Kraft der Stille
7. April 2005
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| Tobias Kuhn über die Miles-Schaffenspause
und wahre Gefühle . . . Bild:
SN/rockhouse |
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FRITZ im Exklusiv-Interview mit Tobias Kuhn,
dem Sänger
der Indie-Band „Miles“, der mit seinem
Solo-Projekt "Monta" im Rockhouse Station machte.
Tobias Kuhn, Sänger der Indie-Band „Miles“ ist
derzeit auf Solopfaden unterwegs. Mit seinem ruhigeren
Projekt „Monta“ gastierte er vor kurzem
im Salzburger Rockhouse, um mit Melodien und Texten
zu verführen. FRITZ-Mitarbeiterin Doris Felber
traf ihn vor dem Konzert zu einem Interview.
FRITZ: Wie war die bisherige Tour?
Monta: Bis jetzt ganz hervorragend! Es waren
auch in Deutschland doppelt so viele Leute wie im
Dezember da. Außerdem gibt’s ja keine
große Plattenfirma, die da groß Marketing
gemacht hat, sondern die Leute haben sich einfach
davon erzählt und ich denke nun zieht die Platte
ihre Kreise! In Österreich ist es natürlich
noch besser, weil es da solche Sachen wie FM4 gibt
und somit die Leute dass einfach leichter mitkriegen.
Aber auch in Deutschland war ich total überrascht!
In München war das Atomic Café im Vorverkauf
ausverkauft und auch sonst waren überall 150
bis 200 Leute!
FRITZ: Ihr habt ja in Klagenfurt noch ein
Zusatzkonzert gegeben, was war denn der
Anlass dafür?
Monta: Am Montag, beim ersten Konzert, standen
noch 50 bis 60 Leute draußen die keine Karten
mehr bekommen haben. Deswegen haben wir am nächsten
Tag, was eigentlich ein "Day off" gewesen wäre,
noch ein Konzert gespielt.
FRITZ: Wie bist Du zur Musik bzw. zu Miles
gekommen und wann war ungefähr der Zeitpunkt,
wo Du für Dich beschlossen hast, dass Du die
Musik zum Beruf machen willst?
Monta: Meine Eltern haben früher sehr
viel moderne Musik gehört. Im Alter von drei
bis sechs Jahren haben wir in England gewohnt und
da hat sich mein Vater sehr viele aktuelle Platten
gekauft wie z.B. Punkrock-Sachen wie die Sex Pistols,
aber auch andere Sachen wie natürlich
die Beatles oder Roxy Music. Ich bin also sozusagen
mit moderner Musik groß geworden.
Außerdem hatte ich auch Klavierunterricht
als Kind, doch das war eher ein Graus für mich,
denn ich hatte eine ziemlich strenge Klavierlehrerin.
Aber mit 13, als ich meine erste E-Gitarre bekommen
habe, habe ich sofort begonnen in einer Band zu spielen.
Mit 15 hab ich dann Gilbert kennen gelernt, den
Gitarristen von Miles, der leider letztes Jahr ausgestiegen
ist. Zusammen mit ihm hab ich dann einfach drauf
los gespielt und angefangen die Band zu „machen“.
Wenn man in der Pubertät ist, ist es ja so,
dass sich irgendwann so zwischen 14 und 16 entscheidet,
ob man in die Richtung Sport, Musik oder sonstiges
geht. Also ich denke, da ist immer so die Kreuzung
des Lebens, an der man entscheidet, welchen Weg
man gehen will. Ich bin zu diesem Zeitpunkt eben
der Musik verfallen! Seitdem mach ich das auch. Ich
hab zwar mein Abitur fertiggemacht und dann angefangen
zu studieren, aber dann ging das mit Miles ziemlich
schnell und seitdem mach ich eigentlich ausschließlich
Musik.
Wobei ich sehr oft im Zwist bin, weil ich irgendwie
auch an die Zukunft denke: Was wird in zwanzig Jahren
sein? Bin ich dann finanziell abgesichert? Denn es
ist ja schon schwierig, damit Geld zu verdienen,
da braucht man sich nichts vorzumachen. Aber bei
mir ist es auch schon so weit, dass es keinen Weg
mehr zurückgibt!
