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. . . dann kam der große Donner
19. August 2003

Metallica -  Frequency-Festival - FM4 - Salzburgring
Metallica live beim FM4-Frequency am Salzburg-Ring Bild: SN/wild  

Metallica beschlossen das FM4-Frequency-Festival mit einer großen, höchst professionellen Show, deren Notwendigkeit weiter umstritten bleibt.

Das ultimative Statement des FM4-Frequency-Festivals war schwer zu erkennen. In der ausgelassenen Euphorie, in der Placebo - angeführt von einem schillernden, stimmlich bestens disponierten Brian Molko - ihr höchst dynamisches Set beendeten, ging beinahe unter, dass das britische Trio bei der Zugabe den Pixies die Ehre erwiesen. Dass Placebo sich mit einer Version von "Where Is My Mind" verabschiedet haben, darf als Botschaft an den Underground gelesen werden.

Einflussreich und stilprägend, aber im Auge einer gewinnorientierten Industrie erfolglos, geliebt von einer treuen, aber kleinen intelligenten Fangemeinde waren die Pixies in den 80er Jahren. Diesem Ideal will auch der Radiosender FM4, Präsentator des Festivals auf dem Salzburgring, verpflichtet sein. Dieses Ideal erträumen sich die Fans von ihrem Frequency-Festival. Und mit Bands wie The Notwist (energetisch, aber anstrengend), Grandaddy (einem heimlichen Höhepunkt in heftigem Regen, der allerdings die schrullige Pop-Schönheit dieser außergewöhnlichen Band fast magisch verstärkte), Beck (bestens aufgelegt mit einem höchst abwechlsungsreichen Hit-Programm) und Main Concept, Console oder Beginner kommt man dem Ideal nahe.

Nach der Pixies-Coverversion kam aber der Donner. Urgewaltig erbebte das Gelände, auf dem sich zu diesem Zeitpunkt rund 45.000 Besucher befunden haben, unter den schweren Schlägen der derzeit größten Hardrock-Band der Welt.

Wenn Metallica in ihr düsteres Reich der Problembewältigung führen, zerstäubt jeder Untergrund. Schwere, vom Double-Bass des Schlagzeugers und Band-Chef Lars Ulrich getriebene Stahlgewitter brachen über den Salzburgring herein. Nach einer langen Zeit der Selbstfindung und schwerer persönlicher Probleme (etwa der Kampf von Sänger James Hetfield gegen den Alkohol) hat sich die Band wieder gefangen. Ausdruck dieser Suche ist das aktuelle Album "St. Anger", das eine Rückkehr zu alten Tugenden darstellt: so hart und schnell wie möglich wird gespielt.

Daher verwundert es wenig, dass Metallica zum großen Teil zu alten Songs greifen, die aus einer Zeit stammen, bevor sie Mainstream geworden waren. Brillant jedenfalls, wie sie zwei Stunden lang in Höchstgeschwindigkeit und größ-ter Präzision ihre Weltvernichtungs-Szenarien von "Battery" bis "Enter Sandman" zelebrieren.

Es hatte außerdem den Anschein, als wüsste Hetfield um die Diskussionen im Vorfeld. Diese Schwerverdiener passten ideologisch nicht zum Festival, hieß es. Schorsch Kamerun von der Hamburger Polit-Punkpartie Goldene Zitronen sagte deshalb bei seinem Auftritt auch, er sei hier, "um gegen Metallica zu spielen". Auch Connor Oberst nutzte den (übrigens großartigen) Auftritt seiner Bright Eyes, um - teils von Pfiffen und Buhrufen begleitet - gegen Metallica zu wettern. Hetfield nahm das übliche Machogehabe an diesem Abend etwas zurück. Seine Ansagen klangen, als wollte er, einer unbekannten Band gleich, alle Fans auf seine Seite ziehen.

Das Festival - und wie zu beobachten war auch viele der ideologisch harten Frequency-Fans - vertrug die Band problemlos. Ihr Engagement ist allerdings aus organisatorischen Gründen zu hinterfragen (siehe Kommentar). Nur Electronic-Crooner Louie Austen, der zeitgleich im schlecht positionierten Alternative Tent auftrat, war definitiv zu bemitleiden. Seine gute Show ging im von der Mainstage herüber rollenden Donnergrollen von James Hetfield und Co. unter.

#bernhard flieher

Metallica - St. Anger - Berlin
 

 

Metallica
 
  INTERNET
www.metallica.com
Offizielle Site der US-Metal-Band Metallica
 
  IMBILD
Metallica live
Bilder vom Frequency-Festival am Salzburgring. Bilder: SN/wild
 
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