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3. April 2005

Freedom Call - Sänger - Chris - Exklusiv-Interview - Circle of Life
Freedom-Call-Sänger Chris stand uns Rede uns Antwort. Bild: SN/freedom call  

Vom neuen Album "The Circle Of Life", der Musikindustrie und Patriotismus: FRITZ im Exklusivinterview mit „Freedom-Call“-Sänger Chris.

Mehr als 25.000 Tonträger konnte die Band von ihrem Debütalbum „Stairway To Fairyland“ absetzen. Tourneen mit „Hammerfall“, „Blind Guardian“, „Edguy“, zwei weitere Alben und eine Live-Platte machten sie weiter bekannt. Die Metaller aus Deutschland, die sich in keine Kategorie stecken lassen wollen, veröffentlichten mit "The Circle Of Life" vor kurzem ihr viertes Studioalbum. FRITZ wollte gespannt mehr erfahren.

FRITZ: Wie geht’s uns denn heute?

Chris: Alles prima, danke.

FRITZ: Wieso gibt es eigentlich zum neuem Album keine Single?

Chris: Das ist eigentlich die Entscheidung der Plattenfirma. Aber bei unserem Status würde eine Single nicht unbedingt Sinn machen.

FRITZ: Ist ja auch eher kommerziell, so eine Single?

Chris: Da denke ich, dass das kommerzielle im Hintergrund steht, da man aus Erfahrung über eine Single nur einen Bruchteil des Albums verkauft. Das ist mehr vom Marketing was Gesteuertes. Da werden die Leute im Vorhinein schon zum Album geführt und die Presse hat auch schon früher was zum bewerten.

FRITZ: Wie seid ihr auf den Titel des neuen Albums gekommen?

Chris: Wir haben uns da nicht so ein großes Konzept herum gebaut. Es war eigentlich eine relativ späte und spontane Entscheidung. Wir haben das Album eher nach dem Titel des einen Songs ( "The Circle Of Life", AdR) benannt.

FRITZ: Es war also nicht die Idee da, ein Album rund um das Thema „Leben“ zu machen?

Chris: Nein, ich denke, wenn man von vornherein ein Konzept zu diesem Thema startet, könnte man sein ganzes Leben daran sitzen. Mit den letzten drei Alben hatten wir ja ein Fantasiekonzept mit der Story von Taragon. Und wir wollten mit dem neuen Album ’mal konzeptfrei arbeiten, damit wir unbedarft die Lieder schreiben können.

FRITZ: Wer schreibt überhaupt eure Songs?

Chris: Daniel (Schlagzeug) macht mehr die Texte und ich (Gesang, Gitarre, Piano) das Musikalische. Cede (Gitarre) hat diesmal auch bei zwei Songs mitgearbeitet.

FRITZ: Trügt mein Eindruck oder ist das neue Album wirklich melodischer und nicht ganz so hart wie die letzten?

Chris: Das kommt natürlich ganz darauf an, wie man Härte definiert. Es stimmt schon das nicht so viele schnelle Nummern vertreten sind. Aber ich empfinde Härte eher vom spielerischen Standpunkt. Und da kann man Songs wie „Mother Earth“ oder „Hero Nation“ schon als härter bezeichnen als so manchen Super-Speed-Song. Aber auf jeden Fall haben wir bei diesem Album unser Kontingent erweitern wollen und sind ein bisschen in die groovigere Geschichte eingestiegen.

FRITZ: Wenn jemand Freedom Call gar nicht kennen würde, was würdest du ihm das neue Album und euch an sich schmackhaft machen?

Chris: Es ist wirklich so, dass uns viele noch nicht kennen. Da wir ja meistens die großen Touren gespielt haben mit „Hammerfall“ und „Blind Guardian“, und Festivals wie Wacken. Da sind Clubveranstalter und Besucher bis jetzt eher noch nicht so mit uns in Kontakt gekommen. Aber dennoch, um „Freedom Call“ in kurzen Worten zu beschreiben würde ich Adjektive wie positiv, sehr melodisch verwenden und variabel in Ausdruck, was die Geschwindigkeiten anbetrifft. Es ist ein Pluspunkt bei uns, das wir im Studio und Live einen Mix aus Speed, Midtempo und langsamen Nummern haben.

