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Diebstahl, Baby!
27. November 2004
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| Zitieren gerne: Kasabian aus
Leicester. Bild: SN/bmg |
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Aus Alt mach Neu: "Kasabian" aus England
gelten als "The next big thing". Doch damit
erhöht sich auch der Druck auf die Band.
Wer das Wort "Eklektizismus" beziehungsweise
seine Bedeutung nicht kennt, sollte sich in aller Ruhe
"Kasabian", das Debütalbum der gleichnamigen
Band aus Leicester anhören, die nun über den
Kanal aufs europäische Festland gehypt werden soll.
Mit der Melodieverliebtheit der Beatles, den dissonanten
Elektronikbausteinen der Happy Mondays, den psychedelischen
Sounds von Pink Floyd, dem geradlinig nach vorn getriebenen
Britpop von The Verve, dem musikalischen Bombast Ennio
Morricones, den unterkühlten Klangver(w)irrungen
der in Richtung Jean Michel Jarre interpretierten Synthesizer
inklusive Rotlicht-Ästhetik et cetera, et cetera,
et cetera, heißen uns Kasabian in der Gestalt
eines alles wiederverwertenden Fleischwolfes recht herzlich
willkommen: "Hello, this is our musikalische Selbstbedienungsbar!"
Zumindest ein Hauch von schlechtem Gewissen, wenigstens
eine rote Wange oder ein schamvoll abgewandter Blick
wäre bei so viel Ungeniertheit durchaus angebracht.
Immerhin wird uns hier Altes als neu verkauft, obwohl
es lediglich mit Fewa Wolle gewaschen, sprich recycelt
wurde.
Sänger Tom Meighan, Mastermind Sergio Pizzorno,
Bassist Chris Edwards und Gitarrist Christopher Karloff
wären aber verdammt schlechte Briten, würden
sie ihre Mäuler nicht gleich zum Gegenangriff aufreißen:
"Nicht nur wir brauchen die Musik, die Musik braucht
uns auch. Man muss den britischen Hörern einen
ordentlichen Arschtritt verpassen und ihnen neues Leben
einhauchen."
Aber nicht nur Kasabian nehmen den Mund ziemlich voll,
sondern auch die seit jeher einem gewissen Gigantismus
verpflichtete britische Musikpresse. Junge Künstler
werden von deren Lobpreisungen nicht nur gefördert,
sondern auch einem öffentlichen Druck ausgesetzt,
an dem bereits so mancher junge Wilde zu zerbrechen
drohte. Als jüngstes Beispiel führt Pete Doherty
von den Libertines die Liste der kaputten Mittzwanziger
an, deren Leidensgeschichte die britische Musikjournaille
dankbar annimmt und lüstern ausbreitet.
Aber auch das lehrt uns der Rock 'n' Roll: Die Welt
ist schlecht und niemand sicher. Mit Kasabian, den Buben
vom Lande, bietet sich bereits das nächste Opfer
an.
#andreas rauschal
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