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Griffbereit_#2
13. März 2004
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| Gute Haftung dank kompetenter
Mitarbeiter: Grip Inc. Bild:
SN/spv |
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Die Metal-Formation Grip Inc. kehrt am 15. März
mit ihrem besten Album zurück: Incorporated. Grund
genug für ein Gespräch mit Gitarrist und Produzent
Waldemar Sorychta.
Ein FRITZ-Ecklusiv-Interview in zwei Teilen.
FRITZ: Reden wir mal generell über die
Band. Wie würdest du den Sound von Grip Inc. beschreiben?
WALDEMAR: Super-Hyper-Hypnotized-Mega-Metal-Geil.
FRITZ: Okay ... also es gibt noch keine Sektion
im Plattenladen, die so heißt.
WALDEMAR: Also, unsere Musik ist auch immer
sehr persönlich. Ich muss auch sowas erwähnen,
dass ich z.B. sehr wenig Musik höre, aber dafür
sehr viel Musik mache. Ich bin null, aber absolut null
beeinflusst von Sachen, die gerade in sind. Du kannst
mir jetzt Bands vorspielen oder nachfragen, "das
ist gerade in und das ist dies" - interessiert
mich einfach nicht. Meine Inspiration ist einfach das
Leben. Wie ich nach Hause komme, mit welchen Emotionen,
mit welchen Gefühlen ich mich da dran setze. Und
ich will mich da in der Musik nicht selbst belügen
und irgendwelche Sachen machen, die ich selbst den nächsten
Tag nicht mehr hören kann, sondern die einfach
vom Inneren, vom tiefsten Inneren her kommen. Deswegen
beinhaltet diese Musik sehr viele emotionelle Momente,
aber auch sehr viele Sachen, die aus anderen Bereichen
sind - da ich grundsätzlich Musik liebe und mir
keine Grenzen stelle. Wenn wir jetzt ein Metal-Publikum
erreichen wollen, muss ich nur diese Art von Liedern
machen. Diese Barriere haben wir uns als Band nie gesetzt,
und das war auch immer das Gute dabei: Deswegen lieben
wir das, was wir machen, da wir vom Charakter her auch
drei irgendwo auf der einen Seite verschiedene Leute
sind, doch letztendlich, in dem Moment, wo wir aufeinander
zusammenprallen und die Musik machen - das bringt uns
immer zu dieser starken Einheit. Incorporated halt.
FRITZ: Was mir am Sound sehr gefällt, ist
die Verbindung von traditionellen Sounds mit neuen Sounds,
und eben auch Klänge, die man im Metalbereich nicht
hört.
WALDEMAR: Das ist jetzt auch keine Art von Sich-beweisen-wollen
oder irgendetwas auszuprobieren, denn in jedem Bereich
von diesen Klängen existieren bei mir mehrere Arten
von Liedern, wo ich vielleicht sogar ganze Alben davon
herausbringen könnte - nur, der Punkt ist ja nicht
... die Musik wird ja nicht besser, wenn ich mit jedem
Lied, was ich irgendwo geschrieben habe in meinem Leben,
sofort in die Öffentlichkeit rennen will. Das ist
nicht die Hauptsache, warum Musik Musik ist. In dem
Moment, wo wir als Einheit mit Grip da sind und diese
Stücke halt vortragen, ist das wirklich die beste
Form. Du kennst bestimmt auch viele Sachen, die vom
Orchester gespielt werden, viele Rockklassiker. Je nach
Orchester, je nach Arrangement klingen die unterschiedlich.
Einmal gefallen sie dir, einmal nicht. Manchmal verfehlen
sie den Sinn des Liedes, manchmal treffen sie den auf
den Punkt - obwohl das letztendlich die gleichen Melodien
sind. Deshalb: In der Musik ist es wichtig, sie mit
Leuten zu teilen, die dann das gleiche mit dieser Musik
auch ausdrücken wollen.
FRITZ: Stört es dich manchmal, dass Grip
Inc. oft als "die Band von Dave Lombardo"
gilt?
WALDEMAR: Ich würde lügen, wenn ich
sagen würde: "Nein, das stört mich überhaupt
nicht". Aber es ist jetzt auch nicht so, dass mir
das total Kopfzerbrechen bereitet. Denn für mich
selbst weiß ich, was die Band ist und was sie
tut - für die Öffentlichkeit ist es manchmal
besser, wenn die Band durch einen Namen mehr Aufmerksamkeit
auf sich zieht, als wenn sie das gar nicht tun sollte.
