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Hinter dem X
3. Mai 2006

I AM X - Exklusiv - Interview - Sneaker Pimps - Rockhouse Salzburg
Chris Corner alias I AM X im Rockhouse. Bild: SN/schmidhuber  

Von Astrophysik, Berlin und einem geheimnis-vollen Tattoo: FRITZ im Interview mit Sneaker-Pimps-Sänger Chris Corner alias "I AM X".

Ein sehr schüchterner Händedruck garniert mit einem freundlichen „Nice to meet you“ und ein höfliches Türaufhalten beim Betreten des Interviewraumes ... Dies sind die ersten Gesten, die ich an Chris Corner bemerke. Als ich ihn am Dienstag Nachmittag wenige Stunden vor seinem Auftritt im Salzburger Rockhouse am 24. April zum ersten Mal sehe kommt mir spontan der Gedanke, dass dieser sympathische, schmächtige, ja fast zierliche Mensch mit den riesengroßen schwarzen Augen viel mit sich herumträgt. Gewicht ist es sicher nicht. Wohl eher Nachdenklichkeit.

FRITZ: Hey Chris, wie geht’s Dir? Du kommst direkt aus Berlin, Deiner neuen Wahlheimat, stimmts?

Chris Corner: Hallo, danke, es geht mir gut. Ich komme allerdings nicht aus Berlin, sonder war gerade auf einem Schloß in der Nähe von Nürnberg, das einem Freund von mir gehört.

FRITZ: OK, ich verstehe, hört sich ja wirklich nett an, ein Kurzurlaub auf einem Schloß. Aber zurück zum Thema, Du wohnst ja jetzt in Berlin. Wie kommt es dazu?

Chris Corner (denkt kurz nach): Ich fühlte immer schon angezogen von Berlin. Es scheint ein Ort mit vielen dunklen Geheimnissen zu sein und hat eine finstere Vergangenheit. Ich weiß auch nicht, ich finde Berlin einfach eine sehr inspirierende Stadt. Als ich für mich den Entschluss fasste von London wegzuziehen, was ich vor allem wegen dem ganzen Stress und Konkurrenzdruck dort tat, wollte ich nicht zu weit von England, von meinen Freunden und meiner Familie weg. Ich fühlte mich schon seit meinem ersten Berlinbesuch mit der Stadt verbunden, somit war die Entscheidung schnell getroffen.

FRITZ: Wie lange lebst Du schon dort?

Chris Corner: Das ist schwer zu sagen, ich miete dort schon längere Zeit eine Wohnung, schon etwas über ein Jahr, aber um ehrlich zu sein war ich fast nie dort. Ich hab die meiste Zeit in Paris oder sonst wo gearbeitet, also würde ich sagen dass ich erst seit letztem Weihnachten wirklich dort lebe.

FRITZ: Nach einigen Besuchen Deiner, übrigens gut gelungenen, Homepage würde ich sagen das Chris Corner eine Person mit einer sehr starken visuellen Seite ist. Wo holst Du Dir Deine Inspiration, bist Du ein Filmjunkie, verbringst Du Stunden vor dem Fernseher?

Chris Corner: Ich schaue immer noch viele Filme, aber in meiner Jugend war ich eine Zeit lang sehr enttäuscht von Filmen. Ich schaute verschiedenste Filme jede Nacht, war Stammkunde beim Videoverleih, und war plötzlich etwas enttäuscht davon. Ich hab nie wirklich darüber nachgedacht, aber Du hast recht, ich denke ich habe alles in mich aufgenommen. Immer wenn ich Ideen für Homepage, CD-Cover oder für Konzerte brauche nutzt mir dieser große Background natürlich sehr viel. Ich glaube das, kombiniert mit eigenen Ideen macht diese gewisse visuelle Kreativität aus.

FRITZ: Eine generelle Frage, was ist Deine Meinung zum Internet, ist es für Dich mehr Freund oder doch Feind?