Vor einem Jahr habe ich angefangen Medizin zu studieren,
weil ich das immer machen wollte. Allerdings nur
für vier Wochen, denn ich komm in diese Art
von Leben einfach nicht mehr rein . . . Ich
muss einfach Musik machen!
FRITZ: Wieso hast Du dann Dein Soloprojekt
Monta gestartet?
Monta: Da gibt’s eigentlich zwei Gründe.
Miles gibt es ja mittlerweile seit 14 Jahren. Der
eine Grund ist, dass letztes Jahr Gilbert ausgestiegen
ist, der Gitarrist. Er ist für mich einfach
ein sehr wichtiger Bestandteil der Band, denn schließlich
haben wir beide zusammen Miles gegründet. Ich
kann da jetzt nicht einfach weitermachen als ob nichts
gewesen wäre, ich mag zwar alle und wir sind
alle noch befreundet, doch momentan ist es einfach
schwierig, mit der Band weiterzumachen.
Der zweite Grund ist, dass ich nach vierzehn Jahren
Band, Diskussionen und Ideen, die oft verloren gehen,
den einfacheren, direkteren Weg gehen wollte. Also
im Kopf zu haben, was man empfindet und auch genau
dann diese Texte schreiben, wie man will und wann
man das Bedürfnis danach hat. Außerdem
an die Musik reduzierter heranzugehen und nicht zu überlegen,
welche Instrumente den besten Hype machen, sondern
einfach aufnehmen ohne groß nachzudenken.
Das Tolle an einer Band ist ja, dass man oft auf
ein anderes kreatives Level kommt, weil vier Meinung
oder Inputs da sind. Aber leider gehen Ideen dann
manchmal einfach verloren. Deswegen entschied ich
mich diesmal für den einfacheren Weg.
FRITZ: Verarbeitest Du bei Deinen Texten
eigene Erfahrungen oder sind es eher momentane Gefühlszustände,
die Du beschreibst?
Monta: Es sind schon immer sehr reale Sachen
die mir passieren oder mich betreffen. Musik ist
auch ganz klar, auch wenn’s abgedroschen klingt,
eine Ventilform die einem hilft, das auszudrücken,
was man empfindet. Da kann ich mich sehr glücklich
schätzen, so etwas zu haben und dass ich auch
letztendlich mit so einer Deutlichkeit meine Gefühle
formulieren kann. Also um auf Deine Frage zurückzukommen,
eher ersteres.
FRITZ: Ich persönlich finde den Song „Long
live the quiet“ sehr schön, weil ja ruhige
Menschen oft unterschätzt oder übersehen
werden. Gab es speziell zu diesem Text eine Person
oder eine Situation, die Dich auf die Idee zum Song
gebracht hat?
Monta: Also, so direkt hat mich da noch keiner
drauf angesprochen, aber da gab es tatsächlich
etwas.
Als meine Frau und ich in Frankreich auf Urlaub
waren, erlitt sie eine Lebensmittelvergiftung bzw.
ist bis heute unklar, was es wirklich war. Jedenfalls
mussten wir da mitten in der Nacht in dieses Provinzkrankenhaus,
wo meine Frau ins Koma fiel, bewusstlos war und dann
wieder wach wurde . . .
Ich saß also da in dieser
Ambulanzstation und war in diesem schrecklichen Zustand,
in dem man nicht weiß ,was jemand eigentlich
hat. Außerdem
war es ja eine klare Grenzsituation und dann konnten
wir auch nicht richtig Französisch sprechen
. . .
Aber da ist mir aufgefallen, wie viel mir dieser
Mensch bedeutet und was ich alles an ihm schätze!
Meine Frau ist sehr ruhig und nimmt sich oft zurück,
aber gerade dass finde ich auch sehr wertvoll!
FRITZ: Ich find’s auch schön wenn
man miteinander schweigen kann . . .
Monta: Wunderbar! Ich hab erst vorgestern
in einem Interview darüber gesprochen. Letztendlich
ist das auch ein Text der sich auf andere Situationen übertragen
lässt. Immer dieses Reden in einer Freundschaft
oder Beziehung ist einfach auch anstrengend, es ist
auch schön mal nur mit der Anwesenheit einer
Person vollkommen zufrieden zu sein, dass sehe ich
haargenau so!
