|
Vorsicht, Trend!
7. Juli 2004
 |
 |
| Deutsch-österreichisches
Hip-Hop-Electronic-Indierock-Duo.
Bild: SN/mute |
|
 |
 |
Die Mediengruppe Telekommander übt sich auf
"Die ganze Kraft einer Kultur" in Medien- und Gesellschaftskritik.
Ironie inklusive.
"Panzer für den Egotrip/ Panzer und Computerchip/
Panzer für das täglich Brot/ Panzer jetzt
im Angebot". So jung und schon so dada! Was ein bisschen
klingt wie die Paarreimexperimente der Elektro-Ur-und-
Großväter Kraftwerk, stammt in Wahrheit aus
der Feder der wilden Jungspunde Florian Zwietnig und
Gerald Mandl, die jetzt als "Mediengruppe Telekommander"
ihrem Publikum reichlich Spaß bei gleichzeitiger
Beibehaltung der gebotenen Ernsthaftigkeit in den Gehörgang
jagen. Dabei klingt die Musik, als ließe man den
Münchner Techno-Großmeister DJ Hell und die
New Yorker Kaiser der Stromgitarren, Sonic Youth, auf
einer Bahnhofstoilette zum gemeinsamen Jammen aufeinandertreffen.
Über das daraus resultierende Soundgewebe brüllt
der eine oder andere Halbwahnsinnige die eine oder andere
gesellschafts- oder medienkritische Parole, die - natürlich!
- ernst gemeint und doch ironisch lesbar sein soll.
Auch wenn sich der Deutsch-österreichische Individualisten-Zweier
nicht so recht in eine Schublade stecken lassen will,
nennen wir es doch schlichtweg Punk, was auf dem ersten
Album der aktionistischen Formation entsteht. Auch wenn
formale Kriterien wie die simple Drescherei dreier Akkorde
samt obligatem "Scheiß-drauf-Habitus" hier fehlen
und die Musik noch dazu im schicken Soundkostümchen
aus dem Laptop daherkommt. Denn "Die ganze Kraft einer
Kultur" ist trotz seiner Liebe zum Styling immer noch
reichlich dreckig. Ungeniert werden zehn Songs in knapp
36 Minuten heruntergerotzt, wenn man gerade einmal Zeit
zwischen Meetings mit dem Plattenboss und der unbezahlten
Arbeit für den örtlichen Tierschutzverein
findet.
Der in der ersten Single angebrachte Warnhinweis "Vorsicht,
ein Trend geht um!" scheint sich jedenfalls zu
bewahrheiten: Ist die kurz "MTK" genannte
Formation doch das neben den Einstürzenden Neubauten
einzige deutschsprachige Signing des renommierten Mute
Labels. Jenes Labels also, dessen Gründung durch
Daniel Miller Ende der 70er Jahre in die Geschichtsbücher
eingehen sollte. Immerhin hat dieser Mann einst Depeche
Mode entdeckt und großgemacht. Um die Vertragsunterzeichnung
der MTK mit Mute kümmerte sich ebenfalls Miller
persönlich.. Wenn das keine große Zukunft
verspricht!
#andreas rauschal
|