Es wäre viel zu schade für diese Art Musik,
einfach nicht beachtet zu werden. Natürlich ist
es wünschenswert, dass die Leute das nicht immer
so flach sehen und sich ein bisschen damit auseinandersetzen.
FRITZ: Du hast alle vier Alben der Band produziert.
Habt ihr euch mal überlegt, dass ihr einen Produzenten
von außerhalb reinholt, um andere Ergebnisse zu
erzielen?
WALDEMAR: Ein einziges Mal haben wir darüber
gesprochen, das ist verdammt viele Jahre her. Der Grund
war damals tatsächlich - nicht von meiner Seite
- dass irgendwo zumindest mal die Idee da war, was anderes
auszuprobieren. Was nicht besonders außergewöhnlich
ist, sondern bei jeder Band gang und gebe ist. Der Punkt
ist nur, dass man schwer den Richtigen finden konnte,
vor allem, da ich schon von vornherein das komplette
Bild im Kopf habe. Es geht ja nicht darum, dass ich
ins Studio gehe und dann noch zig Sachen ausprobieren
will oder mir bei dieser oder jener Sache unsicher bin,
sondern, dass man schon von vornherein mit der konkreten
Idee ins Studio geht. Und daher kann dann so eine Sache
zweideutig ausgehen: Man kann Glück haben und es
funktioniert, zumindest mal als Co-Produzent, aber wenn
man Pech hat, entsteht dann so eine Barriere, dass dann
ein Co-Produzent eine ganz andere Idee hat als die,
die ich habe - und ich glaube, da ist keinem dann gedient.
Da hat man mehr Stress und mehr Streit, als dass man
wirklich die Musik vorwärtsbringt. Und da hat man
dann auch bei den anderen schnell gemerkt, dass es eigentlich
keine Sache ist, über die wir uns den Kopf zerbrechen.
FRITZ: Beeinflussen die anderen Bands, die du
produzierst - die Liste ist ja sehr lang - das, was
du in Grip machst?
WALDEMAR: Nein. Definitiv nein. Man hat ständig
mit neuen Leuten, mit denen man arbeitet, neue Erfahrungen,
da sind viele verschiedene Kulturen - ich habe, glaube
ich, mit so ziemlich allen europäischen Ländern
gearbeitet, und da ist natürlich die Art und Weise,
wie man miteinander spricht und umgeht, deutlich unterschiedlich.
Der Punkt ist aber, dass Musik etwas total Internationales
ist, und da gibt es nur wirklich das, was man innen
drin fühlt. Und da ist dann egal, ob das finnisch
oder schottisch oder auch mexikanisch ist - Musik ist
der Ausdruck einer Persönlichkeit, und daher versuche
ich viel von dem, was ich in der Musik sehe, auch den
anderen Bands weiterzugeben und die auch immer dazu
zu bewegen, dass es viel wichtiger ist, eine glaubhafte
und ehrliche Platte aufzunehmen, als eine Scheiß-Platte
aufzunehmen, die vielleicht am Ende ein paar Stück
mehr verkauft, aber die du vielleicht in zehn Jahren
nicht mehr hören kannst. Und am Ende wirst du davon
mehr kaputtgehen, als wenn du einfach dir selbst ehrlich
bleibst.
FRITZ: Gibt es irgendwelche Bands oder Musiker,
die du gerne produzieren würdest oder mit denen
du zusammenarbeiten möchtest?
WALDEMAR: Die Musiker, vor denen ich sehr, sehr
großen Respekt habe, sind meist Leute, denen ich
auf keinster Art und Weise zutrauen würde, dass
die überhaupt einen Produzent brauchen. Die Leute,
die ich irgendwo sehr respektiere, sind auch meist Leute,
die sehr eigensinnig quasi in dieser Sache sind und
die auch von vorne bis hinten ganz genau wissen, was
sie wollen. Da wäre es sicher mal ganz interessant,
etwas auf die Beine zu stellen - aber hey, die Band
ist nichts anderes als das (lacht).
Schön langsam nähert sich das Interview dem
Ende. Waldemar erzählt mir noch, dass zukünftige
Tourneepläne noch nicht konkret sind, hofft aber,
bald durch die Musikhütten der Welt ziehen zu können.
Auf eine fehlende Grip-Homepage angesprochen, zeigt
er sich überrascht ("Du bist der erste, der
das fragt"), verspricht aber Besserung, damit die
Gruppe auch wieder Internet-Präsenz zeigt. Ich
bedanke mich bei Waldemar für ein über 30-minütiges,
interessantes Gespräch, verabschiede mich und wärme
meine Finger auf, um das Interview von der Minidisc
zu Papier zu bringen.
#christian genzel
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