Chris Corner: Es ist eine Liebe-Hass-Beziehung, wie es übrigens schlussendlich doch die meisten Beziehungen sind. Ich bin als Musiker in einer schwierigen Position, einerseits hören sicherlich viele Menschen meine Musik ohne sich vorher meine CDs gekauft zu haben. In diesem Sinn muss ich mir also realistische Vorstellungen machen, wie ich das Internet für meine Zwecke nutzen kann. Mein Management und ich können diese ganze Angelenheit einfach nicht kontrollieren, es ist zu groß und unübersichtlich. Natürlich ist es andererseits auch eine wunderbare Möglichkeit um Konzerttermine oder neue Alben zu promoten.

FRITZ: Das Internet ist wohl auch sehr hilfreich wenn es darum geht ein spezielles Image aufzubauen, oder?

Chris Corner: Du hast absolut recht, man kann sehr einfach ein Konzept vorstellen und mit den Inhalten spielen. Man kann die Leute zum Denken anregen, und das ist für mich ein sehr aufregender Aspekt des Internets. Einerseits ist es somit sehr kreativ und inspirierend, wohingegen natürlich Kontrollfreaks, zu welchen ich mich irgendwie zähle, auch ein Problem damit haben können. Es rinnt Dir einfach alles durch die Finger, es steckt soviel Potential in diesem Medium was natürlich auch frustrierend wirken kann. Ich liebe es zum Beispiel vor dem PC zu sitzen und ganz banale Dinge zu machen wie Mailinglisten upzudaten oder ähnliches. Aber es ist einfach zu groß, es fehlt mir einfach die Zeit für derartige Aktivitäten.

FRITZ: Salzburg ist ja neben der Mozartstadt auch eine Universitätsstadt. Ich habe gelesen, dass Du früher Student der Astrophysik warst. Ist das wahr? Wenn ja, warum? Astrophysik ist ja nicht unbedingt das populärste Studium.

Chris Corner (lächelt): Ich habe mein Studium mit der Mathematik begonnen, ich war schon in der Schule begeistert von der Kreativität dieses Fachs. Das Spiel mit den Zahlen war für mich immer schon sehr ähnlich zu dem Spiel der Noten in der Musik. Doch als das Mathematik-Studium praktischer wurde hat es mich zu langweilen begonnen und so bin ich auf die Astrophysik ausgewichen und habe es wirklich interessant gefunden.

FRITZ: Dein neues Album „The Alternative“ wird in den nächsten Tagen in Europa veröffentlicht, von was handelt es, worum geht es darin?

Chris Corner: Ich habe es gerade erst fertiggestellt, somit ist diese Frage schwer für mich zu beantworten. Wenn ich Musik mache brauche ich immer etwas länger um selbst zu verstehen was ich eigentlich damit sagen will.

FRITZ: Also arbeitest Du nicht nach einem fixen Plan oder dergleichen?

Chris Corner: Nein, absolut nicht. Ich weiß einfach, dass ich tief in meinem Herzen ein Konzept habe und lasse es einfach passieren. Aber nein, grundsätzlich weiß ich nie wirklich genau wie es denn dann wohl werden wird. Ich höre mir das Album jetzt an und denke mir: „es hört sich irgendwie gestresst an“, aber in einer guten Art und Weise, in einer wilden Art und Weise. Unkontrolliert ist auch ein Wort, das mir spontan dazu eingefallen ist. Der Umzug nach Berlin, viele Veränderungen und auch das Entdecken eines neuen Lifestyles, eines alternativen Lifestyles all das spüre ich sehr stark in diesem Album. Wobei ich hier „alternativ“ nicht unbedingt wortwörtlich übersetzen würde. Es sind einfach viele kleine Teile die das Album ausmachen. Am besten gibst Du mir ein Jahr und fragst mich dann noch einmal. Zur Zeit denke ich, dass die beste Beschreibung die ist, das „the alternative“ ganz einfach ein Tagebuch ist, in dem ich versuche zu beschreiben was sich in meinem Leben so abspielt. Wir werden sehen.

