: SN/tobi |
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Muse überzeugen im Wiener Gasometer mit einer
fast schon zu perfekten Demonstration moderner Rockmusik.
Die Show endet mit einem Knalleffekt: Chris Wolstenhome
holt mit seiner Bassgitarre aus und lässt den riesigen
Ballon, der über der Bühne schwebt, zerplatzen.
Seine beiden Kollegen, Dominic Howard (Schlagzeug) und
Matthew Bellamy (Gesang, Gitarre, Keyboard) winken den
rund 3000 Zuschauern im Gasometer noch einmal kurz zu,
bevor sie endgültig die Bühne verlassen.
Noch immer ist die verrauchte Luft im Konzertsaal voll
von verbrauchter Spannung, als die Menge hinausströmt
in einen kalten Wiener Herbstabend. Und allen ist klar:
Muse beherrschen ihr Handwerk. Matthew Bellamy, das
kleine Genie des Trios, wirkt manisch - getrieben, pendelt
ständig zwischen Gitarre und Keyboard, das auf
einem futuristisch blinkendem Podest steht. Dazu singt
er von der nahenden Apokalypse, beschwört, bettelt
und schreit.
Howard und Wolstenhome bilden eine pulsierende, perfekt
abgestimmte Rhythmusgruppe, die wie ein Uhrwerk auf
dem Beat klebt. Sie alle stehen vor einer intelligent
in Szene gesetzten Videowall, auf der futuristisch anmutende
Motive mit live gefilmten Bildern überblendet werden.
Großes Kino - einzig die eher mäßige
Akustik des Gasometer stört ein wenig.
Nichtsdestotrotz: die Reaktionen des Publikums nach
dem Konzert sind einhellig: "Geil", "Wahnsinn",
"Absolut genial", um nur einen kleinen Auszug
darzustellen.
Mit einem Best-of-Set überzeugen Muse das proppenvolle
Gasometer und auch die Songs der dritten Platte "Absolution"
harmonieren ausgezeichnet mit Hits wie "Plug in
Baby", "Sunburn" oder dem druckvollen
"Muscle Museum". Einem pompösen Beginn
mit "Apocalypse, please" folgt ein ausgewogenes
Programm, das zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Muse-ikalisch
(gewohnt) perfekt, sorgen vor allem "Time is running
out" und die letzte Zugabe "Stockholme Syndrome"
für Hochstimmung unter den Fans - Muse haben ihre
Mission erfüllt.
1999 begann der bemerkenswerte Weg der Band mit dem
Meisterwerk "Showbiz", der bis zum vor kurzem
erschienen Drittwerk "Absolution" anhielt.
Der Erfolg geht zu einem guten Teil auf die Rechnung
Bellamys und seinen dramatisch - hymnischen Gesangsmelodien,
die sich mit virtuosem Gitarren- und Klavierspiel paaren.
Das Erfolgsrezept der Band liegt in einer gewissen
Art von Eklektizismus. Die Briten vereinen in ihrem
Sound ausgewählte Elemente der Musikgeschichte:
Hört man an der einen Song-Ecke die wilde Leidenschaft
Nirvanas heraus, stellen sich an der nächsten bereits
wieder Melodien ein, die an Radiohead erinnern, in welche
jedoch plötzlich fast barocke Klavierläufe
einfallen. Die perfekte Mischung?
Vielleicht. Im Gasometer allerdings fast schon zu perfekt.
Bellamy und seine beiden Gefährten spielen zwar
groß auf, zwischen den Songs lassen sie aber jeglichen
Fankontakt vermissen. Ein Hauch von Superstardom liegt
in der Luft, und man wird das Gefühl nicht los,
nur ein einfaches Publikum auf einer riesigen Tournee
zu sein, dem wenig Bedeutung beigemessen wird.
Angesichts einer (wie erwartet) ausgezeichneten Show
und den virtuosen, leidenschaftlich gespielten Songs
kann man darüber aber getrost hinweg sehen.
Ob so die Zukunft der Rockmusik aussieht, bleibt im
Ungewissen. Fakt ist aber: Muse spielen weiterhin in
der obersten Rock-Liga. Bis jetzt zumindest.
#tobias pötzelsberger
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