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Knarz! Pfrz! Ssst!
11. September 2004
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| Die "Mouse" schwebt
weitrer durchs Elektro-Universum. Bild:
SN/Rough Trade, MoM |
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Das deutsche Duo "Mouse On Mars" begeistert
auf seinem neuen Album "Radical Connector"
einmal mehr mit verspielter Elektronik.
Nennen wir das Kind beim Namen: Wenn schon die ewig
gleichen Chill-out-Kompilationen und Lounge-Sampler
den Markt überschwemmen, Techno- und House-Rhythmen
die Geräuschkulisse eines jeden Werbespots bilden
und schicke Manager auf Cocktailpartys zum dort kredenzten
Hummertörtchen ganz nebenbei den entspannten elektronischen
Klängen lauschen - die sie natürlich ur-lässig
und sowieso pippifein finden - dann bedarf es zumindest
einer lautstarken Gegenstimme, die klar macht, wo der
Bartel den Most holt.
Denn auf eine Tatsache können Kulturpessimisten
gar nicht oft genug aufmerksam machen: Musik darf niemals
zum Gebrauchsgegenstand verkommen. Sozusagen: Nicht
nur mit den Ohren sollt ihr sie hören, sondern
auch mit dem Hirn!
Diesem Leitsatz folgend, lassen die deutschen Elektronik-Experimentalisten
Andi Toma und Jan Werner alias "Mouse On Mars"
seit ihrem Debütalbum "Vulvaland" aus
1994 Musik entstehen, die bei aller Tanzboden-Kompatibilität
und trotz Spaßfaktor 1000 nie auf den Anspruch
an sich selbst vergisst - was, wenn man so will, eine
schwierige Gratwanderung zwischen Dorfdisco und Audimax
bedeutet.
Das Ergebnis jedenfalls, die perfekt arrangierten,
nichts ungesagt lassenden Kleinode zeitgenössischer
Elektronik, erschließen sich dem Hörer erst
nach mehrmaligem Abspielen zur Gänze. Denn während
die dem Laptop entrissenen Chaos-Sounds zwischen Knarz!,
Pfrz! und Ssst! auf eine Dekonstruktion sämtlicher
Songstrukturen schließen lassen, fügt sich
knapp vor dem Untergang eines jeden Systems doch noch
alles zu einer Einheit zusammen. Eine Einheit mit Ecken
und Kanten, die lauthals "Zukunft" brüllt
und um stete Weiterentwicklung bemüht ist. So überrascht
es auch kaum, dass sich unter anderem David Bowie, selbst
bekannt für permanenten Wandel, zu den Mouse-On-Mars-Fans
zählt.
Es handelt sich bei Mouse On Mars um die - sagen wir
mal - wahrscheinlich originellste Gruppe seit Kraftwerk,
wenn es darum geht, dem unendlichen Kosmos elektronisch
generierter Klänge das Kraftvollste zu entlocken
und das vorgefundene Material künstlerisch optimal
zu verwerten.
Das gelingt auch auf dem bereits achten Album des Duos
noch immer hervorragend. Call it hot!
#andreas rauschal
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