FRITZ: „King and Queens“ passt ja nicht so ganz in das Bild des Albums, oder?

Chris: Es ist einfach mit einem großen Lachen in den Augen („Blink in the Eye“) geschrieben worden. Die Idee besteht einfach darin, dass wir das Königshaus, ob Englisch, Dänisch oder Schwedische, einfach die Aristokratie an sich ein wenig zynisch, satirisch behandeln wollten.

FRITZ: Bei benanntem Lied ist gegen Ende ein Ausruf und danach Jubeln zu hören. Wird da „God save-„ oder „God shave the Queen“ gerufen?

Chris: Überlass ich dir *lach*. Das kann jeder hören wie er will. Aber ich glaube im Textbuch steht „God Shave The Queen“. *beide lachen*

FRITZ: Nicht negativ gemeint, aber die drei vorangegangenen Alben sind doch sehr ähnlich. Wieso genau jetzt der Wandel?

Chris: Ich sehe jetzt nicht so eine ganz neue Richtung, mehr eine Erweiterung an unserem Repertoire. Einfach ein neues Element an Freedom Call, das ein bisschen grooviger ist. Auch benutzen wir jetzt Tempos, die wir bis jetzt noch nie verwendet haben. Es ist ja nicht so, das wir früher nur Melodic-Speed-Metal geschrieben haben, wie das immer einkategorisiert wird, sonder auch viel experimentiert haben. Aber natürlich sollte es anders sein. Schließlich haben wir uns auch weiter entwickelt.

FRITZ: Von wegen Kategorien: Würdest du euch irgendwo einordnen?

Chris: Ich bin immer wieder überrascht, in welche verschiedenen Genres uns die unterschiedlichsten Magazine, Zeitungen und Webzines stecken. Das geht von Hard Rock über Speed Metal bis Prog-sonst-was Metal. Ich kenn die ganzen Kategorien gar nicht weil mich das eigentlich nicht interessiert. Das soll jeder selber entscheiden. Der große Oberbegriff ist im Prinzip: Rock n’ Roll Baby! *lach*

FRITZ: Gibt’s ein Lieblingslied vom neuen Album?

Chris: An jedem Song hängt mein Herz. Selber anhören tu ich mehr die untypischen Sachen wie „Mother Earth“, „Rythm Of Life“ oder „Circle Of Life“.

FRITZ: Gibt es grundsätzlich ein System hinter der Reihenfolge der Songs?

Chris: Natürlich macht man sich darüber Gedanken. Es sollen nicht alle Speedsachen am Anfang sein und ab dann langsam. Es muss immer gut gemischt sein, sonst wird das für den Zuhörer schnell langweilig.

FRITZ: Abgesehen von den Kosten, die es sicher unmöglich machen, habt ihr mal an Live-Konzerte mit Orchester und Chor gedacht?

Chris: Das ist so ein Traum eines jeden Musikers, der in diese symphonische Richtung tendiert. Es würde sich bei uns sicher auch gut anbieten. Aber ich denke, es haben schon so viele Bands gemacht, wie „Metallica“ im Großen oder auch „Rage“ im Kleinen, erschrecken kann man damit keinen mehr. Das wäre eher eine Geschichte, wenn man gar nicht mehr weiß, was man machen soll. Ich würde lieber meine Zeit dafür aufwänden, ganz neue Sachen auszuprobieren.

FRITZ: Blöde Frage, dennoch: Am Ende von „Warrior Of Light“ erinnert mich die Melodie des rein musikalischen Parts verdammt Stark an die deutsche Hymne.

Chris: *lacht* Na das kann schon sein, das kann schon sein… Aber das hat keinen nationalpatriotischen Gedanken in irgendeiner Art.

FRITZ: Wie kam es bei den ersten Alben zur Geschichte rund um das Fantasieland Taragon?

Chris: Es ist einfach ein Beiwerk, das auch zu den Fantasietexten passt. Das hat klein angefangen und machte dann so viel Spaß, dass wir es als Begleit- oder Leitstory zu den Alben übernommen haben. Aber es war nicht unbedingt so als großes Konzept für eine Trilogie gedacht. Wenn man da ewig dran rumarbeiten würde, hätten wir uns nur im Kreis gedreht. Deswegen haben wir die Geschichte auch so stehen lassen. Es sollte keiner sterben, es sollte aber auch kein Happy End geben. Kann schon sein, das wir noch mal kurz darauf zurückkommen.