FRITZ: Ich hab mir Dein Album mittlerweile schon ein paar Mal durchgehört, es gefällt mir gut, vor allem die gut arrangierten Intro- und Outro-songs haben es mir besonders angetan. Meiner Meinung nach ist dieses Album psychologischer und düsterer als „Kiss & Swallow“. Was hältst Du davon?

Chris Corner: Auf alle Fälle ist das richtig, ich habe mir mehr Gedanken um die menschliche Psyche gemacht, habe versucht mehr davon zu verstehen. Die Entwicklung von „I AM X“ ist für mich grundsätzlich etwas faszinierendes. Du musst wissen, dass Du im Moment mit Chris Corner ein Interview führst und dass ich in ein paar Stunden als „I AM X“ die Bühne betreten werde. Ich selbst betrachte diese Entwicklung von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde mit vorsichtiger Neugier.

FRITZ: Eine schöne Überleitung zu meiner nächsten Frage. Was erwartet den „I AM X“-Konzertbesucher denn heute Abend?

Chris Corner: Genau davon spreche ich, ich weiß es nicht. Ich habe zwar eine Songlist und weiß auch welche Visuals im Hintergrund laufen werden, aber darüber hinaus bin ich selbst jedes Mal gespannt wie sich das Konzert entwickeln wird. Wenn das Publikum schlecht ist, werde ich sauer und lasse auch die Gefühle raus. Es ist mit Sex vergleichbar, Du kannst vorher auch nie sagen ob es gut wird oder nicht.

In diesem Moment bemerke ich ein Tattoo an seinem Handgelenk und frage interessiert nach, was es denn bedeute. Etwas verlegen zeigt er es mir und erklärt, dass dort das Wort „Denim“ steht. Ich wundere mich ein klein wenig. Als „I AM X“ jedoch einige Stunden später seinen Stargast Sue Denim von „Robots in Disguise“ auf der Bühne vorstellt klärt sich offensichtlich die Sache.

FRITZ: 2005 warst Du einige Male in Österreich, heuer spielst Du sieben Gigs hier, nur Zufall oder zieht es Dich wirklich ein bisschen hierher.

Chris Corner: Nein, das ist kein Zufall, ich bin wirklich gerne hier und versuche auch bei jedem Auftritt in Frankreich, Italien, Deutschland oder wo auch immer noch ein paar Gigs hier in Österreich unterzubringen. Ich war mit den „Sneaker Pimps“ schon sehr gerne hier und werde diese Tradition auch sicherlich weiterführen.

FRITZ: OK Chris, danke für das ausführliche Gespräch, hast Du noch eine letzte Nachricht an Salzburg?

Chris Corner (grübelt relativ lange und grinst): I´ll be back...

Also hat der gute Chris Corner auch schon Filmkunst mit österreichischer Beteilung genießen können, das ist mittlerweile klar. Als „I AM X“ schließlich kurz vor Zehn die Bühne des Rockhouse betritt bin ich tatsächlich etwas überrascht. Abgesehen vom gewechselten Outfit (dem nachmittäglichen Schwarz ist eine Sari-ähnliche Wickelkonstruktion in Purpur gewichen) sind die Gesichtszüge etwas härter geworden, der zerbrechliche Mann mit den nervösen Augen hat an Kraft und Ausstrahlung deutlich zugelegt und überträgt dies auch aufs Publikum. Es folgt ein interessantes Konzert, das kontinuierlich emotionaler wird je weiter der Zeiger wandert. „I AM X“ präsentiert sein neues Album aber hauptsächlich präsentiert er sich selbst. Große Posen eines kleinen Mannes. Und eine Keyboarderin die scheinbar ihr eigenes Konzert zu spielen scheint. Auf jeden Fall empfehlenswert.

#günther schmidhuber

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I AM X - Exklusiv - Interview - Sneaker Pimps - Rockhouse Salzburg
 

 

I AM X
 
  INTERNET
www.iamx.co.uk
Offizielle Homepage von I AM X.
 
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