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Miles - Tobias Kuhn - Monta - FRITZ-Interview
Tobias Kuhn über die Miles-Schaffenspause und wahre Gefühle . . . Bild: SN/rockhouse  

FRITZ im Exklusiv-Interview mit Tobias Kuhn, dem Sänger der Indie-Band „Miles“, der mit seinem Solo-Projekt "Monta" im Rockhouse Station machte.

Tobias Kuhn, Sänger der Indie-Band „Miles“ ist derzeit auf Solopfaden unterwegs. Mit seinem ruhigeren Projekt „Monta“ gastierte er vor kurzem im Salzburger Rockhouse, um mit Melodien und Texten zu verführen. FRITZ-Mitarbeiterin Doris Felber traf ihn vor dem Konzert zu einem Interview.

FRITZ: Wie war die bisherige Tour?

Monta: Bis jetzt ganz hervorragend! Es waren auch in Deutschland doppelt so viele Leute wie im Dezember da. Außerdem gibt’s ja keine große Plattenfirma, die da groß Marketing gemacht hat, sondern die Leute haben sich einfach davon erzählt und ich denke nun zieht die Platte ihre Kreise! In Österreich ist es natürlich noch besser, weil es da solche Sachen wie FM4 gibt und somit die Leute dass einfach leichter mitkriegen.

Aber auch in Deutschland war ich total überrascht! In München war das Atomic Café im Vorverkauf ausverkauft und auch sonst waren überall 150 bis 200 Leute!

FRITZ: Ihr habt ja in Klagenfurt noch ein Zusatzkonzert gegeben, was war denn der Anlass dafür?

Monta: Am Montag, beim ersten Konzert, standen noch 50 bis 60 Leute draußen die keine Karten mehr bekommen haben. Deswegen haben wir am nächsten Tag, was eigentlich ein "Day off" gewesen wäre, noch ein Konzert gespielt.

FRITZ: Wie bist Du zur Musik bzw. zu Miles gekommen und wann war ungefähr der Zeitpunkt, wo Du für Dich beschlossen hast, dass Du die Musik zum Beruf machen willst?

Monta: Meine Eltern haben früher sehr viel moderne Musik gehört. Im Alter von drei bis sechs Jahren haben wir in England gewohnt und da hat sich mein Vater sehr viele aktuelle Platten gekauft wie z.B. Punkrock-Sachen wie die Sex Pistols, aber auch andere Sachen wie natürlich die Beatles oder Roxy Music. Ich bin also sozusagen mit moderner Musik groß geworden.

Außerdem hatte ich auch Klavierunterricht als Kind, doch das war eher ein Graus für mich, denn ich hatte eine ziemlich strenge Klavierlehrerin. Aber mit 13, als ich meine erste E-Gitarre bekommen habe, habe ich sofort begonnen in einer Band zu spielen.

Mit 15 hab ich dann Gilbert kennen gelernt, den Gitarristen von Miles, der leider letztes Jahr ausgestiegen ist. Zusammen mit ihm hab ich dann einfach drauf los gespielt und angefangen die Band zu „machen“.

Wenn man in der Pubertät ist, ist es ja so, dass sich irgendwann so zwischen 14 und 16 entscheidet, ob man in die Richtung Sport, Musik oder sonstiges geht. Also ich denke, da ist immer so die Kreuzung des Lebens, an der man entscheidet, welchen Weg man gehen will. Ich bin zu diesem Zeitpunkt eben der Musik verfallen! Seitdem mach ich das auch. Ich hab zwar mein Abitur fertiggemacht und dann angefangen zu studieren, aber dann ging das mit Miles ziemlich schnell und seitdem mach ich eigentlich ausschließlich Musik.

Wobei ich sehr oft im Zwist bin, weil ich irgendwie auch an die Zukunft denke: Was wird in zwanzig Jahren sein? Bin ich dann finanziell abgesichert? Denn es ist ja schon schwierig, damit Geld zu verdienen, da braucht man sich nichts vorzumachen. Aber bei mir ist es auch schon so weit, dass es keinen Weg mehr zurückgibt! Vor einem Jahr habe ich angefangen Medizin zu studieren, weil ich das immer machen wollte. Allerdings nur für vier Wochen, denn ich komm in diese Art von Leben einfach nicht mehr rein . . . Ich muss einfach Musik machen! 