FRITZ: So eine Art Metal-Opera, wäre nicht für euch?

Chris: Da ist die Frage ob es was Neues und Innovatives ist. Aber im Prinzip gab es das schon Alles mit zum Beispiel „Ayreon“. Da denk ich mir, ob die Leute wirklich noch mehr von so was brauchen. Ich will, dass die Fans sich freuen können, dass mal was Neues passiert und nicht immer dasselbe wieder neu aufbereitet wird.

FRITZ: Da habt ihr ja mit dem neuen Album einen guten Schritt gemacht. Wisst ihr schon wo ihr touren werdet?

Chris: Erst mal in Skandinavien, Deutschland, Schweiz. Voraussichtlich im Juni dann ein zweiter Teil in Südeuropa, und wieder in Deutschland. Im Sommer auf jeden Fall einige Festivals. Vielleicht dann im Winter noch ein paar Shows.

FRITZ: In Österreich schaut es schlecht aus?

Chris: Wir würden sehr gerne kommen. Im Rockhouse haben wir ja auch schon gespielt. Da wäre es super cool, nur die Veranstalter kennen uns fast nicht und wollen nicht das Risiko eingehen. Sie wissen ja nicht, wie viele Leute kommen würden. Wir versuchen es aber weiter und hoffen es klappt noch.

FRITZ: Bei Festivals werdet ihr wo sein?

Chris: Süddeutschland und England im Juni. Aber wie wissen das nie so früh. Wir sagen eher spontan zu.

FRITZ: Was kann man überhaupt von der Tour erwarten?

Chris: Auf unserer Webseite läuft ja eine Abstimmung, bei der die Fans von jedem Album drei Lieder aussuchen können, die wir dann auch so spielen werden. Sicherlich werden wir uns auch auf das neue Album konzentrieren.

FRITZ: Und was kam beim Voting so raus?

Chris: Es gab keine Überraschungen, aber wir halten uns dran.

FRITZ: Hat es dich ein wenig enttäuscht, das die Fans immer das selbe wollen?

Chris: Ich kann das verstehen, weil im Prinzip kann man sich die ganzen Scheiben überall anhören, aber live will man ’ne Party haben und gute Stimmung.

FRITZ: Was für Musik hörst du in deiner Freizeit?

Chris: Wenn man den ganzen Tag im Studio ist hat man ab Abend meist keine Lust mehr, konzentriert Musik zu hören. Außerdem habe ich ja noch meine Professionelle Coverband „Lanzer“, die dauernd live auftritt, um mir mein teures Hobby „Freedom Call“ leisten zu können.

FRITZ: Wie ist die Stimmung bei euch privat in der Gruppe?

Chris: Super gut. Mit Daniel geh ich ab und zu Skifahren, mit Ilker hab ich die Coverband. Das ist alles sehr locker und kein reines Arbeitsverhältnis.

FRITZ: Wie schaut es mit einer DVD aus?

Chris: Da haben sich auch schon viele dran versucht. Wenn, dann müsste das eine Top-Produktion sein wie bei „Blind Guardian“. Und da muss man sich fragen, ob man solche Kosten nicht sinnvoller verbraten kann.

FRITZ: Wie hast du das vorher mit dem teuren Hobby eigentlich gemeint?

Chris: Mit eigener Musik Geld zu verdienen ist natürlich schwer. Bis man wirklich davon Leben kann, das dauert natürlich. Im Moment ist dieser Punkt nicht erreicht.

FRITZ: Was plant ihr jetzt so?

Chris: Erst mal die Tourneen, und dabei gleich mit dem Songwriting fürs nächste Album anfangen. Wir haben da nicht gerne Stress. Es gibt da immer schon Ideen, aber bis die in ein Lied mit allem drum und dran verwandelt sind dauert das schon seine Zeit. Durch unser eigenes Tonstudio können wir das alles ausprobieren.

FRITZ: Na dann, vielen dank und alles Gute mit dem neuen Album. Und hoffentlich kannst sich „Freedom Call“ früher oder später doch selbst finanzieren.

Chris: Wir werden sehen. Danke dir auch, Abend!

#manfred jansky

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Freedom Call - Sänger - Chris - Exklusiv-Interview - Circle of Life
 

 

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