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Jazz-Hummer
10. Mai 2006
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| Sängerin, Gitarristin und
Songwriterin Lena Scheibner in ihrem Element. Bild:
SN/lackinger |
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Von der Schwere der Leichtigkeit: Die Jazz-combo "Lobsta" hat
vor kurzem ihr Album "Nothing Has Changed" im Jazzit
präsentiert.
Wie selten kommt es denn vor, dass zeitgenössische
Pop-Musik ohne Extreme auskommt? Imagepflege und Posing
sind oft wichtiger als die Musik. Die Mäuler werden
weit aufgerissen und spucken zynisch oder abstrakt,
vielleicht ideenreich aber kaum authentisch aus, was
cool und scheinbar eigen ist. Vom „größten“ aktuellen
heimischen Act Christina Stürmer einmal abgesehen,
da regiert – zwar gekonnt, aber dennoch – die
Plattheit. Wie selten also kommt es vor, dass jemand
Mut hat, sich – metaphorisch gesprochen – nackt
vor das Publikum hinzustellen und das zu sagen, was
andere vielleicht als peinlich oder banal empfinden
würden? Ja, manchmal kommt das vor …
So geschehen am vergangenen Samstagabend (6. Mai)
beim Konzert der jungen Salzburger Jazz-Popband „Lobsta“ im
Jazzit in Salzburg. Die Sängerin, Gitarristin
und Songwriterin Lena Scheibner nämlich besitzt
den Mut, in ihren Liedern ihr Innerstes zur Schau zu
stellen. Dabei reicht das Spektrum von der scheinbaren
Leichtigkeit eines sommerlichen Flirts bis hin zu den
schwerverdaulichen Brocken, die das Leben für
Eine(n) bereithält.
Bei ihrer früheren Band „Much 2 Kangaroo“ konnte
sich die Sängerin noch mitunter hinter einem fetzigen
Funk- und Rocksound verstecken. Doch an der Seite von
Gernot Haslauer (Bass), Philipp Nykrin (Keys) und Peter
Kronreif (Drums) ist das nicht möglich. Denn die
drei Herren, welche übrigens eine Hälfte
der Salzburger Jazzhoffnung „Present Tension“ darstellen,
verwandeln die Nummern der Frontfrau in zerbrechliche,
doch intensive Klanglandschaften.
Südländische Lebensfreude, beschwingte
und tanzbare Nummern reihen sich dabei an reduzierte,
melancholische Stücke über zerplatzte Träume
und unerfüllte Hoffnungen. Ständig wird ein
Bruch vollzogen. Musikalisch sowie inhaltlich. Gerade
haben wir das Leben noch genossen, hat uns dasselbe
auch schon wieder eingeholt.
Dieses Wechselspiel erreicht seinen Höhepunkt
als sich die Band eben noch gutgelaunt durch eine Nummer
namens „Sometimes I’m Up“ rockte
und Lena Scheibner anschließend ein kurzes, prägnantes
Gedicht rezitierte. Darauf folgte „Raven Bird“,
mit der Anfangszeile: „I know the end is coming
soon, the sun is talking about me with the moon, she
says that she’s tired of me …”.
Ein leises, erhabenes Lied über das Sterben. Die
glasklare, reine Stimme der Sängerin erzeugte
dabei bei den rund 60 Saalgästen Gänsehaut
und Beklemmung. Nachdem die letzten Worte des Songs
in die Nacht hineingeflogen waren, trat sie an den
Bühnenrand und übergab den Song so symbolisch
ihrer Band. Diese steigerte das Klangvolumen, nahm
das Lied minutenlang auseinander und improvisierte
sich in den siebten Jazzhimmel.
ieser traumtänzerische Wandel zwischen dem Versuch,
das eigene Glück zu pushen, der eigenen Existenz
Leichtigkeit zu gönnen, und den immerwiederkehrenden
Ernüchterungen – die spielerische Bewegung
zwischen Easy Listening, Rock’n’Roll und
Blues machen „Lobsta“ zu einem außergewöhnlichen,
leider (noch) viel zu wenig beachteten heimischen Act,
der wieder mal zeigt, wie viel musikalisches Potential
in Österreich abseits von Klassik, Kommerz und FM4
vorhanden ist.
#robert innerhofer
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