|
Die Message zählt
12. November 2005
 |
 |
| Tiefgang statt Sexismus: „Die
Firma.“ Bild:
SN/rockhouse |
|
 |
 |
Intellektueller Ausgleich zu Aggro & Co: "Die
Firma", als Ausnahmeformation im Deutsch-Rap, kommt
mit ihrem vierten Album ins Salzburger Rockhouse.
Deutschsprachiger "Gangster"-Rap regiert die Charts:
Der Mythos Aggro Berlin - das Underground-Label mauserte
sich in den letzten Jahren zum "Major" mit goldenen
Schallplatten - ist inzwischen allgegenwärtig.
Ob Maskenmann Sido oder Vorzeigeprolet Fler: Während
ihnen Politiker Nazi-Tendenzen unterstellen, lieben
sie Jugendliche für ihre "Authentizität".
Auch Bushido, Ex-Aggro-Member und Hobby-Gangster,
nützte seine Gerichtsverhandlung in Linz gekonnt
für Promotion-Zwecke - Image ist eben alles. "Street
Credibility" spielt auch in unseren Breitengraden eine
immer bedeutender werdende Rolle. Zwar nicht so extrem
wie in den USA - dort steigen die Verkaufszahlen mit
jedem Einschussloch -, aber der deutsche Markt passt
sich dem "großen Bruder" stetig an. Dass nicht
alle Künstler auf den Zug nach Aggro-Town aufspringen,
um mit sexistischen und vorzugsweise niveaulosen Texten
rasch ein paar Scheine zu verdienen, beweisen Crews
wie "Die Firma". Wem das kölnische Rap-Trio und
sein erster großer Hit "Die Eine" aus dem Jahre
1998 bisher nichts gesagt haben, der kennt Tatwaffe,
Def Benski und Fader Gladiator spätestens seit "Die
Eine 2005", dem aktuellen Remix.
Der Love-Song ist momentan ständiger Begleiter
beim Zappen durch die Fernsehlandschaft - schuld am
unvermeidlichen Overkill: Nervige Handy-Klingeltöne.
Tiefgang statt üppige Oberflächen - "Die
Eine 2005" zeigt: Erfolg ist möglich, ohne Frauen
auf Küche und Bett zu reduzieren. Ähnlich
wie Kanye West und Mos Def in den Staaten das Gegenstück
zu Gangster-Rappern wie 50 Cent bilden, sorgt "Die
Firma" hier zu Lande für selten gewordene "Deepness".
Ihr viertes Album "Krieg und Frieden" ist da keine
Ausnahme. Zwischen Verschwörungstheorien, politisch
orientierten und ernsten Texten ("Krieg und Frieden", "Tränen")
finden sich auch immer wieder Party-Burner ("Rollt
mit uns", "So läuft das") auf der Scheibe. Anstatt
mit erhobenem Zeigefinger politische Halbweisheiten
zu predigen, versucht das Trio unaufdringlich auf Probleme
aufmerksam zu machen und wirkt dadurch nicht lächerlich.
Wer sich von den Live-Qualitäten der sympathischen
Band überzeugen will, kann dies am kommenden Freitag
(18. 11.) im Salzburger Rockhouse tun. Wir sehen uns.
#stephan kliemstein
|