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Rocker mit Mönchskutte
14. Mai 2003
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| Rock'n'Roil straight out of Heaven
Bild: SN/ratzer |
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Abtprimas ist "Chef" von etwa 25.000
Nonnen und Mönchen und nebenbei Gitarrist in einer
Rockband.
Wie der Gitarrist einer Rockband sieht Notker Wolf
wirklich nicht aus. Mit seiner hohen Stirn und den ergrauten
Haaren entspricht der 62-Jährige gar nicht dem
Bild eines Musikers, der harte Gitarrenriffs liebt.
Seine Rock-Leidenschaft wirkt noch viel verblüffender,
wenn er beim Musizieren seine "Berufskleidung"
trägt. Wolf ist Mönch und leitet als Abtprimas
die Klostergemeinschaften der Benediktiner - damit ist
er "Chef" von etwa 25.000 Nonnen und Mönchen
weltweit. Doch sein kirchliches Amt hindert ihn nicht,
in der absolut weltlichen Band Feedback Gitarre und
Flöte zu spielen. Am 19. Mai erscheint das erste
Album des Mönches und seiner Gruppe.
"Meine musikalischen Vorbilder sind unter anderem
Jethro Tull, die Rolling Stones, Deep Purple und AC/DC",
sagt Wolf. Ein Lieblingssong sei "Highway To Hell"
von AC/DC - allerdings betrachte er den Text mit der
für einen Kirchenmann nötigen Ironie. Es müsse
nicht jedes Wort ernst genommen werden. Außer
von den berühmten Altrockern lassen sich Wolf und
Feedback von diversen Blues-Interpreten für ihre
Songs inspirieren. "Retro-Rock mit erdigen Gitarrensounds"
charakterisieren die sechs Musiker die elf Lieder ihres
Albums "Rock My Soul". "Das Besondere
an der Musik, vor allem an der Rock-Musik, ist das freie
Improvisieren", beschreibt Wolf seine Vorliebe
für die eher lauten Töne.
Wolfs ungewöhnliches Engagement bei der Band begann
vor etwa zehn Jahren. Bei einem Fest in seiner damaligen
Gemeinde St. Ottilien (Bayern) spielte Feedback, eine
Gruppe ehemaliger Gymnasiasten. Der Mönch kletterte
spontan auf die Bühne und begleitete die Musiker
auf seiner Flöte. Dabei fand er Gefallen an der
härteren Musik und lernte anschließend die
ersten Griffe auf einer E-Gitarre. In der Folgezeit
probte er regelmäßig mit Feedback. "Das
Verhältnis innerhalb der Band ist unkompliziert",
betont Wolf. "Wenn ich schlecht spiele, werde ich
genauso wie jedes andere Mitglied kritisiert."
Keine Kritik an seiner Musik kommt dagegen aus der katholischen
Kirche, in der Wolf seit 42 Jahren Mönch ist. "Einige
finden das sogar toll."
"Leider habe ich momentan kaum noch Zeit zum gemeinsamen
Proben, da ich nun in Rom wohne", bedauert Wolf.
Außerdem habe er generell nur äußerst
wenig Freizeit, da er sehr oft zu Konferenzen müsse
oder Benediktiner auf den verschiedenen Kontinenten
besuche. Um nicht aus der Übung zu kommen, hat
sich der Mönch etwas Besonderes ausgedacht: Auf
Reisen hat er fast immer seine E-Gitarre dabei. "Deshalb
habe ich auch schon im Flugzeug geübt. Die anderen
Passagiere hat das aber nicht gestört, viele waren
begeistert", erinnert sich Wolf. Für die gemeinsamen
Konzerte mit Feedback hat er sich extra frei genommen.
In diesem Jahr hat er immerhin Zeit für zwei Auftritte
in München (18.5. und 22.08.) und ein Konzert in
Dornbirn in Vorarlberg (16.10.).
#apa/m2e |