FRITZ: Wieso hast Du dann Dein Soloprojekt Monta gestartet?

Monta: Da gibt’s eigentlich zwei Gründe. Miles gibt es ja mittlerweile seit 14 Jahren. Der eine Grund ist, dass letztes Jahr Gilbert ausgestiegen ist, der Gitarrist. Er ist für mich einfach ein sehr wichtiger Bestandteil der Band, denn schließlich haben wir beide zusammen Miles gegründet. Ich kann da jetzt nicht einfach weitermachen als ob nichts gewesen wäre, ich mag zwar alle und wir sind alle noch befreundet, doch momentan ist es einfach schwierig, mit der Band weiterzumachen.

Der zweite Grund ist, dass ich nach vierzehn Jahren Band, Diskussionen und Ideen, die oft verloren gehen, den einfacheren, direkteren Weg gehen wollte. Also im Kopf zu haben, was man empfindet und auch genau dann diese Texte schreiben, wie man will und wann man das Bedürfnis danach hat. Außerdem an die Musik reduzierter heranzugehen und nicht zu überlegen, welche Instrumente den besten Hype machen, sondern einfach aufnehmen ohne groß nachzudenken.

Das Tolle an einer Band ist ja, dass man oft auf ein anderes kreatives Level kommt, weil vier Meinung oder Inputs da sind. Aber leider gehen Ideen dann manchmal einfach verloren. Deswegen entschied ich mich diesmal für den einfacheren Weg.

FRITZ: Verarbeitest Du bei Deinen Texten eigene Erfahrungen oder sind es eher momentane Gefühlszustände, die Du beschreibst?

Monta: Es sind schon immer sehr reale Sachen die mir passieren oder mich betreffen. Musik ist auch ganz klar, auch wenn’s abgedroschen klingt, eine Ventilform die einem hilft, das auszudrücken, was man empfindet. Da kann ich mich sehr glücklich schätzen, so etwas zu haben und dass ich auch letztendlich mit so einer Deutlichkeit meine Gefühle formulieren kann. Also um auf Deine Frage zurückzukommen, eher ersteres.

FRITZ: Ich persönlich finde den Song „Long live the quiet“ sehr schön, weil ja ruhige Menschen oft unterschätzt oder übersehen werden. Gab es speziell zu diesem Text eine Person oder eine Situation, die Dich auf die Idee zum Song gebracht hat?

Monta: Also, so direkt hat mich da noch keiner drauf angesprochen, aber da gab es tatsächlich etwas.

Als meine Frau und ich in Frankreich auf Urlaub waren, erlitt sie eine Lebensmittelvergiftung bzw. ist bis heute unklar, was es wirklich war. Jedenfalls mussten wir da mitten in der Nacht in dieses Provinzkrankenhaus, wo meine Frau ins Koma fiel, bewusstlos war und dann wieder wach wurde . . .

Ich saß also da in dieser Ambulanzstation und war in diesem schrecklichen Zustand, in dem man nicht weiß ,was jemand eigentlich hat. Außerdem war es ja eine klare Grenzsituation und dann konnten wir auch nicht richtig Französisch sprechen . . .

Aber da ist mir aufgefallen, wie viel mir dieser Mensch bedeutet und was ich alles an ihm schätze! Meine Frau ist sehr ruhig und nimmt sich oft zurück, aber gerade dass finde ich auch sehr wertvoll!

FRITZ: Ich find’s auch schön wenn man miteinander schweigen kann . . .

Monta: Wunderbar! Ich hab erst vorgestern in einem Interview darüber gesprochen. Letztendlich ist das auch ein Text der sich auf andere Situationen übertragen lässt. Immer dieses Reden in einer Freundschaft oder Beziehung ist einfach auch anstrengend, es ist auch schön mal nur mit der Anwesenheit einer Person vollkommen zufrieden zu sein, dass sehe ich haargenau so!

