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Latin Rock
27. April 2005
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| Ska-Rock aus Uruguay in Salzburg
: La Vela Puerca. Bild:
SN/gü |
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FRITZ im Interview mit Sebástian Cebreiro,
einem der beiden Frontmänner von „La Vela
Puerca“, einer Ska-Rock Band aus Uruguay.
Nach einem
etwas in die Länge gezogenen Soundcheck
erwartete uns ein verschlafener Sebastian „Seba“ Cebreiro
in den Bandunterkünften. Mit strahlenden Augen
erzählt
er in einem sehr freundschaftlichen Gespräch
von dem Musikerleben, der Begeisterung auch für
kleine Konzerte und davon, dass er den nächsten Tag
frei hat und sich Salzburg ansehen will.
Um Schwierigkeiten in der Verständigung zu vermeiden
hatte ich Hilfe von Gabriel Reissig, einem seit vielen
Jahren in Salzburg lebenden Uruguayer.
FRITZ: Das ist erst der vierte
Auftritt eurer langen Europa-Tour. Ihr spielt fast
jeden Tag in einer anderen Stadt. Ist es nicht sehr
kraftraubend, einen derartig eng gesteckten Terminplan
zu haben?
Seba (nickend): Natürlich ist es das,
allerdings motiviert es uns sehr, zu wissen, dass wir
jeden Tag das tun können, was wir lieben. Es wäre
etwas anderes, wenn ich jeden Tag aufstehen müsste,
um auf einer Baustelle zu arbeiten. Ich kann jeden
Tag eine andere Stadt bereisen und neue Leute kennenlernen,
das ist wirklich sehr interessant und aufregend. Da
wir morgen frei haben, wollen wir, nachdem wir ausgeschlafen
haben, etwas von Salzburg sehen.
FRITZ: In Uruguay sind „La Vela
Puerca“ längst
Superstars. Ihr schafft es dort, 70.000 Menschen und
mehr zu euren Konzerten zu holen. In Europa müsst
Ihr euch mit einigen hundert zufrieden geben. Wie denkst
Du darüber, macht das für euch einen großen
Unterschied im Bezug auf eure Show?
Seba: Wir haben in Europa zum ersten Mal
vor zwei Jahren gespielt. Einen Tag vor unserer Abreise
aus Uruguay spielten wir in Montevideo vor 25.000 Menschen.
Unser erster Auftritt in Europa war zwei Tage später
in Gütersloh (D) vor etwa 50 Leuten. Ich denke,
derartige Erfahrungen sind für eine Band sehr
hilfreich, da es uns erinnert hat, das wir nicht überall
so bekannt sind. So verlieren wir nicht den Realitätsbezug
und bleiben auf dem Boden der Tatsachen.
FRITZ: Diesen Sommer werdet ihr neben
reinen „La
Vela Puerca“-Auftritten auch auf großen
Festivals in Deutschland und Österreich - wie
beispielsweise dem „Nova Rock“ oder dem „Southside“ -
spielen. Was hältst du von solchen Veranstaltungen?
Seba (lachend): Sehr Surreal! Neben Bands
wie „Rammstein“, „die Ärzte“ oder „Marilyn
Manson“ auf der Bühne zu stehen, ist für
uns sehr unwirklich, aber auch gleichzeitig eine große
Herausforderung. Ich freue mich schon darauf.
FRITZ: Ich hab einen Blick auf eure Tourdaten
geworfen, und dabei fiel mir auf, dass ihr vor den
Festival-Gigs eine Konzertpause von einem Monat eingeplant
habt. Was wollt ihr in dieser Zeit machen, bleibt ihr
in Europa oder geht’s zurück nach Uruguay?
Seba: Die Konzertpause ist nur in Europa,
wir fliegen nach Uruguay und geben dort drei große
Konzerte, bevor wir wieder nach Europa zurückkehren.
FRITZ: Euer erstes Album „Deskarado“ hat
in Uruguay Platin-Status, das zweite „De Bichos
Y Flores“ hat sogar dreimal Platin erreicht.
Was erwartet ihr euch von dem Dritten Longplayer „A
Contraluz“?
Sind noch Wünsche offen?
Seba: Für uns ist nicht der kommerzielle
Erfolg entscheidend. Natürlich ist es wichtig,
dass wir von der Musik leben können, allerdings
wollen wir hauptsächlich unsere "Message" verbreiten.
In Uruguay gibt es fast keine Musiker, die von Ihrer
Kunst leben können, deswegen ist das für
uns schon ein großer Erfolg gewesen.
FRITZ: Um welche Themen geht es in „A
Contraluz“?
Seba: In „A Contraluz“ geht es
vor allem um die Kämpfe, die im Inneren eines
Menschen toben. Sei es wegen emotionaler Dinge wie
der Liebe, Angst und Eifersucht, oder auch wegen politischen
Anliegen. Wir sind uns allerdings im Klaren, dass wir
die Wahrheit nicht gepachtet haben und versuchen, einfach
die Welt auf unsere Art und Weise zu erklären.
In diesem Moment wird das FRITZ-Interview für
kurze Zeit unterbrochen, da sich Sebástian und
Gabriel angeregt über die aktuelle politische
Lage in Uruguay unterhalten, die sich seit März
dieses Jahres grundlegend geändert hat. Zu den
bestehenden zwei Parteien ist nun nämlich eine dritte
ins Leben gerufen worden, die "hoffentlich mehr auf
die Bedürfnisse der Bevölkerung
eingehen wird", wie mir Seba und Gabriel erklären.
Nach dieser kurzen politischen Unterbrechung kamen
wir wieder auf die Musik zu sprechen:
FRITZ: Ist es nicht sehr kompliziert ein
Album mit acht Musikern aufzunehmen? Gibt es dabei
viele Diskussionen?
Seba (mit großen aufgerissenen Augen): Oja!!
Und Wie! Es ist nicht einfach, zwischen Freundschaft
und Beruf zu unterscheiden, da wir alle auch sehr gute
Freunde sind. Natürlich ist es oftmals schwierig,
einen Mittelweg für acht Perfektionisten zu finden.
Doch wir geben uns größte Mühe.
FRITZ: Eure Homepage ist, genauso
wie eure CD-Cover, sehr künstlerisch designed.
Macht ihr das selbst oder ist das die Arbeit eines
Künstlers?
Seba : Es freut mich sehr, dass sie dir gefällt!
Die Homepage wie auch die CD-Cover sind die Arbeiten
eines befreundeten Künstlers aus Montevideo, dem
wir unsere Texte gaben und der daraufhin seiner Kreativität
freien Lauf ließ.
Gabriel fragt nochmals ungläubig nach dem
Namen des Künstlers, um daraufhin festzustellen,
dass er dessen Schwester kennt. Die Interviewzeit
ist unterdessen abgelaufen, Seba erklärt sich
noch gerne für
Fotos bereit und verabschiedet sich ganz
südamerikanisch mit einer Umarmung von uns.
Eine Stunde später bin ich im Zuschauerraum
des Rockhouse und erlebe eine absolut sehenswürdige
Liveband, die mit viel Energie und Freude das Salzburger
Publikum bereits während der ersten Songs für
sich begeistern kann.
Fazit: Wer die Chance hat, „La Vela Puerca“ live
zu sehen, sollte diese auf alle Fälle nutzen.
Das Oktett aus Montevideo ist mit Recht auf Festivals
wie dem „Southside“ oder dem „Nova
Rock“ vertreten und wird sich auch dort mit Sicherheit
behaupten.
#günther schmidhuber
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