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Nebelschwaden
22. Juli 2005
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| Andrew Broder alias Fog. Bild:
SN/rough trade |
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Beseelte Songs und tragische Geschichten: DJ,
Produzent und Songwriter Andrew Broder alias "Fog" ist
verstörend und betörend zugleich.
„Fog“ heißt jener musikalische Nebel,
mit dem uns der umtriebige Multiinstrumentalist Andrew
Broder aus Minneapolis, USA, seit seiner ersten Veröffentlichung
im Jahr 2002 umhüllt.
Fog, das sind verschrobene
Beats, die sich lechzend und schlürfend aus dem
Drumcomputer quälen, sowie abwechslungsreich harmonisch
lieblich bis abschreckend kühl anmutende Sounds
aus zahlreichen, von Andrew Broder quasi im Alleingang
eingespielten Gerätschaften. Darunter zu finden:
Die Turntables, Broders liebstes Steckenpferd, mit
deren Hilfe er herzzereißende Scratchsoli zu
akustischer Klampfe und Klavier gibt, um Elemente scheinbar
entgegengesetzter musikalischer Welten zu einem großen
Ganzen zu vereinen.
Eingebettet in kantige Songs mit
Einflüssen sowohl aus Hip Hop, Folk und Trauermärschen
ergibt sich jener Wahnsinn, dessen sich der nicht unter
Mangel an kreativen Einfällen leidende Musiker
hier entledigt.
Broders Werdegang hinsichtlich professionell kreativer
Selbstverwirklichung begann 1999. Damals brach er sein
Studium an der Universität Minnesota ab, um dem
soeben im Kinderzimmer eingerichteten Heimstudio Leben
einzuhauchen. Drei Jahre später, im Februar 2002,
veröffentlichte er auf dem renommierten Londoner
Label „Ninjatune“ sein Debütalbum:
Fog. Darauf setzte Broder zwischen Spoken Word, Breakbeats
und Turntablism vor allem auf seine vom experimentellen
Hip Hop her kommenden Soundvorstellungen. Gelegentlich,
etwa in „Pneumonia“, der ersten Single
und gleichsam bis heute wohl stärksten Nummer
Fogs, blitzte Andrew Broders Songwriting-Talent auf.
Mit besagtem Lied arbeitete der damals erst vierundzwanzigjährige,
aufgrund den Folgen einer schweren Lungenentzündung
aber bereits körperlich um so kaputtere Musiker
seine Leidensgeschichte auf: „Welcome to the
worst part of your life!“ Tapfer ist, wer durchhält.
Die körperlichen Leiden sind aber mittlerweile
ebenso Schnee von gestern wie Fogs Signing bei Ninjatune,
das mit der spätestens auf Broders zweitem Album, „Ether
Teeth“, vollzogenen Wandlung vom Herrn über
die Turntables hin zu einem veritablen Songwriter ein
jähes Ende fand. Dem Experimentellen bleibt Broder
aber auch auf seinem nun bei Lex Records/Rough Trade
erschienenen, dritten Album, „10 th Avenue Freakout“ treu,
ohne freilich heute die Trompete als Mittel zur Verbreitung
positiver Energien durch schwungvolle Melodieführung
zu verachten. Verstörend und betörend schön
in Einem: Vergleichbares hört man selten.
# andreas rauschal
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