FRITZ: In Deinem Video zu „I’m sorry“ spielen FRITZ Ostermayr, Hermes und Christoph Grissemann mit, für das Video zu „Long live the quiet“ hast du einen Höreraufruf über FM4 gestartet, um Leute für’s Video zu bekommen, Dein Album hast Du in Klagenfurt aufgenommen . . . Woher kommt denn die Verbundenheit zu FM4 bzw. Österreich?

Monta: Das ist eigentlich nicht bewusst! Es ist so, dass FM4 Miles kannten und auch supportet haben.

Vor drei Jahren haben wir in Salzburg mit Miles gespielt und da habe ich Jakob (Jakob Kubizek, Mitarbeiter der österreichischen Mutimedia Kollaboration „Jenseide“, Anm.) wieder getroffen und er hat mich gefragt ob ich ein Video machen will, worauf ich zugesagt habe.

Mit Herwig (Herwig Zamernik, Musikerkollege und Freund, Anm.)war’s genauso. Ich hab das Monta Album eigentlich mit jemand anderem aufgenommen und bin dann aber nicht weitergekommen. Dann haben wir mal telefoniert und er hat mir angeboten bei ihm im Studio aufzunehmen.

Also waren es eher Zufälle die mich zu diesen Leuten geführt haben.

FRITZ: Wie waren denn Videodrehs mit den Leuten von FM4 und auch den Hörern, die sich auf Deinen Aufruf gemeldet haben?

Monta: Ich war bei dem Dreh mit Fritz Ostermayr gar nicht dabei, da wurde meine Ebene an einem anderen Tag aufgenommen. Ich mag Videos, wo ich nicht soviel drin vorkomme.

„Long live the quiet“ besteht auch aus zwei Ebenen, einerseits aus diesem Nachtwächter, so einem 80-jährigen Schauspieler, und andererseits aus Bildern mit Menschen in Kostümen aus dem 19. Jhdt. Das ist sehr schön, denn die Leute, die ausgesucht wurden, kommen sehr gut rüber, weil sie sehr markante Gesichter haben. Ich hab das Video gestern zum ersten Mal gesehen, es ist gut geworden!

FRITZ: Gibt es Musiker die Dich inspirieren und durch Dein ganzes Leben begleiten? Ich denke zum Beispiel an Depeche Mode, da du ja einige Sachen von ihnen gecovert hast!

Monta: Sicherlich! Es gibt so genannte „All Time Favourites“ die ich habe oder auch Platten die man gern hat. Aber ich denke am meisten Input bietet einem diese Musik wirklich, wenn man in der Pubertät ist. Da wird man wirklich geprägt. Bei mir waren es zu der Zeit auf jeden Fall Depeche Mode, The Cure oder Talk Talk.

FRITZ: Dein Album ist sehr geprägt von Sehnsucht und Hoffnung, was bedeuten diese Wörter für dich?

Monta: Das ist ein großer Zwist, in dem man sich da befindet. Einerseits nimmt man das Leben gar nicht so wahr wie es ist und genießt es nicht so richtig, weil man sich dauernd nach Anderem sehnt. Man könnte manchmal alles hinschmeißen und denkt sich „Gott ,was mach ich hier nur". Andererseits geht einem manchmal auch alles auf und man ist motiviert! Ich denke, das hängt auch sehr vom Tagesgefühl ab.

Das ist auch die Grundaussage der Platte, dass es die Hoffnung gibt, aber man manchmal auch einfach resigniert, weil man nicht weiß, wie’s weitergeht.

FRITZ: Du spielst ja im Sommer auf einigen Festivals, ist Dir eine Clubtour lieber oder bevorzugst Du Festivals und Open Air?

Monta: Ich glaube Monta passt besser in die Clubs weil es einfach ruhigere Musik ist. Ich habe da die Anfragen bekommen und das sind in erster Linie kleinere Zeltfestivals. Ich denke außerdem es kann auch mal ganz angenehm sein, wenn auf einem Festival mal was ruhiges gespielt wird, schließlich geht es dort denn ganzen Tag voll ab!

Ich bin auf jeden Fall gespannt denn ich habe mit Monta noch nie auf einem Festival gespielt.

#doris felber

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Miles - Tobias Kuhn - Monta - FRITZ-Interview
 

 

Monta
 
  INTERNET
www.monta.org
Offizielle Homepage von Monta.
 
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