FRITZ: In Deinem Video zu „I’m
sorry“ spielen FRITZ Ostermayr, Hermes und
Christoph Grissemann mit, für das Video zu „Long
live the quiet“ hast du einen Höreraufruf über
FM4 gestartet, um Leute für’s Video zu
bekommen, Dein Album hast Du in Klagenfurt aufgenommen
. . . Woher kommt denn die Verbundenheit zu FM4 bzw. Österreich?
Monta: Das ist eigentlich nicht bewusst!
Es ist so, dass FM4 Miles kannten und auch supportet
haben.
Vor drei Jahren haben wir in Salzburg mit Miles
gespielt und da habe ich Jakob (Jakob Kubizek, Mitarbeiter
der österreichischen Mutimedia Kollaboration „Jenseide“,
Anm.) wieder getroffen und er hat mich gefragt ob
ich ein Video machen will, worauf ich zugesagt habe.
Mit Herwig (Herwig Zamernik, Musikerkollege und
Freund, Anm.)war’s genauso. Ich hab das Monta
Album eigentlich mit jemand anderem aufgenommen und
bin dann aber nicht weitergekommen. Dann haben wir
mal telefoniert und er hat mir angeboten bei ihm
im Studio aufzunehmen.
Also waren es eher Zufälle die mich zu diesen
Leuten geführt haben.
FRITZ: Wie waren denn Videodrehs mit den
Leuten von FM4 und auch den Hörern, die sich
auf Deinen Aufruf gemeldet haben?
Monta: Ich war bei dem Dreh mit Fritz
Ostermayr gar nicht dabei, da wurde meine Ebene an
einem anderen Tag aufgenommen. Ich mag Videos, wo
ich nicht soviel drin vorkomme.
„Long live the quiet“ besteht auch aus
zwei Ebenen, einerseits aus diesem Nachtwächter,
so einem 80-jährigen Schauspieler, und andererseits
aus Bildern mit Menschen in Kostümen aus dem
19. Jhdt. Das ist sehr schön, denn die Leute,
die ausgesucht wurden, kommen sehr gut rüber,
weil sie sehr markante Gesichter haben. Ich hab das
Video gestern zum ersten Mal gesehen, es ist gut
geworden!
FRITZ: Gibt es Musiker die Dich inspirieren
und durch Dein ganzes Leben begleiten? Ich denke
zum Beispiel an Depeche Mode, da du ja einige Sachen
von ihnen gecovert hast!
Monta: Sicherlich! Es gibt so genannte „All
Time Favourites“ die ich habe oder auch Platten
die man gern hat. Aber ich denke am meisten Input
bietet einem diese Musik wirklich, wenn man in der
Pubertät ist. Da wird man wirklich geprägt.
Bei mir waren es zu der Zeit auf jeden Fall Depeche
Mode, The Cure oder Talk Talk.
FRITZ: Dein Album ist sehr geprägt von
Sehnsucht und Hoffnung, was bedeuten diese Wörter
für dich?
Monta: Das ist ein großer Zwist, in
dem man sich da befindet. Einerseits nimmt man das
Leben gar nicht so wahr wie es ist und genießt
es nicht so richtig, weil man sich dauernd nach Anderem
sehnt. Man könnte manchmal alles hinschmeißen
und denkt sich „Gott ,was mach ich hier nur".
Andererseits geht einem manchmal auch alles auf und
man ist motiviert! Ich denke, das hängt auch
sehr vom Tagesgefühl
ab.
Das ist auch die Grundaussage der Platte, dass es
die Hoffnung gibt, aber man manchmal auch einfach
resigniert, weil man nicht weiß, wie’s
weitergeht.
FRITZ: Du spielst ja im Sommer auf einigen
Festivals, ist Dir eine Clubtour lieber oder bevorzugst
Du Festivals und Open Air?
Monta: Ich glaube Monta passt besser in die
Clubs weil es einfach ruhigere Musik ist. Ich habe
da die Anfragen bekommen und das sind in erster Linie
kleinere Zeltfestivals. Ich denke außerdem
es kann auch mal ganz angenehm sein, wenn auf einem
Festival mal was ruhiges gespielt wird, schließlich
geht es dort denn ganzen Tag voll ab!
Ich bin auf jeden Fall gespannt denn ich habe mit
Monta noch nie auf einem Festival gespielt.
#doris felber
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